Dominic Griebler ist der Profi, wenn es um nachhaltiges Fahren mit dem Aufzug geht. Fotocredit: © Dominic Griebler
Dominic Griebler ist der Profi, wenn es um nachhaltiges Fahren mit dem Aufzug geht. Fotocredit: © Dominic Griebler
Hast du dich schon mal gefragt, wie nachhaltig eigentlich Aufzüge sind? Die erstaunliche Antwort ist: Setzt man auf das richtige Modell, sind sie sogar äußerst energieeffizient. Was das in der Liftbranche bedeutet und warum du in Österreich keine Angst haben musst, mit einem Lift abzustürzen, erzählt Aufzug-Profi Dominic Griebler.

Zwei Milliarden Menschen. Das ist die Anzahl der Menschen, die durch die zwei Millionen gewarteten Aufzüge des weltweit führenden Herstellers von Aufzügen, Fahrtreppen und Fahrsteigen Otis täglich bewegt werden. Besonders in den Städten ist die regelmäßige Fahrt mit einem Aufzug so selbstverständlich, dass sich wahrscheinlich die wenigsten von uns je gefragt haben, wie nachhaltig so eine Liftfahrt eigentlich ist. Wir haben es nicht dabei belassen, uns das selbst zu fragen, sondern haben uns auf die Suche nach qualifizierten Antworten gemacht. Aufzugs-Profi Dominic Griebler, Corporate Communication Manager bei Otis in Österreich, hat solche Antworten für uns im Interview parat. 

Herr Griebler, bei Aufzügen ist es für manche Menschen wie mit Flugzügen: So ganz klar ist einem nicht, wie die Dinger funktionieren und nicht jedem ist das geheuer.

Dominic Griebler: „Die Frage, wie und mit welcher Aufhängung ein Lift funktioniert, die ist vermutlich so alt, wie die Aufzugsbranche selbst. Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Branche mit der Erfindung der Aufzugsfangvorrichtung durch Elisha Graves Otis entstand, wurden über die Jahrhunderte unterschiedliche Technologien getestet. Hydraulik- und Stahlseilaufzug haben sich hier im letzten Jahrhundert durchgesetzt. Heute arbeiten aber bereits viele Anbieter mit Gurten, um nachhaltiger und effizienter agieren zu können.“

Otis betreibt zwei Millionen Aufzüge auf der ganzen Welt. Wie sieht da die Energieeffizienz aus?

Dominic Griebler: „Tatsächlich sehr gut. Sie müssen sich vorstellen, dass die Hälfte unserer Aufzüge, also etwa eine Million, der ReGen-Drive-Generation entstammt. Einem Modell mit – wie der Name schon vermuten lässt – regenerativen Antrieb.“

Seit wann gibt es denn diesen Aufzug mit regenerativem Antrieb und wie funktioniert das?

Dominic Griebler: „2000 haben wir in Österreich die weltweit ersten Anlagen mit Gen2-Technologie installiert. Dazu gehört seit mehr als 10 Jahren eben auch der genannte ReGen-Drive. Der Antrieb arbeitet mit der Energie, die von der Kabine selbst während der Fahrt erzeugt wird. Ist der Aufzug leer und fährt rauf, dann ist das Gegengewicht schwerer als die Kabine, wodurch Energie entsteht. Fährt ein vollbesetzter Aufzug runter, dann ist er wiederum schwerer als das Gegengewicht. Er zieht es automatisch hinunter und auch so wird Energie erzeugt. Diese Technik kommt bei unseren Aufzügen also schon seit mehr als einem Jahrzehnt zum Einsatz.“ 

Das heißt, das Thema Energieeffizienz ist tatsächlich ein wichtiges Thema für Sie.

Dominic Griebler: „Ja und Energieeffizienz gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die aktuell für mich wichtigere Frage ist: Was passiert denn mit der erzeugten Energie? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Sie kann ins Gebäude selbst gespeist werden, oder man entscheidet sich für Akkus, die integriert werden, mit denen der Aufzug wiederum betrieben wird. Im ungünstigsten Fall verpufft sie einfach als Wärme. Früher war das häufig die Variante, für die sich Bauträger entschieden haben, denn es war bei Weitem die günstigste. Wenn ich ein System möchte, in dem die Energie so effizient wie möglich genutzt wird, brauche ich zum Beispiel Akkus und die kosten Geld. Heute hat sich da das Bewusstsein glücklicherweise stark verändert und die erste Frage ist nicht mehr, was das kostet, sondern eben, wie energieeffizient ein System ist.“ 

Das heißt, der gesellschaftliche Wandel ist auch auf Unternehmensseite in der Aufzugsbranche spürbar? 

Dominic Griebler: „Eindeutig. Man muss bedenken, Aufzüge werden ja in vielen Fällen von Generalunternehmen gekauft, die Objekte zwar bauen, aber sie schlussendlich nicht betreiben. Die Gebäude werden anschließend einer Hausverwaltung samt Aufzug übergeben und hier war wirklich lange der Ansatz, schlicht das wirtschaftlich günstigste Aufzugs-Modell zu bevorzugen. Hier spüren wir den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit recht deutlich. Denn die Kunden verlangen zunehmend nach energiesparenden, ressourcenschonenden und erneuerbaren Herangehensweisen. Wenn der gesellschaftliche Druck der Konsumenten größer wird, ruft das natürlich auch die Unternehmen auf den Plan. Diese sagen sich: Wenn es für Kunden wichtig ist, muss es auch für mich wichtig sein. Da führen wir dann ganz andere Gespräche, in denen das Thema Energieeffizienz einen zunehmenden Stellenwert einnimmt. Das sieht man beispielsweise auch am Ausbau der Solarenergie. Das ist auch für uns als Lifthersteller wichtig. Denn heute werden viele neue Häuser bereits mit Solar- oder Photovoltaikanlagen gebaut, die man auch schnell in die Aufzugsperipherie integrieren kann.“

Sie haben vorhin schon die Gen2-Technologie angesprochen, zu der Ihre Modelle mit regenerativem Antrieb gehören. Wie sieht da das konkrete Einsparungspotenzial aus?

