Knistern im Kamin, rauchende Schornsteine: Die Romantik von Holzöfen hat einen gesundheitlichen Preis. Fotocredit: © Kamil Szumotalski/Unsplash
Knistern im Kamin, rauchende Schornsteine: Die Romantik von Holzöfen hat einen gesundheitlichen Preis. Fotocredit: © Kamil Szumotalski/Unsplash
Vor einigen Jahren wurde in einer kanadischen Provinz ein Verbot für das Einbauen von Holzöfen als Heizung in Neubauten erlassen. Jetzt regt sich Widerstand. Doch das Gesetzt wird bleiben.

Rufen wir uns eine typische Szene in Erinnerung, die in unseren Köpfen vorherrscht, wenn wir an Gemütlichkeit in der abgeschiedenen Wildnis denken: Da kommt ein Mann mit Vollbart im Flanellhemd aus seiner Hütte, die sich irgendwo in einem entlegenen Teil der Erde – vorzugsweise am Rand eines Waldes in der Nähe eines Sees – befindet. Es liegt Schnee, doch die Kälte scheint ihm nichts anzuhaben, denn er krempelt die Ärmel hoch, nimmt die Axt und beginnt, Feuerholz zu hacken. Mit dem Heizmaterial unterm Arm, zieht er sich wieder zurück in seine Behausung und befeuert damit den Kamin. Seeeeehr gemütlich.

Holzöfen nicht nur als Wärmespender, sondern auch als Lifestyle

Und sehr gesundheitsgefährdend. Bei unserer Holzfäller-Holzofen-Szene denken vielleicht viele von euch an die kanadische Wildnis. Und just in Kanada wurde 2018 in einem bestimmten Gebiet dem Heizen mit Holzöfen in der Zukunft der Garaus gemacht. Im Comox Valley im kanadischen British Columbia wurde ein Verbot für Holzöfen in Neubauten erlassen. Und das gefällt nicht jedem. Immerhin sei das Heizen mit Holz erstens günstig – und zweitens auch eine Art Lifestyle. Kritiker des Verbots sehen in einer Kampagne überdies eine Schädigung der ansässigen Holzofenbetriebe. Auch wenn die meisten Bewohnerinnen und Bewohner des Comox Valley längst nicht mehr aus der Not heraus mit Holz kochen und heizen, bleibt die oben gezeichnete romantische Vorstellung von Holzöfen bestehen. In der Ortschaft Cumberland wird der Holzofenkultur sogar jedes Jahr mit einem eigenen Fest gehuldigt.

Die klassische Holzfäller-Idylle trügt. Weder für die Gesundheit, noch für die Umwelt sind Holzöfen das erste Mittel der Wahl beim Heizen. Fotocredit: © Abby Savage/Unsplash 
Die klassische Holzfäller-Idylle trügt. Weder für die Gesundheit, noch für die Umwelt sind Holzöfen das erste Mittel der Wahl beim Heizen. Fotocredit: © Abby Savage/Unsplash

Holzöfen verantwortlich für schlechte Luftqualität und Erkrankungen 

Es sei wie damals, als man den Bürgerinnen und Bürgern erst klar machen musste, wie schädlich die Auswirkungen von Zigaretten sind, sagen Verantwortlich, die keineswegs daran denken, das Holzofenverbot in Neubauten zu kippen. Der Rauch aus Holzöfen und Kaminen ist im Comox Valley der größte Verursacher der Luftverschmutzung und sorgt im Winter für eine Luftqualität, die zuweilen zu den schlechtesten in der Provinz gehört. Das wird mit einer ganzen Reihe von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Ultrafeine Partikel dringen tief in das Lungengewebe ein und können Herzanfälle sowie Schlaganfälle auslösen, Asthma verschlimmern und die Lungenfunktion beeinträchtigen. Kinder sind besonders betroffen. Die ultrafeinen Partikel im Holzrauch senken nachweislich das Geburtsgewicht, erhöhen die Säuglingssterblichkeit und beeinträchtigen die Entwicklung und Funktion der Lungen. 

Den Preis für billiges Heizen mit Holz zahlen andere

Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen für das Verbot darauf pochen, dass es erhalten bleibt. Auch das Argument der Kostenersparnis und dass es unfair sei, Holzöfen einzuschränken, weil sie eine kostengünstige Wärmequelle für Menschen mit geringem Einkommen seien, lasse man nicht gelten: Denn Holzheizungen seien nur für diejenigen billig, die kostenloses Holz erhalten. Den hohen Preis würden in Wahrheit die Nachbarn, die Gemeinden und die Gesellschaft im Allgemeinen zahlen. Überdies wurde Menschen, die ihre Häuser mit fünf Jahre alten oder sogar älteren Holzöfen heizen, eine Förderung angeboten – für den Austausch der Heizung gegen eine sauberere Lösung, wie Gas oder elektrische Wärmepumpen.

Quelle: watershedsentinel.ca / Fotocredit: © Kamil Szumotalski und Abby Savage/ beide via Unsplash


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