Ulrike Göbl schreibt für Energieleben.at eine zweiwöchentliche Kolumne zum Thema nachhaltige Ernährung. In diesem Artikel schreibt die Bloggerin über die Massenproduktion von Bio-Produkten und den damit verbundenen Problemen.

Vor Kurzem gab es eine interessante Dokumentation auf Arte, “Die Bio-Illusion”. Christian Jentsch hat in dieser Dokumentation eine Menge Informationen über die Produktion von Bio-Produkten zusammen getragen, und einmal hinter die Kulissen geschaut.

Bio Produkte finden reißenden Absatz – rund 21 Milliarden werden mittlerweile pro Jahr im EU Raum umgesetzt. Aus den ursprünglichen Idealen einer regionalen, fairen und ressourcenschonenden Landwirtschaft ist also längst eine globale Massenproduktion geworden, wodurch auch der Preisdruck steigt. Dass das nicht gut gehen kann liegt auf der Hand. Was ist also der Preis des Bio-Booms? Ist Bio wirklich immer Bio? Und wohin fließen die vielen Milliarden Euro Subventionen der EU, mit denen die Umstellung auf Bio gefördert wird?

Man lernt im Laufe des Films Bio-Produzenten aus den unterschiedlichsten Ländern kennen: einen alten Bauer aus dem Schwarzwald etwa, ein Pionier der landwirtschaftlichen Ökobewegung. Er lässt die Öko-Zertifizierung nun sein, nicht etwa weil er in Pension gehen möchte, nein es macht einfach zu viel Arbeit. Seine Landwirtschaft wird er weiter betreiben, die Qualität seiner Produkte wird er nicht verändern – aber eine Zertifizierung nach EU-Normen zahlt sich für ihn nicht mehr aus.

Man sieht aber auch andere Seiten des Bio-Geschäfts: Geschäftsmänner, die sich Rendite aus Bio-Investitionen für ihre Anleger erhoffen. Oder “Bio”-Produzenten am anderen Ende der Welt, die aufgrund von geschickten Auslegungen der Richtlinien EU-Förderungen erhalten, jedoch trotz Bio-Siegel die Umwelt verpesten. Was man jedoch in den 90 Minuten kein einziges Mal hört, ist die Tatsache, dass selbst die nachlässigste Bio-Herstellung den Planeten noch immer weniger belastet als die konventionelle Methode. Sicher erfolgt die Massenherstellung von Bio-Produkten anders, als es kleinbäuerlich geschehen würde. Dass aber die normale Herstellung meist ein Vielfaches an Energie und sonstigen Ressourcen kostet wird nicht erwähnt.

Außerdem werden ausschließlich die Hersteller in Haftung genommen. Wir Konsumenten haben es schließlich in der Hand! Wenn jedoch der Großteil der Konsumenten auch noch im Winter frische Erdbeeren zum Tiefstpreis – natürlich mit Bio-Siegel – verlangt, wird sich der Handel nach der Nachfrage richten. (Unglaublich aber wahr: rund 65 Prozent der Bio-Konsumenten beziehen ihre Bio-Produkte beim Diskonter!)

Wie soll also für die breite Masse biologisch, nachhaltig und fair produziert werden, wenn gleichzeitig ein enormer Preisdruck von Konsumenten, Discountern und Großhändlern auf die Produzenten ausgeht? Ein Kleinbauer mit einem jahreszeitlich wechselnden Agrarsortiment kann einen kleinen, exklusiven Bioladen problemlos beliefern. Große Discounter und Supermärkte können und wollen sich den höheren Aufwand mit vielen Kleinbauern (statt einem Großproduzenten) gar nicht leisten. Die gleichbleibende Qualität der Waren muss trotz Bio gewährleistet werden, “unschönes” Obst und Gemüse wird also weiterhin aussortiert – obwohl es alle Bio-Vorgaben erfüllt. Also passiert das Gegenteil des ursprünglichen Ideals: Bio wird inzwischen so kommerziell und fabrikmäßig produziert wie andere Lebensmittel.

Ist diese Entwicklung bei einem wachsenden Markt unausweichlich? Wenn man Bio nur über den kleinsten gemeinsamen Nenner definiert: als Lebensmittel ohne Chemie, wäre die Masse noch möglich. Aber Bio, so wie die Pioniere und auch die Konsumenten es verstehen, kann nicht in solchem Ausmaß produziert werden.

Ulrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform.

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