Mittels Simulation verschiedener Szenarien sieht sich das Frauenhofer ISE die Kosten für die Erreichung von Deutschlands Klimazielen in der Energieversorgung an.

Das deutsche Frauenhofer Institut für Solare Energiesysteme, Frauenhofer ISE, hat eine neue Studie veröffentlicht, in der man sich verschiedene Entwicklungsszenarien für den Energiesektor angesehen hat. Eine Senkung der CO2 Emissionen um 95 bis 100 Prozent bis zum Jahr 2050 ist, durch den Umstieg auf Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen, sowohl technisch als auch systematisch machbar. Wie diese Energiewende aussieht und welche Kosten dabei anfallen, hängt dabei vom Verhalten der Gesellschaft ab.

Mittels Simulation im eigens entwickelten Energiesystemmodell REMod (Regenerative Energien Modell) hat man am ISE vier Hauptszenarien durchgespielt und optimiert. Diese Szenarien sind:

(a) Beharrung – starke Widerstände gegen den Einsatz neuer Techniken im Privatbereich;

(b) Inakzeptanz – starker Widerstand gegen den Ausbau großer Infrastrukturen;

(c) Suffizienz – gesellschaftliche Verhaltensänderungen senken den Energieverbrauch deutlich

(d) Referenz – die Zielerreichung wird weder gefördert noch erschwert.

Die Ergebnisse aus den detailliert durchgespielten Szenarien zeigen, dass Energieversorgungssicherheit trotz eines hohen Anteils an fluktuierenden erneuerbaren Energiequellen gegeben ist. In den Zukunftsszenarien wird erneuerbare Energie zur wichtigsten Primärquelle für die Stromerzeugung, während gleichzeitig mit stark gesteigertem Strombedarf zu rechnen ist. Für Deutschland bedeutet das, dass die installierte Leistung von Wind- und Photovoltaikanlagen um den Faktor vier bis sieben der heute installierten Leistung gesteigert werden muss.

Was dieser Ausbau kostet, hängt stark davon ab, welches der simulierten Szenarien Wirklichkeit wird. Im Suffizienz Szenario ist die Anzahl an Anlagen zur Erzeugung, Verteilung und Speicherung von Energie deutlich niedriger als im Beharrungsszenario, bei dem weiterhin Verbrennungstechniken für die Wärmeversorgung und Mobilität genutzt werden, die Ausbauraten für erneuerbare Energien höher sind und größeren Mengen synthetischer, chemischer Energieträger importiert werden müssen. Im Inakzeptanz Szenario, kann der Widerstand gegen den Ausbau von Windenergieanlagen und des Netzes, teilweise durch verstärkten Ausbau von PV-Anlagen und Speicherkapazität kompensiert werden.

Die Kosten für die Erreichung der Klimaschutzziele in den nächsten dreißig Jahren variiert in den verschiedenen Szenarien erheblich. Im Vergleich zu einem Business-as-usual Szenario liegen sie je nach Szenario zwischen 440 Milliarden Euro und 2330 Milliarden Euro. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im Jahr 2019 entspricht dies Werten von 0,4 Prozent im Szenario Suffizienz, rund 1,5 Prozent in den Szenarien Referenz und Inakzeptanz sowie rund 2 Prozent im Szenario Beharrung. Den größten Teil dieser Kosten machen Investitionen in den Ausbau aus. Ist dieser 2050 abgeschlossen, sinken danach die Kosten für den Klimaschutz deutlich.


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