Landwirte, egal ob ökologisch oder industriell, haben zunehmend Probleme, ihre Höfe am Leben zu erhalten. Weltweit wird inzwischen das Land, der Boden, der uns ernähren soll, auf der Jagd nach…

Landwirte, egal ob ökologisch oder industriell, haben zunehmend Probleme, ihre Höfe am Leben zu erhalten. Weltweit wird inzwischen das Land, der Boden, der uns ernähren soll, auf der Jagd nach Rendite mit Nahrungsmitteln zerstört. Mindestens die Hälfte aller global hergestellten Lebensmittel, ob vom Acker oder als Fleisch wird jährlich vernichtet. Alle 5 Sekunden verhungert auf der Welt ein Kind. So kann man nicht mit Nahrung umgehen, lehrte damals die Kriegsgeneration uns Kinder. Inzwischen tun wir das überall.

Lebensmittel sind keine Ware

In dem Umgang mit unseren Lebensmitteln zeigt sich die ganze Perversität dieses Wirtschaftssystems, das seit gut 20 Jahren global Not und Hunger verbreitet. Dass Landwirte überhaupt auf einem „freien Markt“ ihre Waren anbieten müssen, der inzwischen hauptsächlich von Börsenhändlern beherrscht wird, ist ein Skandal. Ein Landwirt erzeugt das, was wir – alle Menschen auf diesem Planeten- regelmäßig und möglichst genießbar zum Leben benötigen. Dabei sollten wir alle ihn bei Laune halten und dafür sorgen, dass das Land auf dem er unsere Nahrung anbaut, das Wasser mit dem er die Pflanzen begießt, sauber, schadstofffrei und stets ausreichend vorhanden ist. Wir verhalten uns jedoch völlig entgegengesetzt, zwingen die Landwirte zu immer neuen Kopfständen, um möglichst noch billiger, und somit mehr zu produzieren, erlauben einer Industrie, die sich zwischen die Landwirte und uns gedrängt hat, die Nahrung zu vergiften, weltweit zu vermarkten und dabei die regionalen Wirtschaftsräume zu vernichten. Bei uns hat Nahrung inzwischen keinen Wert mehr, zumindest für einen großen Teil der Bevölkerung – und anderswo ist sie unerschwinglich! Dieses System ist absolut krank und einer der wesentlichen Auslöser für den langsam wachsenden Dritten Weltkrieg, wenn wir, die wir im Zentrum des Problems, in Europa und den USA sitzen, es nicht schnellstmöglich stoppen.

Landwirtschaft war grundsätzlich solidarisch

Auch noch nach dem Verlassen des Paradieses wurden Lebensmittel weitgehend solidarisch erzeugt und „verteilt“. Eine Gemeinschaft, ob kleine Siedlung oder große Stadt in frühen Kulturen, ernährte grundsätzlich alle Mitbewohner. Wenn dies nicht mehr gelang, zogen die Menschen um oder eine Kultur ging unter. So zogen germanische Gruppen noch bis ins Mittelalter durch Europa und gab es noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in vielen Gemeinden wenigstens einige allgemeine Flächen (Almende) und alle Einwohner beteiligten sich bei Ernte und auch der Verarbeitung. Zusätzlich gab es sogar in Städten noch Gärten, in denen die Menschen für den Eigenbedarf vieles erzeugten. Die Wege der Nahrung vom Acker oder der Weide zum Verbraucher waren möglichst kurz. Die Kosten, sofern man davon reden kann erschwinglich für Jedermann. Erst die „Entdeckung“ der Nahrung als Ware und zuletzt als Spekulationsobjekt hat das System gebrochen und mehr und mehr Hunger verbreitet, auch wenn manche „Politiker“, als Sprachrohr der Agrarindustrie behaupten, nur dieses System würde weltweit den Hunger bekämpfen können. In Wahrheit hat es ihn erst geschaffen! Besonders pervers ist dann noch, dass Lebensmittel mit großem technischem Aufwand mehrfach um die Welt transportiert werden, bevor sie endlich in einem Ladenregal landen, um dann vielleicht kurz darauf in den Abfall zu wandern, weil das „Verfallsdatum“ überschritten ist. An diesem System verdient eine Mafia unanständige Summen, die eigentlich in diesem „Geschäftsfeld“ überhaupt nichts zu suchen haben.

