Unsere Vorfahren in der Steinzeit brauchten nur Nahrung und Wärme. Seither hat sich der Energiebedarf pro Person mit jeder weiteren Entwicklungsstufe erhöht. Eine Selbstversorgung für alle, rein mit Biomasse, wird…

Unsere Vorfahren in der Steinzeit brauchten nur Nahrung und Wärme. Seither hat sich der Energiebedarf pro Person mit jeder weiteren Entwicklungsstufe erhöht. Eine Selbstversorgung für alle, rein mit Biomasse, wird bei heutigem Bedarf nicht mehr möglich sein.

Biomasse gilt als umweltfreundlicher Energieträger. Hauptsächlich deshalb, weil Biomasse per se CO2-neutral ist. Wird ein Stück Holz verbrannt, generiert das dieselbe Menge an CO2, die beim Wachsen der Pflanze in diesem Bereich gebunden wurde. Dasselbe geschieht, wenn das Stück Holz ungenutzt verrottet.

Nicht nur CO2 allein

Allerdings ist für die Nutzung der Bioenergie ein zusätzlicher Energieeinsatz notwendig. Es wird gedüngt, geerntet, transportiert und schließlich angefeuert. Ungeklärt sind die indirekten Effekte der Landnutzung. Auch bei der Abhholzung von Wäldern und dem Trockenlegen von Sümpfen wird CO2 frei – und dazu noch andere Treibhausgase wie Methan und Lachgas.

Enormer Energiebedarf

Der Jetzt-Mensch in Europa verbraucht etwa 150.000 Kilo-Kalorien pro Tag. Ganz anders als der Steinzeitmensch, der mit 3000 Kilo-Kalorien das Auslangen fand. Mit eingerechnet sind dabei industrielle Produktion und Landwirtschaft, Transporte und Rohstoffgewinnung. Dieser Verbrauch pro Kopf entspricht dem etwa 65-fachen dessen, was zum einfachen Überleben eines Menschen notwendig wäre.

Theorie und Praxis

Heute stammen etwa 10 Prozent des weltweiten Energieeinsatzes aus Biomasse. Der UN-Weltklimarat IPCC hat errechnet, dass das theoretische Potenzial an Biomasseeinsatz beinahe das Zehnfache davon beträgt – und damit eigentlich genug. Aber: das würde weltweiten konzertierten Einsatz dafür erfordern, massive Flächenumwidmungen und einen nahezu perfekten Einsatz von Dünger und Bewässerung auf allen Anbauflächen. Von Umweltkatastrophen und Missernten gar nicht zu reden. In der Praxis scheint daher nur eine Verdreifachung der Biomasseproduktion erreichbar.

Österreich

Das Forschungsprojekt „Save our Surface“ hat sich mit der Problematik befasst und dabei speziell Österreich und Deutschland unter die Lupe genommen. Einige Auszüge:

Allein um den heute üblichen Pkw-Verkehr in Österreich mit Biodiesel aufrechtzuerhalten, würden wir drei Millionen Hektar Raps anbauen. Das wird uns schon allein deshalb nicht gelingen, weil in Österreich nur 1,3 Millionen Hektar Ackerfläche zur Verfügung stehen und wir vom Autofahren nicht leben können.

Um Kunststoffe und Kunstfasern durch Bio-Material zu ersetzen, bräuchten wir in Österreich bis zu zehn Millionen Tonnen Biomasse. Für die Ernährung der Menschen im Land ist in etwa dasselbe nötig, Tierfutter für das Vieh, aus dem später die Fleischnahrung wird, mit eingerechnet.

Bioenergie kann keine Alleinlösung sein

Fazit: Mehr Bioenergie ist möglich. Aber Bioenergie ist nicht in der Lage, die Hauptlast unseres heute üblichen Energiehungers zu tragen. Auch wenn der Anbau von Energieholz und Biospritpflanzen boomt, und auch wenn der Biomasseverband erklärt, dass der Endverbrauch von Bioenergie bis 2020 um 31 Prozent ausgeweitet werden könnte, ohne dass die Lebensmittelproduktion darunter leiden würde: Wiederverwertung, sparsamer Ressourceneinsatz und ein bewusster Lebensstil sind und bleiben unverzichtbar.

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