Elf Spezialbehälter mit radioaktivem Abfall aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague – sie bilden den letzten Castor-Transport ins Deutsche Atommüll-Zwischenlager Gorleben. Aus Sicherheitsgründen verzögert sich die Fahrt, am Freitag erreicht…

Elf Spezialbehälter mit radioaktivem Abfall aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague – sie bilden den letzten Castor-Transport ins Deutsche Atommüll-Zwischenlager Gorleben. Aus Sicherheitsgründen verzögert sich die Fahrt, am Freitag erreicht der Zug Deutschland.

Wilde Proteste von Atomkraftgegnern, Tränengas, Verletzte und Verhaftete, zerstörte Signalanlagen entlang der Bahnstrecke: das ist die unerfreuliche Bilanz der bisher zurückgelegten Wegstrecke von La Hague bis Rémilly. Die Sicherheitsbehörden haben unter großem Aufwand Sperrzonen entlang der Bahntrassen eingerichtet, Demonstranten blockieren dennoch die Gleise und versuchen den Zug an der Weiterfahrt zu hindern.

Alles wie immer, möchte man meinen, doch es ist – zumindest nach derzeitigem Stand der Dinge – der letzte Castor-Transport nach Gorleben: Weitere Transportgenehmigungen liegen (noch?) nicht vor. Stattdessen ist eine Zukunftsdiskussion eröffnet: Welche Möglichkeiten gibt es für eine Zeit nach Gorleben?

Die Chancen stehen also besser als je zuvor, dass dieser Castor-Transport tatsächlich der letzte sein könnte, zumindest der letzte seiner Art.

Verzögerung für einen Tag

24 Stunden steht der am Mittwoch abgefahrene Zug mit den in Glas eingegossenen Abfällen kurz vor der Grenze auf französischem Boden. Für die Weiterfahrt stehen mehrere Bahnstrecken zur Wahl. Die Unklarheit über die Wahl des Weges ist Absicht. Erstes Ziel ist nämlich, den Demonstranten auszuweichen. 50.000 haben 2010 gegen den Castor-Transport protestiert und den Zug auch zeitweise zum Stillstand gebracht. Für das heurige Jahr werden noch mehr Aktivisten erwartet.

Der Umweltminister, Norbert Röttgen von der CDU, erinnerte vorsorglich daran, dass es ein demokratisches Recht auf Demonstrationen gäbe, nicht aber eines auf die Anwendung von Gewalt und auf Sachbeschädigung.

Endlager dringend gesucht

Der Salzstock an der früheren DDR-Grenze ist zu unsicher, um hier den Müll für immer in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Daher gibt es seit Jahren Proteste gegen Castor-Transporte in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager, wo der Müll erst einmal abkühlen soll.

Dringend gesucht: Ein sicherer Ort, an dem radioaktiver Müll Hunderttausende von Jahren lagern kann, ohne dass die Behälter verwittern oder beschädigt werden. In Deutschland oder anderswo, jedenfalls am liebsten möglichst trocken und möglichst tief unter der Erde.

Alles sicher, alles in Ordnung?

In Sachen Transport beruhigt die deutsche Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) Öffentlichkeit und Polizeigewerkschaft: die zu erwartenden Strahlenexpositionen sollen auch diesmal, so wie stets, weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Es bestehe keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt, wird erklärt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*