Autoverkehr ist ineffizient. Das wissen wir. Erstens ist der Wirkungsgrad des Antriebs gering, zweitens transportiert die überwiegende Mehrheit der Fahrzeuge neben dem gewaltigen Eigengewicht nur eine einzelne Person. Bis die…

Autoverkehr ist ineffizient. Das wissen wir. Erstens ist der Wirkungsgrad des Antriebs gering, zweitens transportiert die überwiegende Mehrheit der Fahrzeuge neben dem gewaltigen Eigengewicht nur eine einzelne Person. Bis die Technik Effizienz, Emissionen und Eigengewicht im Griff hat, können wir uns schon einmal damit befassen, wie wir die vorhandenen Fahrzeuge vernünftiger nutzen als bisher.

Mehr und mehr Autozulassungen bei immer gleicher Verkehrsfläche. Gerade in Großstädten sieht man durch Staus und Parkplatzprobleme, dass dieses Modell nicht für immer funktionieren kann. Das durchschnittliche Auto steht zudem fast 23 Stunden am Tag ungenutzt herum und nimmt anderen Verkehrsteilnehmern Platz weg. In der einen Stunde, in der es sich bewegt, sitzt meist nur ein einzelner Mensch darin.

Neben Carsharing-Systemen und dem Umstieg aufs öffentliche Verkehrsnetz gibt es noch eine interessante Möglichkeit, Fahrten effizienter zu machen. Unter dem Titel „Carpooling“, „Ridesharing“ oder einfach: „Mitfahren“ bekannt, kann das Modell „Fahrgemeinschaft“ viel leisten, wenn es gut organisiert ist. Für diese Organisation gibt es in Österreich eine Plattform namens „mitfahrgelegenheit.at“, die Teil eines europaweiten Netzwerks – „carpooling.com“ – ist. Wir haben mit einem der Gründer gesprochen.

energieleben.at: Guten Tag, Herr Weber. Zum Einstieg möchte ich Sie bitten, uns kurz etwas über Ihre Person zu erzählen.

Stefan Weber: Als einer der Gründer von carpooling.com beschäftige ich mich seit mehr als zehn Jahren mit innovativen und smarten Mobilitätskonzepten. Wie lässt sich der Autoverkehr durch moderne Informationstechnik effizienter machen? Wie schaffen wir es, dass die Mehrzahl der Leute in Zukunft nicht mehr alleine im Auto sitzt?

Mich fasziniert die Carpooling-Idee bis heute. Es ist ökonomisch, ökologisch und verkerspolitisch einfach sinnvoller, wenn die Menschen Fahrgemeinschaften bilden. Unsere erste Plattform mitfahrgelegenheit.de haben wir bereits im Jahr 2001 gegründet, das Unternehmen aber erst in den letzten Jahren professionalisiert.

Vorher arbeitete ich im Produktmanagement bei Yahoo! und war für die Produkte im Bereich Information & Finance verantwortlich. Heute kümmere ich mich um das Wachstum unseres carpooling.com-Netzwerkes. Mit Plattformen in neun europäischen Ländern und mehr als 3,4 Millionen registrierten Nutzern betreiben wir das größte Online-Mitfahrnetzwerk Europas.

Worum geht es bei der Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten?
Warum Mit-Fahren?

Stefan Weber: Die Nutzung von Mitfahrgelegenheiten ist eine äußerst einfache, günstige und ökologisch sinnvolle Form der Mobilität. Wer Mitfahrgelegenheiten nutzt oder anbietet, spart Geld, schont die Umwelt und lernt auch noch nette Leute kennen.

Das Publikum ist übrigens bunt gemischt. Mitfahrgelegenheiten sind für Azubis und Studenten genauso sinnvoll wie für berufstätige Pendler. Ich selbst habe beim Mitfahren immer gute Erfahrungen gemacht und das Feedback, das wir von den Nutzern bekommen, ist fast durchweg positiv. Klicken. Fahren. Sparen. – das funktioniert einfach gut.

Wie ist das mit mitfahrgelegenheit.at bzw. carpooling.com: Seit wann gibt es diese Services?

Stefan Weber: Mitfahrgelegenheit.at gibt es seit August 2008. Die Plattform ist Teil des europäischen carpooling.com-Netzwerkes. So lassen sich auch Fahrten nach Deutschland, in die Schweiz oder etwa nach Italien, Frankreich und Spanien finden.

Und wie nimmt man den Dienst in Anspruch? Wie funktioniert das System?

Stefan Weber: Fahrer geben einfach ihre Fahrten ein und zeigen an, wie viele Plätze sie frei haben und wie hoch der Beitrag der Mitfahrer zu den Benzinkosten sein soll. Mitfahrer melden sich dann per Telefon oder E-Mail. Über das neue Buchungssystem können sich Fahrer und Mitfahrer verbindlich Plätze buchen sowie die Zahlung einfach und sicher über unsere Plattform abwickeln.
Fahrten lassen sich übrigens auch von Unterwegs über die mitfahrgelegenheit.at-Apps für iPhone und Android eingeben und suchen.

Wie funktioniert bei mitfahrgelegenheit.at das Geschäftsmodell? Sprich, wie finanzieren Sie sich?

Stefan Weber: Wir finanzieren uns bisher vor allem über Werbung und Kooperationen. In Deutschland integrieren wir zum Beispiel günstige Angebote der Deutschen Bahn oder von Buslinien in die Suchergebnisse.
Eine weitere Finanzierungssäule sind Beiträge der Nutzer wie zum Beispiel durch unseren Premium-Service.

Ganz allgemein gefragt: Was muss passieren, damit die Belastung durch den Individualverkehr wirklich geringer wird?

Stefan Weber: Wenn die Möglichkeiten des Carpoolings noch weiter ausgeschöpft würden, wäre schon viel gewonnen. Es muss einfach alltäglich werden, dass jeder, der alleine im Auto sitzt, die Fahrt vorab im Internet für Mitfahrer anbietet. In Frankreich wird Carpooling gesetzlich gefördert. Das wollen wir für Österreich ebenfalls erreichen. Außerdem bieten wir großen Unternehmen die Einrichtung von betrieblichen Mitfahrzentralen an. So können die Unternehmen den Pendlerverkehr zu ihren Werken reduzieren und ihre CO2-Bilanz verbessern.

Was erwarten Sie von der Zukunft des Verkehrs? Wohin entwickelt sich Mobilität?

Stefan Weber: Es gibt einen starken Trend zur vernetzten Mobilität. Über Internet und Smartphone kann man sämtliche verfügbaren Verkehrsangebote vergleichen und das günstigste heraussuchen. Dabei kombiniert man auch verschiedene Verkehrsmittel, fährt also ein Stück mit dem Zug und ein Stück mit dem Auto und in der Stadt leiht man sich gegebenenfalls ein Fahrrad. Das eigene Auto wird so für immer mehr Menschen verzichtbar.

Vielen Dank!

Stefan Weber: Ich danke Ihnen.

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