Brauchen wir in der Nacht wirklich voll ausgeleuchtete Straßen?

Unsere Städte sind hell erleuchtet, jeden Abend, jede Nacht. Straßenbeleuchtung gibt uns ein Gefühl der Sicherheit. Sobald wir durch dunkle unbeleuchtete Gassen gehen, drehen wir uns immer wieder um, schauen vorsichtig in jeden Winkel und Hauseingang ob da auch niemand ist, der uns eventuell Böses will. Doch nun haben manche Städte, vor allem in Großbritannien, begonnen die Straßenbeleuchtungen zu dimmen oder sogar ganz abzuschalten. Sie tun dies um Kosten für Energie und Wartung zu sparen.

Viele werden jetzt vermutlich sofort denken, dass dadurch die Kriminalitätsrate oder die Zahl an Unfällen gestiegen ist, doch eine Studie der University of London zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Nur ein Prozent der nächtlichen Unfälle ereignete sich auf Straße wo die Beleuchtung abgeschaltet wurde. Die Studie konnte keine Verbindung finden zwischen reduzierter oder abgeschalteter Beleuchtung und den Unfällen. Weiters wurde auch kein Anstieg der Kriminalität, egal ob Einbrüche, Überfälle, Autodiebstahl oder Sexualverbrechen festgestellt: Mancherorts ging die Kriminalität sogar zurück, denn auch Verbrecher scheinen sich im Dunkeln zu fürchten.

Natürlich hat elektrisches Licht viele Vorteile für die Menschheit gebracht. Dank Beleuchtung können wir den Tag verlängern, länger produktiv sein und uns auch nach Einbruch der Dunkelheit noch diversen Beschäftigungen widmen. Doch gerade wenn es um Außenbeleuchtung geht, gibt es einen Punkt an dem Beleuchtung ineffizient, unnötig oder sogar störend wird. In so einem Fall sprechen wir von Lichtverschmutzung und diese ist ein immer größer werdendes Problem, das auf Mensch, Tier und Natur Einfluss hat.

Beim Menschen wird der circadianer Rhythmus, also unser Schlaf-Wach-Rhythmus oder unsere innere Uhr gestört. Dies kann Hormonhaushalt, Gehirnwellenmuster und Zellzyklus durcheinander bringen und so zu Depressionen, Schlaflosigkeit, Herzkreislauferkrankungen und Krebs führen. Bei Tieren kann dadurch die Orientierung, der Fortpflanzungskreislauf oder das Zugverhalten gestört werden. Sogar diverse Pflanzen haben es durch längere Kunstlichtexposition schwerer sich an saisonale Schwankungen anzupassen.

Wenn man sich all diese negativen Auswirkungen ansieht und sich dabei vor Augen hält, dass die britische Studie keine Zusammenhänge zwischen Intensität der Straßenbeleuchtung und Unfallhäufigkeit oder Kriminalität gefunden hat, muss man dafür plädieren, dass alle Städte und Gemeinden die nächtliche Beleuchtung reduzieren. Auch der Einsatz intelligenter Beleuchtungssysteme, wie in Bruck an der Mur, ist eine gute Alternative zur Vollbeleuchtung. Abgesehen davon, dass wir dadurch Kosten und Energie sparen würden und wir oben genannte Probleme und Beschwerden reduzieren könnten, wären viele von uns zum ersten Mal in der Lagen, wirklich einen leuchtenden Sternenhimmel zu sehen und ihn zu genießen.

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Bild: Wikimedia

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