Das Dilemma der Wasserkraft kann man in Wien-Freudenau besichtigen: das Kraftwerk dient als Staudamm, welcher ein künstliches Gefälle schafft, das das Wasser so weit beschleunigt, um die Turbinen effektiv und gleichmäßig zu betreiben. Der mit dem Damm entstehende Stausee verändert den Fluss nachhaltig: zwischen frei fließend und aufgestaut ist halt doch ein Unterschied.

Die ökologischen Probleme, die mit dem Stau einhergehen, sind hier kurz zusammengefasst.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma sind Strömungskraftwerke: diese verzichten auf das Stauen und nutzen die natürlich verfügbare Wassergeschwindigkeit, um damit Rotoren und eben Generatoren zu betreiben. Der Fluss bleibt dabei so, wie er ist; es gibt keine Veränderungen des Landschaftsbildes oder des Lebensraums der im und am Wasser existierenden Pflanzen und Tiere. Im Kleinbereich gibt es viele: nicht nur das Mühlrad, mit dem man auch Strom erzeugen könnte.

Der österreichische Hersteller AquaLibre ist dabei, mit seiner Strom-Boje ein Produkt zu schaffen, welches sich an zahlreichen größeren Flüssen im Land einsetzen ließe: und in der Wachau während der Entwicklungsphase in allen Versionen schon über 40.000 Betriebsstunden absolviert hat. Dabei hat das Kraftwerk  unbeschadet auch schwere Hochwasser überstanden; und durch die dabei unweigerlich hohe Strömungsgeschwindigkeit auch gleich Ertragsrekorde aufgestellt. Im Schnitt, schreibt der Hersteller, produziert die Strom-Boje 2 im Jahr 250.000 kWh Strom: genug für 70 Haushalte. Er sieht bis zu 500 Standorte für seine Boje alleine in der Wachau; alle sind auch mit der Schifffahrt vereinbar. Die Serienreife möchte man ehestbaldigst erreichen: im Augenblick wartet man auf die behördlichen Genehmigungen des ersten Strom-Bojen-Parks in der Wachau, mit welchem man die letzten Tests durchführen möchte.

Die Strom-Boje soll mit Rotorduchmessern von 150, 200 und 250 cm auf den Markt kommen, um den unterschiedlichen Flussdimensionen entgegen zu kommen. Das ermöglicht den Einsatz nicht nur auf der Donau, sondern auch abschnittsweise auf Rhein, Inn, Salzach, Traun, Enns, Mur, Drau, und kleineren Flüssen wie Ill, Lech, Saalach, Salza oder der Gail. Die Installation in abgeleiteten Mühlflüssen ist aufgrund der dort bestehenden Wasserstände ebenso möglich.

Ein kleineres Kaliber ist der kompakte ROR-Generator (Run-of-the-river) Cappa des japanischen Produzenten Ibasei. Mit einer Nennleistung von 250W dient er laut Hersteller hauptsächlich dazu, abgelegene Insellösungen zu bilden und weniger, einen durchschnittlichen Haushalt mit Ökoenergie zu versorgen; obwohl eine Serienschaltung der Generatoren möglich wäre: 5 Stück erzeugen dabei 1kW Strom. Bei kolportierten Anschaffungskosten von 12.000$ rentiert sich das aber höchstens für wohlhabende Leute: eine Photovoltaik-Anlage ist bei höherer Leistung erheblich günstiger zu haben und hätte nicht das Problem, den von Cappa produzierten 100V-Strom erneut wandeln zu müssen.

Ein kurzes Video zu dieser Turbine gibt es hier.

Artikelbild: Donau © im99x46  / pixelio.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*