Dominic Griebler: „Das ist schon sehr beachtlich. Die Gen2-Generation wird im Wohnbau und auch in Büros sowie in Hotels eingesetzt. Und da konnten wir berechnen, dass wir im Vergleich zu hydraulischen Aufzügen bis zu 75 Prozent Stromverbrauch sparen. Uns geht es aber nicht nur alleine um die Energieeffizienz. Wir betrachten unser System auch aus einer nachhaltigen Perspektive mit der Frage, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen wollen. Heute kommen zum Beispiel bei Neuanlagen Polyurethan-ummantelte Gurte als Tragmittel zur Anwendung.“ 

Inwiefern hat die Ummantelung von Stahlseilen mit einem Gurt denn einen nachhaltigen Charakter?

Dominic Griebler: „Durch die Ummantelung der Seile kommt es nicht zur Berührung von Stahl auf Stahl. Dadurch hält das Material länger und wir brauchen vor allem auch keine Schmiermittel. Wenn Sie bedenken, dass wir zwei Millionen Aufzüge weltweit in der Wartung haben, wir uns davon bei etwa einer Million dank der Gen2-Generation das Schmiermittel ersparen und dazu noch die Stromreduktion durch LED hernehmen, dann ist das eben nicht nur eine wirtschaftlich erfreuliche Sache, sondern für unseren nachhaltigen Ansatz besonders wesentlich.“

Und trotzdem ruhen Sie sich darauf nicht auf der bisher erreichten Energieeffizienz aus, sondern arbeiten an weiteren klimafreundlichen Konzepten in Punkto Aufzüge, richtig? 

Dominic Griebler: „Ich denke, wir können sowohl gesamtgesellschaftlich als auch im Unternehmen immer schauen, was wir noch machen können, um unabhängiger und effizienter zu werden. Bei Aufzugssystemen ist beispielsweise das Thema Stromausfall ein bisschen eine Achillessehne. Hier schauen wir konstant, was man in dieser Richtung noch verbessern kann. Seit ein paar Jahren haben wir den Gen2 Switch, der ein Akkupack hat, der auch erneuerbare Energien nutzt. Der fährt dann im autonomen Betrieb, weil er sich erstens die Energie direkt aus der Solaranlage am Dach oder der Windkraftanlage in der Nähe zieht und zweitens durch seine Akkus auch noch etwa für 100 Fahrten einsatzbereit bleibt, wenn der normale Strom durch Ausfall wegfällt. Ein weiterer Schritt im Umweltmanagement könnten darüber hinaus Paneele direkt auf den Aufzugsschächten selbst sein. Wir haben hier 2017 ein Pilotprojekt in Hernals in Wien gestartet, bei dem ein Außenaufzug direkt am Schacht Photovoltaikpaneele montiert hat, um damit Strom zu generieren. Wir haben hier kürzlich gemessen, dass wir jährlich damit drei mal mehr Energie produzieren, als der Lift eigentlich braucht. Das wäre toll, wenn wir in Zukunft also nicht nur Dächer sondern beispielsweise auch andere Gebäudeteile als Paneelträger nutzen könnten, damit deren Energie nicht nur in den Lift selbst sondern eben direkt ins Gebäude eingespeist werden könnte.“ 

Auch wenn das nichts mit Effizienz und Klimaschutz zu tun hat, ich muss Sie als Profi im Bereich der Aufzüge einfach fragen: Wie hoch ist die Chance, dass ich in einem Lift abstürze?

Dominic Griebler: „Hierzulande können Sie in offiziell abgenommenen Aufzügen nicht abstürzen. Sie alle sind mechanisch vor einem Absturz gesichert. Bei Otis zum Beispiel läuft ein Seil an der Seite mit, das mechanisch mit unserer Aufzugfangvorrichtung interagiert. Sollte die Kabine ihre Geschwindigkeit außerhalb der Norm überschreiten, registriert es das System sofort – also während einer zurück gelegten Strecke von maximal 25 bis 30 cm – und es wird automatisch eine Notbremsung eingeleitet. In Österreich müssen alle Aufzüge überdies jährlich durch ein akkreditiertes Unternehmen überprüft werden. Ein Absturz ist daher so gut wie ausgeschlossen .“

Dann bleibt noch die andere bange Frage: Was ist, wenn ich im Lift stecken bleibe? 

Dominic Griebler: „Die Chance, stecken zu bleiben, ist wirklich gering. Wenn Sie bedenken, dass wir zum Beispiel alleine mit den 44 Liften in der Wirtschaftsuniversität täglich 33.000 Fahrten haben, wird schon deutlich, wie verschwindend gering das Risiko statistisch ist. Aber selbst für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Ihnen das einmal passieren sollte, sind die klassischen Horrorvorstellungen dank der österreichischen Gesetzgebung völlig unbegründet. Denn laut Gesetz muss innerhalb von nur einer halben Stunde ein Techniker bei Ihnen vor Ort sein, um die Befreiung einzuleiten. Und wenn wir beispielsweise nach einem Notruf im Lift feststellen, dass sich diese 30 Minuten nicht ausgehen, etwa weil der Techniker im Stau steckt, haben wir immer noch die Chance, die Feuerwehr zum entsprechenden Ort zu schicken.“

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