langsam gehen eröffnet neue Perspektiven
langsam gehen eröffnet neue Perspektiven
Wer sich langsamer fortbewegt, bekommt eine ganz neue Sichtweise auf das Leben.

Wie oft schweifen unsere Gedanken darum, wie lange wir an unser Ziel brauchen, und welche Möglichkeit es gibt, dass wir noch schneller dort ankommen? Ich vermute mal, dass diese und ähnliche Gedanken einen Großteil der Überlegungen einnehmen, wenn es sich um längere Distanzen als von Wohnung oder Haus zum Auto oder der nächsten Öffi-Station handelt.

Aber wie ist es, wenn wir bewusst das Gehen als eine langsamere Fortbewegung wählen? Wie wirkt sich das Gehen von größeren Distanzen auf uns aus? Welche möglicherweise noch gar nicht bedachten Aspekte und Erfahrungen ergeben sich daraus? – Diese Fragen habe ich mich bemüht, hier zu beantworten.

Beobachtungen

Ist man langsamer unterwegs, hat man die Möglichkeit, plötzlich viel mehr wahrzunehmen, das einem davor nie aufgefallen wäre. Man bemerkt die Baumart oder Sorte der Blume, und kann vielleicht sogar Früchte stibitzen. Oder man sieht die unterschiedlichsten Tiere, die normalerweise viel zu verschreckt sind und schneller weglaufen als man schauen kann.

Rehe auf der Flucht
Rehe auf der Flucht

Planung ist wichtig

Wenn man länger als gewohnt für eine Strecke benötigt, ist es schwerer, spontan zu sein. Dann wird es wichtig, im Vorhinein zu planen, wie lange man in etwa brauchen wird, und wann man daher starten muss. Meist ist es auch hilfreich, einen größeren Puffer einzuplanen. Vor allem, wenn man sich die Freiheit offen lassen möchte, inspiriert vom Weg, einen Abstecher zu machen.

Bedeutung von Zeit

Plant man also, eine Distanz zu Fuß zurück zu legen, rechnet man plötzlich nicht mehr in Minuten oder sogar Sekunden, sondern eher in Stunden oder Tagen. Das wirkt im ersten Moment wie eine banale Unterscheidung, hat jedoch durchaus tiefer gehende Auswirkungen. Die gröbere Zeitrechnung erlaubt viel mehr Spielraum für Entspannung, weil man akzeptieren lernt, dass es einfach länger dauert, und man sich dadurch eher erlaubt, mehr Puffer einzuberechnen.

Der Weg ist das Ziel

Je länger der Weg dauert, umso mehr macht man sich darüber Gedanken, dass auch diese Zeit „dazwischen“ wertvoll ist, und man sie sich so gestalten möchte, dass es sich gut anfühlt. Man achtet darauf, dass man eine gute Ausrüstung hat, weil sonst bald die Füße zu drücken beginnen, sich Blasen bilden, oder ähnliches. Oder man fängt an diversen Stellen zu schwitzen an, die mit besserer Ausrüstung auch besser belüftet werden würden.

Wanderschuhe
Wanderschuhe

Ein anderer Aspekt, wenn man sich den Weg so angenehm wie möglich gestalten möchte ist, dass man möglicherweise sogar einen längeren, dafür aber gemütlicheren Weg wählt, der eine nettere Landschaft bietet, nicht so steil ist, nicht so uneben ist, oder entweder mehr Schatten oder mehr Sonne bietet – je nach Bedürfnis.

Fazit

Ich habe auf meiner kurzen Wanderung im Sommer extrem berührende Momente erlebt, wie z.B. als ich bei Sonnenaufgang losging, und hinter einer Wand aus Gebüsch ein Reh entdeckte, dass mich aber erst ein paar Sekunden später bemerkte, dann kurz mich direkt anschaute, um im nächsten Moment davon zu jagen. Oder ein Feldhase, der direkt am Weg saß und mich bis auf ein paar Meter Entfernung herankommen ließ, bevor es ihm dann doch zu viel wurde, und er Reißaus nahm.

Feldhase
Feldhase

Diese wenigen Tage haben mein ganzes Leben auf eine Weise bereichert, wie es die hunderten Male Zug- und Autofahrt der selben Strecke niemals konnten.

Ich möchte damit nicht darauf plädieren, alles nur noch zu Fuß zu gehen, sondern lediglich die Einladung aussprechen, bei der Wahl der Fortbewegung auch diese Alternative mit ihren Vorteilen und Bereicherungen mit einzubeziehen. Und wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja mal am Weg und können über unsere Erfahrungen plaudern.

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Bildquellen

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Rehe auf der Flucht: pixabay.com // Schwoaze
Wanderschuhe: pixabay.com // Hans
Feldhause: pixabay.com // hansbenn

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