Hunderttausende Menschen und zehntausende Landwirte haben sich dem System schon entzogen

Solidarische Landwirtschaft, oder international „CSA“ (Community Supported Agriculture) nennt sich die Bewegung, in der sich Landwirte komplett aus Preisdruck und dem Diktat der Industrie entzogen haben und Menschen beschlossen, nicht mehr für natürliche Lebensmittel zu bezahlen, als wirklich nötig ist. Das System ist denkbar einfach. Der Landwirt stellt fest, wie viele Menschen er mit seinem Land ernähren kann. Das sind etwa 4 je Hektar. Ernähren heißt, dass er alles liefert, was am Ort möglich ist, von Eiern über Gemüse, Brot, Milchprodukten und Obst bis zu allen Sorten Fleisch. Sodann ermittelt er, was er in einem Jahr dafür an Mitteln, noch ist das Geld, benötigt. Im Durchschnitt sind das in Deutschland aktuell 100,00 Euro pro Person oder 330,00 Euro je Familie und Monat. Das ist für eine vollständige Ernährung weniger, als der Hilfesatz, zum Beispiel für Hartz IV – Empfänger. Die Lebensmittel haben „Demeter-Qualität“, also noch strenger kontrolliert nachhaltig, als die gängigen Biosiegel der EU. In Deutschland sollen auf diese Weise im Jahr 2015 bereits gut 150 Höfe so arbeiten, in den USA sind es bereits über 12000 und in Frankreich 2500.
Die „Kunden“ zahlen also am Jahresanfang ihren Beitrag und erhalten dafür all das, was dieser Landwirt erzeugt, vom Brot bis zum Steak. Für städtische Kunden gibt es von den Kunden organisierte „Depots“, wo die Menschen „ihre“ Erzeugnisse abholen. Irgendeinen Zwischenhandel, oder eine Zwischenbehandlung, also Verunreinigung der Lebensmittel, gibt es nicht. Der Kunde bezahlt den Landwirt direkt und dieser liefert das, was er erzeugt. Natürlich sind die Kunden im Bilde, wo ihre Lebensmittel wachsen und wie sie behandelt werden, kennen „ihre“ Kuh vielleicht beim Namen, helfen auch gern bei der Karottenernte oder stechen ihren Spargel selbst.
Eine völlig neue – also alte – traditionelle Beziehung zur Erde, zu Lebensmitteln, dem Umgang damit und auch der Wertschätzung untereinander ist der Erfolg. In vielen Gemeinschaften hat es sich gar eingespielt, dass alle so viel einzahlen, wie sie „können“, also sozial schwache Mitglieder werden von wohlhabenden „subventioniert“. Jedes Mitglied soll die gleiche Menge dieser hochwertigen Produkte erhalten können. Nur dieser Weg zurück, somit raus aus der Perversion unseres Wirtschaftssystems, der natürlich nicht zurück ins Mittelalter oder Steinzeit führt, sondern in eine nachhaltige und für alle gerechte Zukunft, verdient eine Unterstützung aller Menschen. Nur so ist es auch möglich, dass alle Menschen auf diesem Planeten Zugang zu den Lebensmitteln haben, die tatsächlich erzeugt werden. Das sind in jedem Jahr Lebensmittel für mehr als 13 Milliarden Menschen, also in jährlich das Doppelte des tatsächlichen Bedarfs. Auch das wird sich dann auf das richtige Maß einspielen.

http://shop.zeit.de/media/pdf/ZW_15-3_Inhaltsverzeichnis.pdf
https://www.sozialismus.info/2012/09/lebensmittel-der-preis-des-profits/
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/3860221/Nicht-verzehrte-Lebensmittel-brauchen-Drittel-der-Agrarflaeche
http://www.solidarische-landwirtschaft.org/de/startseite/
http://gartenpiraten.net/csa/

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