Fahrradfahren in Wien. Ein wichtiges Thema, das sich sehr verändert hat, seit nicht mehr nur wenige Hardcore-Radler, sondern ein bedeutender Anteil der Wiener als Pedalritter in der Stadt unterwegs ist. Die Radlobby ARGUS ist seit 1979 aktiv. Ein Interview.

Seit 1979 gibt es die Radfahrlobby ARGUS. Ihr Ziel nach eigenen Angaben: Die konsequente Förderung der Umweltverbund-Verkehsmittel (Gehen, Fahrrad, öffentlicher Verkehr), um die „Autobenutzung wieder auf ein verträgliches Maß reduzieren.“ Denn „Mensch, Stadt und Natur leiden immer mehr an den Folgen zunehmender Motorisierung: Lärm, Abgase, Staub, Ozongefahr und Unfallgefahr.“

Der Vorsitzende der Radlobby ARGUS ist Andrzej Felczak. Er setzt sich seit 1990 für die Förderung des Radverkehrs in Wien ein. energieleben.at hat ihn um ein Interview gebeten.

energieleben.at: ARGUS – was ist das eigentlich? Seit wann existiert der Verein und was ist das Ziel?

Andrzej Felczak: Die 1979 gegründete ARGUS (Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr) ist ein gemeinnütziger, überparteilicher Verein mit dem Ziel, den nichtmotorisierten Verkehr zu fördern – insbesondere den Radverkehr. Heute ist die ARGUS bei Politikern, Behörden und Medien ein anerkannter kompetenter Ansprechpartner zum Thema Radverkehr. So wird z. B. in Wien die ARGUS zu Verkehrsverhandlungen, die den Radverkehr betreffen, hinzugezogen.

energieleben.at: Bitte stellen Sie sich selbst und Ihre Tätigkeit für die Radfahrer kurz vor.

Andrzej Felczak: Ich bin Vorsitzender der ARGUS – die Radlobby. Das mache ich ehrenamtlich, hauptberuflich arbeite ich bei Siemens – Sektor Infrastructure and Cities. Als Vorsitzender vertrete ich die ARGUS in der Öffentlichkeit und gegenüber Institutionen und koordiniere die Arbeit. So viel Zeit wie möglich widme ich jedoch der praktischen Verkehrsarbeit. In der ARGUS arbeiten wir als Team zusammen. Besonders wichtig ist, dass jeder und jede je nach Erfahrung, Interesse und Zeitbudget mitarbeiten kann.

Wie arbeitet ARGUS?

  • Durch Medienarbeit und öffentlichkeitswirksame Aktionen, um ein breiteres Bewusstsein für die ungenutzten Möglichkeiten des idealen Nahverkehrsmittels Fahrrad zu schaffen.
  • Durch Veranstaltungen, die zum Radfahren animieren und viel Information zum Thema Rad und Radfahren bieten. Die größte Veranstaltung dieser Art ist unser jährlich im April stattfindendes „ARGUS-Bike-Festival“ auf dem Wiener Rathausplatz (2009 mit 100.000 Besuchern!). Infos dazu gibt es auf www.bikefestival.at
  • Durch regelmäßige Gespräche mit Politikern und Beamten, um die angemessene Berücksichtigung der Radfahrer in Gesetzen und Planung zu errreichen.
  • Durch das Fahrradmagazin DRAHTESEL, erscheint 4 mal jährlich auf Papier und im World Wide Web (mit ausgewählten Beiträgen).
  • Durch eine Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Unfallversicherung für unsere radfahrenden Mitglieder.

Es gibt ja neben ARGUS noch andere Vertreter der Fahrradfahrer – zum Beispiel die ig fahrrad, und jetzt sogar die Radagentur der Stadt Wien. Wie ist das Verhältnis zu diesen Institutionen?

Andrzej Felczak: IGF ist auch ein Verein, der für den Alltagsradverkehr arbeitet. ARGUS ist die etablierte Radlobby und IGF ist die junge Radlobby. Wir arbeiten zusammen, ergänzen uns sehr gut und weiten die Kooperation laufend aus. Wir intensivieren auch die Zusammenarbeit aller Radvereine und gründen neue Ländersektionen, zuletzt in Vorarlberg.

Die Radagentur ist eine Institution der Stadt Wien, die mit drei sehr Rad-engagierten Mitarbeitern besetzt ist und im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Anlaufstelle für Radfahrer, Bewusstseinsbildung und Marketing arbeitet. Mit der Radagentur arbeiten wir eng zusammen, führen Projekte durch und wir unterstützen die Radagentur mit unserer Erfahrung und unsere Ideen.

Welche Vorteile genießen ARGUS-Mitglieder? Zahlt sich ein Beitritt für mich aus?

Andrzej Felczak: Welche Leistungen erhalten Sie als ARGUS Mitglied?

  • 4mal jährlich die Zeitschrift DRAHTESEL
  • Umfassende Versicherungsleistungen:
    • Haftpflichtversicherung (bis € 1.500.000 europaweit einschließlich Mittelmeerstaaten)
    • Rechtsschutzversicherung (bis € 57.000,- inklusive Ermittlungsstrafrechtschutz, europaweit)
    • Unfallversicherung (weltweit; € 7.267,28 ab einer 50-prozentigen Invalidität)
  • Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind kostenlos mitversichert
  • Möglichkeit zur verbilligten Anschlussmitgliedschaft (€ 24,-) für jede weitere an der selben Adresse wohnende Person (voller Versicherungsschutz, kein zusätzliches DRAHTESEL-Abo)
  • Radausflüge, Radtoureninformationen, Rechtsberatung
  • Benutzung unseres umfassenden Facharchivs und unserer Fachbibliothek
  • Mitgliedspreise im ARGUS-Shop (Fahrräder, ausgesuchtes Zubehör, Radreiseführer etc.) d.h. MINUS 10% – außer auf Karten, Bücher und Sonderangebote (auch Versand)
  • Kostenlose Benutzung der Selbsthilfe-Werkstatt im WUK, Währinger Straße 59 1090 Wien (Mo-Mi 15 – 19 Uhr)
  • Angebot einer besonders günstigen Fahrrad-Diebstahl-Versicherung
  • Angebot einer Zusatzversicherung für Skater
  • Zahlreiche Vorteile für alle ARGUS-Mitglieder bei unseren Partnerbetrieben

