In Deutschland laufen Diskussionen über die Räumung des Atommüllagers Asse. Schon seit mehreren Jahren ist bekannt, dass das ehemalige Salzbergwerk nicht sicher ist. Es besteht Einsturzgefahr, Wasser tritt ein und…

In Deutschland laufen Diskussionen über die Räumung des Atommüllagers Asse. Schon seit mehreren Jahren ist bekannt, dass das ehemalige Salzbergwerk nicht sicher ist. Es besteht Einsturzgefahr, Wasser tritt ein und es gibt Berichte über radioaktiv verseuchte Salzlauge. Gestritten wird darüber, wer die Kosten übernimmt, und was noch viel wichtiger ist, wo der radioaktive Abfall nun endgelagert werden soll. Nicht erst jetzt wird mal wieder klar, dass Atomenergie eine furchtbar schlechte Erfindung ist.

Fukushima – ein Störfall unter vielen

Die Atomkatastrophe von Fukushima war ein Ausnahmefall. Die Ausnahme bestand nur im Ausmaß der Katastrophe. Die Beobachtungen der vergangenen 25 Jahre belegen laut Öko-Institut Freiburg, dass Anzahl und Komplexität von Störfällen in Kernkraftwerken nicht wesentlich zurückgehen (3). Trotz technischen Fortschritts und reicherem Erfahrungsschatz ist die Kontrollierbarkeit von Atomkraftwerken heute eine Illusion wie eh und je.

Ob ein Störfall ein ebenso verheerendes Ausmaß wie in Japan annimmt, bleibt im Grunde genommen dem Zufall überlassen.

 Es gibt einige Vorfälle, bei denen dieser Schlimmeres verhinderte, wie beispielsweise im schwedischen Forsmark, wo ein Kurzschluss die Sicherheitssysteme lahmlegte und – dem Zufall sei Dank – nur zwei von vier Notstromaggregate für die Kühlung ausfielen (3). Wussten Sie schon, dass es alle drei Tage in einem deutschen Atomkraftwerk zu einem meldepflichtigen, sicherheitsrelevanten Ereignis kommt…? (2)

Die Atomkraftwerke in Deutschland sind nicht sicher

Die deutschen Atomkraftwerke gingen zwischen 1974 und 1989 ans Netz. Einen schönen, bildhaften Vergleich findet man auf einer Website des Ökostromanbieters Elektrizitätswerke Schönau: „Jeder, der ankündigte, seinen Commodore-C64-Heimcomputer (Bj. 1982-93) auf heutige Standards nachrüsten zu wollen, würde lauthals ausgelacht.“ (2)

Ersatzteile für die Anlagen gibt es heute nicht mehr. Man versucht, sie so originalgetreu wie möglich nachzubauen, und hofft, dass sie sich dann auch so originalgetreu wie möglich verhalten. Das Durchschnittsalter deutscher Kernkraftwerke liegt bei 26 Jahren. Bisher sind Anlagen mit durchschnittlich 22 Jahren vom Netz gegangen. Schon 1999 ergab die rechtliche Bewertung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), dass die deutschen Atomkraftwerke nicht mehr den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen entsprächen. Keins der Kernkraftwerke in Deutschland bekäme heute noch eine Genehmigung. (5) Wenn es nach mir ginge, könnte der Atomausstieg ruhig schneller voran gehen!

Risikofaktor Mensch

Da können wir die Kernkraftwerke noch so nachrüsten, eine Gefahrenquelle bleibt bestehen: Der Mensch. Wir Menschen machen Fehler – niemand ist perfekt. Arbeitet man dabei in einem Atomkraftwerk, könnte es der letzte sein und viele andere würden diesen Fehler auf unschöne Weise zu spüren bekommen.

Kein Kernkraftwerk ist vor einem Flugzeugabsturz wirklich geschützt. Auch Atommülltransporte können dankbare Ziele für Terrorattacken sein. Doch auch ohne Einwirkung von Außen sind sie ein Sicherheitsrisiko: Nach Angaben von Greenpeace haben manche Behältertypen keine Sicherheitstests durchlaufen oder die nachgestellten Unfallszenarien entsprachen nicht der Realität. So wird beim Feuertest geprüft, ob ein Atommüllbehälter 30 Minuten lang 800 Grad Celsius standhalten kann. Bei Zugunfällen mit Benzin oder Propan entstünden allerdings Temperaturen bis zu 2.000 Grad Celsius. (4)

Ein weiteres, internationales Sicherheitsproblem: Zwischen zivilen Nutzungsprogrammen und militärischer Nutzung lässt sich nicht scharf trennen. Wenn immer mehr Länder Zugriff auf nukleare Technologien und Material haben, lässt sich die weitere Ausbreitung von Kernwaffen nicht verhindern. (3)

Wohin mit radioaktiven Müll?

