„Energie, Ernährung und Gesellschaft – Die Rolle der Biomasse im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung“ war das Thema der Fachtagung des IZNE (Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung) der Universität Göttingen vom…

„Energie, Ernährung und Gesellschaft – Die Rolle der Biomasse im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung“ war das Thema der Fachtagung des IZNE (Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung) der Universität Göttingen vom 15. bis zum 17. Oktober 2013. 30 Wissenschaftler stellten ihre Forschungsergebnisse zu diesen Themen vor und diskutierten mit den Tagungsteilnehmern. Das IZNE forscht und arbeitet an der potenziellen Entwicklung zur Nachhaltigkeit seit über 15 Jahren, das bekannteste realisierte Projekt ist das Bioenergiedorf Jühnde in Niedersachsen (www.bioenergiedorf.de), seit 2006 das erste Bioenergiedorf in Deutschland.

 

„Tank oder Teller“ und andere Vorurteile verstellen eine klare Sicht

 

Die Referenten des ersten Tages widmeten sich dem Thema der Ernährung und möglichen Nutzung der globalen Ackerflächen. Die Professoren Dr. Harald Grethe (Universität Hohenheim), Dr. Martin Kappas (Universität Göttingen), Dr. Harald von Witzke (Humboldt-Universität Berlin) und Stephanie Kätsch (Thünen-Institut Braunschweig) sehen für den Anbau nachwachsender Rohstoffe und insbesondere von Energiepflanzen vor dem Hintergrund des nach wie vor großen Hungerproblems kaum Chancen. Sie stellen in ihren Studien dar, dass die vorhandenen Ackerflächen kaum ausreichen um die wachsende Zahl der Menschen zu ernähren. Etwas optimistischer interpretieren Professor Dr. Hans Ruppert (IZNE), Privatdozentin Dr. Marianne Karpenstein-Machan (IZNE) sowie die Professoren Dr. Jürgen Heß (Universität Kassel) und Dr. Achim Spiller (Universität Göttingen) die Zahlen und damit die Möglichkeiten, vorhandene Flächen sinnvoller zu nutzen.

Die skeptischen Wissenschaftler gehen allerdings von dem Status Quo der vorwiegend industriellen Landwirtschaft aus und betrachten die Verteilung der Lebensmittel im Rahmen des sich global ausbreitenden Wirtschaftssystems. Sie kommen daher zu – innerhalb ihres Fachgebietes – nachvollziehbaren Schlüssen. Das Problem lösen sie daher aber nicht und können auch keine Vision für eine Lösung entwickeln.

Die Optimisten, die sich immerhin im Rahmen des IZNE über die Fachgrenzen hinweg austauschen, entwickeln Lösungen, jedoch wiederum in ihren Fachgebieten. Immerhin praktikable Wege, sobald das globale System die Umsetzung zulässt. Dazu ist noch Dr. Benedikt Sauer (IZNE) zu nennen, der am zweiten Tag seine Studie zum Energiepflanzenanbau auf kontaminierten Böden vorstellte. Das Wissen und die Technologien sind durchaus vorhanden. Es fehlt der Wille der Akteure, diese endlich anzuwenden.

 

Innerhalb eines falschen Systems ist keine Veränderung möglich

 

Das Problem jeder wissenschaftlichen Untersuchung ist die viel zu enge Sicht auf ein kleines Teilproblem in dem komplexen System der globalen Wirtschaft. Zudem lässt der Status des Wissenschaftlers selten zu, das Problem auf die grundsätzlichen Faktoren herunterzubrechen.

Nahrungsmittel gehören grundsätzlich nicht auf einen „freien Markt“. Diesen Gedanken lassen die Fachleute gar nicht erst zu. Er ist aber eine Grundvoraussetzung für die Lösung des Hungerproblems und außerdem ein grundsätzliches Menschenrecht. Professor Jean Ziegler („Wir lassen sie verhungern“), oder der Journalist Harald Schumann („Die Hungermacher“) weisen nach, dass viel zu viele Lebensmittel hergestellt werden, die nur nicht richtig – vor allem gerecht – verteilt werden. Profite aus Nahrungsmitteln sind „Mundraub“ und damit kriminell.

Die vorherrschende Landwirtschaft zerstört die Ackerböden und die Lebensmittelindustrie Nahrungsmittel – und die Gesundheit der Menschen. Auch diese grundsätzlichen Fakten werden nicht in die Studien einbezogen – sie stellen ja das System in Frage. Jahrtausendealte Anbaumethoden in Afrika und Südamerika (z.B. die „Milpa“ oder Yacouba Sawadogo in Burkina Faso (siehe Link: „der Mann der die Wüste aufhielt)) können alle dortigen Einwohner ausreichend ernähren, sofern man den Menschen den Ackerboden nicht raubt, oder ihre „Märkte“ mit Billignahrung aus den Industriestaaten überschwemmt. Eine intelligente Landnutzung lässt auf diesem Planeten die Ernährung von mindestens 9 Milliarden Menschen mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu, ohne dass dabei auf tierische Produkte verzichtet werden muss. Auch das ist in zahlreichen Studien nachgewiesen, allein: es widerspricht total dem Agrochemiekomplex und dem herrschenden Wirtschaftssystem.

https://www.energieleben.at/der-mann-der-die-wuste-aufhielt/

https://www.energieleben.at/das-jahrhundert-der-biologie/

https://www.energieleben.at/nachwachsende-rohstoffe-helfen-den-hunger-zu-bekampfen/

 

Das Problem „Überbevölkerung“ ist eine Erfindung der Industriestaaten. Diese Wahrheit hat aktuell der Dokumentarfilm „Population Boom“ aufgezeigt (http://www.populationboom.at/). Hintergrund für dieses „Märchen“ ist es, das westliche Wirtschaftssystem zu rechtfertigen und zu stabilisieren. In Wahrheit war der Höhepunkt des Bevölkerungswachstums bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts überschritten. Die derzeitige Weltbevölkerung könnte sich durchaus in Österreich versammeln, der Rest der Welt wäre dann leer.

 

Solange Wissenschaft nur das bestehende System betrachtet und versucht es „zu justieren“, wird sich keine Lösung für das globale Problem finden lassen. Die Fachleute brauchen den Mut, das System grundsätzlich in Frage zu stellen und das jeweilige Problem im Zusammenspiel aller Faktoren zu untersuchen. Dazu müssen sie allerdings – mit ihrem Fachwissen – ihr Fachgebiet erst einmal verlassen und sich das „große Welttheater“ von außerhalb anschauen. Von diesem „transdisziplinären“ Standpunkt ist die Lösung dann zum Greifen nah.

 

http://www.bioenergie.uni-goettingen.de/index.php?id=tagung2013

http://www.bioenergie.uni-goettingen.de/index.php?id=programm15_10_2013

https://www.energieleben.at/die-scheinbare-komplexitat-behindert-uns-ohne-grund/

https://www.energieleben.at/afrika-schuldlos-leidende-welt-mit-dem-potenzial-zum-vorbild/

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