Ein Turm erntet Trinkwasser aus der Luft. Mit der Erfindung des Designers Arturo Vittori können abgelegene Dörfer in Trockengebieten mit bis zu 40 Liter Wasser pro Tag versorgt werden.

In manchen Gebieten in Äthiopien ist eine sechs Stunden lange Wanderung nötig, um zu Trinkwasser zu kommen. Laut der Initiative „The Water Project“ werden in dem Land jährlich rund 30 Milliarden Euro für die Suche nach Wasserquellen ausgegeben. Das Wasser aus Teichen und Seen ist oft mit Bakterien infiziert oder durch tierischen Abfall verseucht. Schätzungen der UNICEF gehen davon aus, dass weltweit jeden Tag 1.400 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen sterben, die direkt auf schmutziges Wasser und mangelnde Hygiene zurückgehen. Saubere Quellen sind oft tief unter der Erde versteckt – bis zu 450 Meter. Langwierige und teure Bohrungen sind erforderlich.

Die Wasserknappheit in Afrika betrifft rund eine Milliarde Menschen. Zur Linderung des Problems gibt es zahlreiche Projekte und Ideen, so zum Beispiel die Initiative von Bill Gates. Der Microsoft-Mitgründer investiert viel Geld in die Erforschung eines Systems, das Toilettenwasser zu Trinkwasser verwandelt. Sonderlich praxisnah ist die Idee aufgrund der hohen Kosten für Produktion und Erhaltung des High-Tech-Systems nicht. Low-Tech-Erfindungen wie der Life Straw setzen wiederum eine vorhandene Wasserquelle voraus.

Video: Dokumentation Warka Water

Die lokale und einfache Erzeugung von Trinkwasser könnte das Projekt namens Warka Water liefern. Es handelt sich dabei um einen neun Meter hohen Turm, der günstig produziert und einfach zusammengebaut ist und Trinkwasser aus der Luft erntet. Der Industriedesigner Arturo Vittori hat seine Erfindung nach einem für Äthiopien typischen Feigenbaum benannt. Der Warka Turm schaut aus wie eine Kunstinstallation und wird auch bei der Viennale 2014 zu sehen sein. Jedes Detail, Form und Material, erfüllt aber einen funktionellen Zweck.


Das Gehäuse des Warka-Turms besteht aus geflochtenen Binsen, die Stabilität verleihen und gleichzeitig den Wind durchströmen lassen. Im Inneren hängt ein Netz aus Nylon und Polypropylen, das in der Form an eine traditionelle chinesische Lampe erinnert. Die feuchte Luft kondensiert an dem Netz , und tropft schließlich in einen Sammelbehälter am Boden. Die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht lassen die Warka-Wassertürme sogar in der Wüste funktionieren. Der erste Prototyp wurde im Jahr 2012 von sechs Personen in nur drei Tagen gebaut. Die ersten Warka-Wassertürme sollen 2015 in Serie gehen. Sie sind in der Lage, starken Winden zu widerstehen und sind trotzdem einfach genug, um von eingewiesenen Dorfbewohnern erbaut zu werden.

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