Das potentielle perfekte Endlager für radioaktiven Müll müsste geologisch über sehr lange Zeiträume stabil bleiben, die Umgebung dürfte chemisch nicht mit Müll und Behälter reagieren, es müsste weit weg von Biosphäre, Rohstoffquellen und menschlichen Einflüssen liegen. Von dort aus dürfte keine Verbindung zu Meer und Grundwasser bestehen. Vielleicht sollten wir besser auf Melmac suchen… Übrigens müsste das Endlager rund eine Million Jährchen halten. Die Castor-Behälter, in denen der Atommüll lagert, halten gerade mal 40 Jahre. (2)

Mit dem ehemaligen Salzbergwerk Asse dachte man, ein geeignetes Endlager gefunden zu haben. Experten waren sich sicher, dass es Jahrtausende halten würde. Nach 20 Jahren sind die ersten Fässer undicht. 12.000 Liter Wasser laufen täglich in den Stollen, der kurz vor dem Einsturz steht. Eine banale, doch wichtige Anmerkung an dieser Stelle: Je länger die Atomkraftwerke betrieben werden, desto mehr Atommüll wird es geben. (2)

Gesundheitsgefahr Atomkraft

Es braucht keinen Super-GAU, damit von einem Atomkraftwerk eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Je näher ein Kind an einem Kernkraftwerk wohnt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es an Krebs erkrankt. In einem Umkreis von 5 Kilometern um ein Atomkraftwerk herum bekommen Kinder unter 5 Jahren 60 Prozent häufiger Krebs als im bundesweiten Durchschnitt. Die Leukämie-Rate ist doppelt so hoch. (2)

Kernkraftwerke geben radioaktiven Wasserstoff (Tritium) an die Umgebung ab. Über Luft und Wasser wird er von uns aufgenommen. Wie gewöhnlicher Wasserstoff wird er im Körper in Organe und Erbmaterial eingebaut, mit dem Unterschied, dass Tritium dabei Schäden verursacht. (2)

Das Problem mit dem Uran

Uran ist ein undankbarer Rohstoff: gesundheitsgefährdend, umweltzerstörend und letztendlich endlich. Etwa 10.000 ehemalige Arbeiter der Urangrube Wismut sind infolge der Strahlenbelastung an Lungenkrebs erkrankt (2). Radioaktive Stoffe aus den Schlammseen des Uranabbaus verseuchen Luft und Wasser über Jahrtausende. 70 Prozent der letzten Uranreserven liegen auf dem Gebiet indigener Bevölkerungsgruppen. Dörfer werden zerstört, Ackerflächen in Beschlag genommen und Trinkwasser vergiftet. (2)

Mal ganz von diesen Problemen abgesehen geht uns über Kurz oder Lang das Uran sowieso aus. Die Angaben liegen zwischen 40 und 80 Jahren. Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit reicht preiswertes Uran für Leichtwasserreaktoren bei heutiger Nutzung etwa noch 30 Jahr. (1) Je mehr Atomkraft, desto schneller kommt das Ende. Schon seit 1985 verbrauchen die Atomkraftwerke mehr, als die Minen jährlich hergeben. Mehr als ein Drittel der Uranmenge musste aus zivilen und militärischen Lagerbeständen gedeckt werden. Und auch diese gehen zur Neige. Von 2001 bis 2006 hat sich der Preis für Uran U-308 versechsfacht. (3)

Nicht sicher, nicht gesund, nicht wirtschaftlich – halt eine furchtbar schlechte Erfindung. Weltweit sind 200 neue Kernkraftwerke in Planung, 44 befinden sich aktuell im Aufbau, die meisten davon in Asien. (3) Schon komisch, dass sich auch furchtbar schlechte Erfindungen verbreiten.

Quellen:

(1) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Bonn
: ERNEUERBARE ENERGIEN, Innovationen für eine nachhaltige Energiezukunft, Juni 2009.

(2) Website der Elektrizitätswerke Schönau: 100 gute Gründe gegen Atomkraft.

(3) Stefan Alt, Beate Kallenbach, Stephan Kurth, Julia Neles, Dr. Christoph Pistner, Gerd Schmidt (alle Öko-Institut e. V.): Streitpunkt Kernenergie, Eine neue Debatte über alte Probleme. (Stand: 19.05.2011).

(4) Greenpeace (Hg.): Risiko Atomkraft, Warum der Ausstieg aus der Atomkraft der einzig richtige Weg ist. 2010.

(5) Bundesumweltministerium: Deutsche Atomkraftwerke entsprechen nicht den gesetzlichen Anforderungen. (Stand: 19.05.2011).

Bildnachweis: © Andreas Kinski/ Pixelio.de

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