Zudem unterstützen Sie als Mitglied unsere Arbeit die Bedingungen für Radfahrer zu verbessern, die Qualität und Sicherheit der Radverkehranlagen zu erhöhen und die Einstellung zum Thema Alltagsradverkehr zu verbessern.

Es zahlt sich aus Mitglied zu sein, sowohl für Sie persönlich als auch der Beitrag den Sie für ein sicheres, schnelleres und bequemeres Radfahrern leisten. Unsere Mitgliedsgebühr von 36 Euro (24 Euro Anschlussmitglied im selben Haushalt) wird sehr effizient eingesetzt.

energieleben.at: Herr Felczak, wie intensiv fahren Sie selbst mit dem Rad?

Bild: ShutterstockAndrzej Felczak: Ich fahre mehrmals in der Woche Rad im Alltag und versuche möglichst viele Wege in Wien mit dem Fahrrad zurückzulegen, sowohl in die Arbeit als auch meine private Erledigungen und meine Tätigkeiten für die ARGUS. Es ist sehr wichtig die Radinfrastruktur in Wien kennenzulernen, gute Beispiele zu finden und verbesserungswürdige Stellen aufzuzeigen.

Ebenfalls wichtig ist es, das Verkehrsverhalten aller Teilnehmer zu beobachten und Möglichkeiten auszuarbeiten, es zu verbessern.

Ich nehme mein Fahrrad auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln mit und nutze gelegentlich das Citybike.

energieleben.at: Stichwort Verkehrsverhalten: Zwischen Radfahrern und Fußgängern einerseits und Radfahrern und Autofahrern andererseits kommt es immer wieder zu Konflikten. Was kann man da tun? Wie sieht die ideale Beziehung zwischen den Verkehrsteilnehmern aus?

Andrzej Felczak: Der Radverkehr nimmt zu und braucht mehr Platz. Immer wenn lang eingespielte Situationen sich ändern, gibt es Widerstände und Konflikte. Derzeit expandiert der Radverkehr, leider teilweise auf Kosten der Fußgängerflächen. Es werden Radwege auf Gehsteigen angelegt und viele Radfahrer, die Angst haben, auf der Straße zu fahren, nutzen den Gehsteig.

Stattdessen sollte der Straßenraum von Autoverkehr zugunsten des Radverkehrs umverteilt werden. In Wien beträgt der Modal-Split-Anteil des Autoverkehrs 29%, der motorisierte Verkehr beansprucht aber 80% des gesamten Straßenraums.

Ein stärkeres Miteinander

Ich empfinde 95% aller Autofahrer als rücksichtsvoll und verantwortungsbewusst und komme im mit denen im Verkehr gut zurecht. Es gibt aber leider einige Autofahrer, die die Radfahrer nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer behandeln, sondern als Hindernis, und die zu schnell oder zu knapp vorbeifahren, beim Überholen schneiden, auf Radverkehrsanlagen parken und so weiter. Hier ist eine Kombination aus Kampagnen und intensiverer Einsatz der Exekutive erforderlich.

Generell ist ein stärkeres Miteinander erforderlich. Hier fordern wir die Radfahrer auf, sich im Verkehr verantwortungsbewusst, rücksichtsvoll und vorhersehbar zu verhalten, insbesondere gegenüber Fußgängern.

Ein Fußgänger hat immer Vorrang.

Ein Fußgänger hat immer Vorrang, auch wenn er am Radweg gehen sollte. Wir sind auch der Meinung, dass mehr Fahrradpolizisten das Verkehrsklima insgesamt verbessern würden, weil sie zeigen, dass auch die Polizei Rad fährt, weil sie eine beruhigende Wirkung auf die Radfahrer haben und weil radfahrende Polizisten die Probleme der Radfahrer besser verstehen.

Welche Termine sind für Fahrradfahrer heuer besonders interessant?

Der wichtigste Termin ist die Moblitätswoche von 16. bis 22. September und der Autofreie Tag am 22. September, wo die sanften und umweltverträglichen Verkehrsmittel beworben werden. Wichtigste Einzelaktion ist das „Rasen am Ring„, aber es wird viele begleitende Veranstaltungen geben.

Im kommenden Jahr findet „Velo-City 2013“ in Wien statt. Was bedeutet das für Wien und das Radfahren in Wien?

Der Alltagsradverkehr-Kongress Velo-City ist eine einmalige Chance, erstens das Radfahren in Wien, im Umland und in Österreich positiv zu thematisieren. Das ausgesprochene Ziel der Stadt Wien und der Radorganisationen ist es, im Zusammenhang mit der Velo-City Aktivitäten im gesamten Jahr 2013 durchzuführen, die Bevölkerung auf die Vorteile des Radfahren aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass Radfahren ein weltweiter Trend ist. Wir wollen Entscheidungsträger und Verwaltungsmitarbeiter in ganz Österreich erreichen und sie für das Radfahren gewinnen.

Zweitens möchten wir das Radfahren international fördern. Insbesondere für die Länder in Osteuropa können wir hier als Brücke dienen.

Vielen Dank!

3 Kommentare

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