Regionale Lebensmittel aus der Stadt für die Stadt bietet La Caverne in Paris an.

Der Lieferbote kommt zurück auf den Bauernhof. Die Lieferungen für den Tag sind erledigt. Aber dieser Lieferbote fuhr nicht durch schlammige Felder oder Landstraßen, um hierher zu gelangen. Er schlängelte sich mit dem Fahrrad durch Pariser Innenstadtstraßen und hinunter, entlang von spiralförmigen angelegten Rampen. Der Hof liegt in einer verlassenen Tiefgarage, mitten in der französischen Hauptstadt.

Cycloponics ist der Name der Firma, die die Farm namens La Caverne (die Höhle) betreibt. Die Höhle ist in diesem Fall ein 9.000 m² großes, stillgelegtes Parkhaus unter einem großen Wohnhaus. Tief in diesem leeren Betonraum begann der Thermotechniker Jean-Noël Gertz 2017 Bio-Schwammerl anzubauen. Mittlerweile werden täglich zwischen 100 und 200 Kilogramm zahlreicher Sorten geerntet, von Shiitake über Austernpilze bis hin zu den in der Gastronomie beliebten Enoki-Pilzen mit weißen Knöpfen. Zudem gibt es noch Chicorée, Frankreichs viertbeliebtestes Gemüse, das in völliger Dunkelheit wächst und sogenannte Microgreens, für die LED-Leuchten erforderlich sind.

La Caverne erstreckt sich über drei Stockwerke tief unter einem öffentlichen Wohnkomplex. Die Möglichkeit eine Tiefgarage in einen Bauernhof zu verwandeln entsprang dem Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen. Der Stadtteil La Chapelle hat die doppelte Armutsquote des Pariser Durchschnitts und 30% der Einwohner sind unter 25 Jahren. Ein Auto zu besitzen, ist für viele Menschen einfach keine Option mehr. Dazu kommt, dass 58% der arbeitenden Haushalte kein Auto mehr besitzen. Da die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo weiterhin den öffentlichen Verkehr fördert, sucht die Stadt nach neuen Verwendungsmöglichkeiten für diese riesigen unterirdischen Räume.

Nun werden in La Chapelle Schwammerl in Strohballen gezüchtet. Die Ernte wird mit dem Lastenrad zu einer Lebensmittelgenossenschaft transportiert, die sie an Einzelhändler verteilt. Auf der Website von La Caverne heißt es, dass ein emissionsfreier Transport angestrebt wird und dass nur 10% der Fernlieferungen mit dem Auto erfolgen, das bald elektrisch sein wird. Der Anbau von Nahrungsmitteln unter den Straßen einer Stadt hat deutliche Vorteile. Die Entfernung, die Lebensmittel vom Bauernhof zum Teller üblicherweise zurücklegen müssen, wird drastisch reduziert. Die Höhle ist stolz auf ihre kurzen Durchlaufzeiten und ermöglicht es den Kunden, am selben Tag gepflückte Pilze zu servieren. Erfolgreich dürfte das Konzept auch sein. Cycloponics hat eine weitere Niederlassung in Bordeaux eröffnet. Bald soll Lyon dazukommen sowie zwei weitere Produktionsstätten in Paris.


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