Auch und gerade ein Wirtschaftssystem, also eine aktive Gemeinschaft ist ein lebender Organismus. Würde dieser stetig oder gar expansiv wachsen, würde er sich wie ein Krebsgeschwür verhalten und zuerst seine…

Auch und gerade ein Wirtschaftssystem, also eine aktive Gemeinschaft ist ein lebender Organismus. Würde dieser stetig oder gar expansiv wachsen, würde er sich wie ein Krebsgeschwür verhalten und zuerst seine Umgebung und schließlich sich selbst zerstören. So ein parasitärer Organismus ist das globale Finanzsystem, das immer extremer Lebensenergie aus allen anderen Organismen, also Gesellschaften absaugt.

Eigentlich ist der Organismus – noch – gesund

Die weitaus überwiegende Zahl der Unternehmen in Europa gehört zur Klasse der KMU`s, der kleinen und mittelständischen Unternehmen, nämlich rund 98 Prozent. Lediglich knapp 2 Prozent, in Deutschland gar nur 0,34 Prozent sind Großunternehmen. Diese beschäftigen jedoch etwa 40 Prozent der Arbeitnehmer, sind damit jedoch in keiner Weise in dieser Form erhaltenswert, lediglich aus der Sicht des „Finanzmarktes“. Strukturell könnten, ja müssen unbedingt diese Kraken aufgelöst werden, da sie – gezwungen durch ihre Anteilseigner – sich eben wie ein Krebsgeschwür verhalten und völlig sinnlos Energie in Form von Geld absaugen und dabei ihre Umgebung, also die Umwelt und die Menschen, systematisch zerstören.
KMU`s wollen gar nicht wachsen. Nach einer Studie des IÖW (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung) aus dem Jahr 2014 sind lediglich 2% der befragten Betriebe auf ein starkes Wachstum ausgerichtet. Der Rest aller Betriebe strebt – in der Mehrzahl gar in der 4. oder 5. Generation – danach, ihre Größe stabil zu halten, was ihnen dann auch in der Regel gelingt. Diese Betriebe liefern ihrer Gemeinschaft also das, was diese benötigt, in hoher Qualität und sorgt auch dafür, dass ihre Produkte extrem langlebig sind, indem sie gleichzeitig die Instandhaltung und Reparatur leisten. Die meisten dieser Betriebe sind, nach einer Anlaufphase, die ja oft Jahrzehnte zurückliegt, unabhängig von Banken, arbeiten ausschließlich mit eigenem Kapital, oft sogar als Genossenschaften.

Nur das Finanzsystem verlangt Wachstum

Eigentlich könnte das gesamte Wirtschaftssystem, auch in den „Industrieländern“ völlig ohne Industrie und insbesondere ohne das eigentlich gar nicht zum eigentlichen Geschäft, ja der Aufgabe der Banken gehörende System der Dividendenjagd auskommen. Wie jeder „global player“ durch eine Vielzahl von KMU`s zu ersetzen ist, zeigt gerade der Zusammenbruch der Energieriesen. Eine weitaus bessere und sogar nachhaltige Energieversorgung kann jede Kommune, jede Gemeinschaft sofort leisten. Ein Beispiel in der Studie des IÖW ist hier die bereits über 20 Jahre bestehende Genossenschaft EWS, die 1994 bereits das Energienetz in Schönau übernahm und seitdem über 150000 Kunden mit sauberem Öko-Strom und nun auch Gas beliefert. Diese Gesellschaft will auch nicht endlos weiter wachsen, was sie offenbar leicht könnte, sondern berät potenzielle Neukunden dabei, wie diese sich selbst mit Öko-Energie versorgen, Energiegenossenschaften gründen und die lokalen Netze übernehmen können. Nach und nach machen diese mittelgroßen Selbstversorgergemeinschaften die Monopolisten E.ON und Co überflüssig, die ihrerseits gerade dabei sind, sich selbst aufzulösen. E.ON soll aktuell über 40 Einzelgesellschaften gründen – letztlich auch, um am Ende nicht die Abwicklung seiner alten Atommeiler zahlen zu müssen – und sich damit quasi auflösen. Wie sich das auf das Finanzsystem auswirkt, bleibt abzuwarten, da hier ja auch ein gigantischer Kostenberg auf den deutschen Staat zukommt, der sich dafür wiederum auf dem „freien Markt“ das Geld beschaffen muss – vielleicht bei den nun ja von dieser Last befreiten Aktionären von E.ON?

Nicht-Wachstum geht nur gemeinsam

Qualität statt Quantität ist eine lebenswichtige Maxime für jeden Organismus und genau danach funktionieren die vielen Betriebe, die eben nicht für den Massenmarkt produzieren oder ihre Dienstleistungen über Callcenter, vielleicht gar nach Indien ausgelagert, anbieten. Diese Qualität beginnt bei dem Betriebsklima, der sogenannten „Work-Life-Balance“, mit motivierten Mitarbeitern, die möglichst ohnehin an dem Betrieb beteiligt sind. Die Produkte, zum Beispiel der „Möbelmacher GmbH“, werden nur aus regionalem, nachhaltig geschlagenem Holz gefertigt, sind von höchster Qualität, schadstofffrei und werden lebenslang – das Leben des Kunden, nicht des Produkts – repariert und instand gehalten. Genau so arbeiten Zehntausende von Betrieben, von denen einige, aus allen Branchen exemplarisch in der Broschüre zu der Studie des IWÖ vorgestellt werden. Hier arbeiten die Eigentümer – so es diese gesondert gibt – und die Mitarbeiter schon seit Generationen zusammen an dem Erhalt der Firma. Besonders gut gelingt dieses auf dem durch den Massenramsch verseuchten Markt, wenn in diesen Betrieben das System der Soziokratie eingesetzt wird. Alle Mitarbeiter, egal an welcher Stelle im Betrieb, „ziehen an einem Strang“ und sind so in der Lage, extrem flexibel auf jedwede Veränderung zu reagieren.
Fazit: von der Landwirtschaft bis zum EDV-Experten können alle Leistungen einer Gesellschaft an jedem Ort dieser Erde auf nachhaltige Weise erbracht werden. Wirklich einfach wird dies aber nur gehen, wenn die gewählten Vertreter – so wie es die gerade gewählte griechische Regierung eigentlich vorhatte – das zerstörerische Finanzsystem zerschlagen, ggf. dortige „Schulden“, die lediglich virtuell, ohne jeden Gegenwert sind, einfach ignorieren. In Wahrheit wäre für so ein funktionierendes, regionales nachhaltiges Wirtschaftssystem Geld nicht einmal erforderlich.

http://www.brandeins.de/archiv/2015/marketing/oeko-melkburen-milchproduktion-biobauer-hans-moellers-milch/
http://www.brandeins.de/archiv/2015/marketing/karls-erdbeerhof-erlebnishof-der-apple-unter-den-erdbeeren/
http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/16/regional-einkaufen-deutschlandkarte
http://www.zeit.de/community/2015-04/hausschlachtung-schwein-debatte-community
http://www.moebelmanufaktur-hamburg.de/index.php
http://www.hartje-manufaktur.de/
http://www.hasenkopf.de/unternehmen-hasenkopf/industrie-manufaktur/
http://www.brandeins.de/wissen/suedtirol/sylvia-pichler-zilla-taschen-die-zukunft-made-in-suedtirol/
http://blog.postwachstum.de/
http://blog.postwachstum.de/ioew-stellt-elf-unternehmen-vor-die-sich-vom-wachstumspfad-loesen-20150305

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