Fotocredit: Lukas Sauseng
Fotocredit: Lukas Sauseng
Weil es für Biobauern sehr schwer ist, ihr Fleisch zu vermarkten, haben die Grazer Brüder Micha und Lukas Beiglböck die Plattform „nahgenuss“ gegründet.

Weil es für Biobauern sehr schwer ist, ihr Fleisch zu vermarkten, haben die Grazer Brüder Micha und Lukas Beiglböck die Plattform „nahgenuss“ gegründet. Hier können Konsumenten Fleisch direkt beim Bauern ihrer Wahl bestellen. Geschlachtet wird erst, wenn das gesamte Tier Abnehmer gefunden hat. Im Interview spricht Micha Beiglböck darüber, wie es zur Gründung von „nahgenuss“ kam.

Warum gibt es „nahgenuss“?

Unser Cousin ist Bio-Bauer, er hat ein paar Schweine. Er hat ein super Produkt und wollte es ab Hof verkaufen. Dabei hat er bemerkt, dass es schwierig ist, das ganze Schwein zu verkaufen, denn die unbekannteren Teile lassen sich eben nur sehr schwer verkaufen. So kam uns die Idee, die Plattform „nahgenuss“ zu gründen. Der Gedanke dahinter: Mehrere Menschen teilen sich ein Tier. Angefangen haben wir vor 2,5 Jahren mit vier Bio-Schweinebauern in der Steiermark. Inzwischen sind mehr als 100 Bio-Bauern aus ganz Österreich mit fast allen Tieren dabei – auch Fisch, Lamm, Rind gibt es inzwischen.

Welche Voraussetzungen müssen die Bauern erfüllen, um ihr Fleisch über „nahgenuss“ anbieten zu dürfen?

Sie müssen Bio-zertifiziert sein. Das heißt, sie müssen sehr strenge Vorschriften bei der Tierhaltung erfüllen. Wir haben auch Bauern dabei, die sehr spezielles Fleisch anbieten: Angus-Rind oder Krainer Steinschaf zum Beispiel. Diese Produkte würden sich im Handel nur sehr schwierig verkaufen lassen, allein schon, weil sie gar nicht die für den Handel nötigen Mengen liefern könnten. Diese überbieten den Bio-Standard sogar noch.

Wie leicht oder schwer waren die Kunden vom „nahgenuss“-Angebot zu überzeugen?

Anfangs war es schwierig, da das Schweinefleisch, mit dem wir angefangen haben, viel teurer war als konventionelles Fleisch. Die Bio-Haltung ist ja viel aufwändiger. Dann stellte sich aber heraus, dass sehr viele Menschen bereit sind, für die Qualität einen höheren Preis zu bezahlen. Inzwischen haben wir mehr als 2000 Kunden in Österreich.

Geschlachtet wird nur, wenn das ganze Tier verkauft ist. -Fotocredit: Lukas Sauseng
Geschlachtet wird nur, wenn das ganze Tier verkauft ist. -Fotocredit: Lukas Sauseng

Woher kommen die Kunden und wer sind sie?

Die östlichen Bundesländer sind etwas stärker vertreten, allein schon deshalb, weil es im Westen weniger Landwirte gibt. Viele unserer Kunden kommen aus den Städten Wien, Linz und Graz. Viele unserer Kunden sind Familien oder Mehrpersonenhaushalte. Viele von ihnen kennen das Konzept noch, dass man sich Tiere unter Nachbarn und Freunden geteilt hat.

Wie kommen die Kunden zu ihrem Fleisch?

Das Fleisch kann entweder direkt am Hof abgeholt werden oder es wird zugeschickt. Die regionale Bindung ist bei den Kunden recht stark, das merken wir deutlich. Die Menschen kaufen lieber von Bauern, die aus ihrer Nähe kommen. Viele besuchen den Hof anfangs und schauen sich diesen an, lassen sich alle späteren Lieferungen aber dann zustellen. Es ist eine Vertrauenssache. Die Mindestbestellmenge ist beim Huhn das ganze Tier, beim Rind ca fünf Kilo, beim Schwein ein Viertel. 

Micha und Lukas Beiglböck - Fotocredit: Julia Rauchenberger
Micha und Lukas Beiglböck – Fotocredit: Julia Rauchenberger

Welchen Vorteil bringt „nahgenuss“ den Bauern?

Bisher waren Biobauern auf den Handel angewiesen. Den Kühlversand gibt’s erst seit ein paar Jahren. „nahgenuss“ eröffnet ihnen eine neue Vertriebsschiene. Unser Projekt ist sehr auf den Bauern ausgerichtet. Uns ist wichtig, dass der Kunde versteht, wie sich der Bauer, der hinter dem Produkt steht. Er muss das Tier schließlich verkaufen. Filets verkaufen sich immer leicht. Doch es gibt kein schlechtes Teil bei einem Tier.

Wie gut muss man kochen können?

Man muss sich damit schon ein bisschen beschäftigen. Doch hohe Kochkunst ist es keine.

 

Quelle: Energieleben Redaktion

Foto: Julia Rachenberger


 

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