Fahrbahn, Radweg oder wo? Welche Verkehrsregeln im Bereich der Micro-Mobilität gelten, ist nicht für alle Verkehrsteilnehmenden jederzeit klar. Fotocredit: © Jon Tyson/Unsplash
Fahrbahn, Radweg oder wo? Welche Verkehrsregeln im Bereich der Micro-Mobilität gelten, ist nicht für alle Verkehrsteilnehmenden jederzeit klar. Fotocredit: © Jon Tyson/Unsplash
Einräder, E-Scooter, Elektrofahrräder – Micro-Mobilität wird ein Teil der städtischen Verkehrslösung sein müssen. Dafür braucht es aber nicht nur mehr Platz für die einzelnen Verkehrsteilnehmenden, sondern aus unserer Sicht auch mehr Information. Eine New Yorker Plattform hat vorgemacht, wie es gehen könnte.

Für die einen sind sie zur bequemsten Art geworden, sich innerstädtisch fortzubewegen, für die anderen sind sie im besten Fall falsch abgestellte Hindernisse auf dem Gehsteig. Und im schlimmsten Fall sind sie ein ernstzunehmendes Gefahrenpotenzial, weil man schlicht nicht damit rechnet, dass sie uns wendig und lautlos mit 25 km/h auf einer gemischten Rad- und Fußgängerfläche überraschen. E-Scooter können genauso wie Fahrräder mit Elektromotor beträchtliche Geschwindigkeiten erreichen. Und dann sind da neuerdings auch noch die E-Mopeds. Sie sind genauso groß sind wie herkömmliche, meist Benzin betriebene Mopeds und benötigen demnach gleich viel Platz wie sie. E-Mopeds mit einer Bauartgeschwindigkeit bis zu 25 km/h und maximal 600 Watt dürfen allerdings die Radwege befahren. Das wissen wiederum die wenigsten Fußgängerinnen und Fußgänger, die sich im besten Fall nur wundern, wenn einem ein E-Moped auf der gemischten Verkehrsfläche für Radfahrer und Fußgänger entgegen gebraust kommt. Im ungünstigen Fall entbrennt darüber ein Streit. Denn irgendwie scheinen die wenigsten so genau zu wissen, wer jetzt wo was darf. Der E-Moped-Fahrende darf jedenfalls den Radweg benutzen, denn er ist tatsächlich als Fahrrad klassifiziert.

Micro-Mobilität: Gefahrenpotenzial durch unerwartete Geschwindigkeiten

Wo ist jetzt also das Problem? Fragt man Menschen, die sich seit Jahrzehnten hauptsächlich per Rad durch die Stadt bewegen, ist die Antwort relativ einfach. „25 km/h klingen nicht viel. Sie sind aber unfassbar schnell, wenn du dich in dieser Geschwindigkeit im städtischen Verkehr zwischen Autos, Radfahrern, anderen elektrisch unterstützen Verkehrsteilnehmenden und vor allem Fußgängerinnen und Fußgängern bewegen musst. Selbst als routinierter Radfahrer gibt es in Wien kaum Möglichkeiten, bei einem sicheren Fahrstil über eine längere Strecke 25 km/h aufrecht zu erhalten. Kreuzungen, Zebrastreifen, Menschen – das erlaubt so eine Geschwindigkeit fast nie“, sagt dazu ein passionierter Radler, der seit über 30 Jahren das Rad als Fortbewegungsmittel in Wien nutzt. „Aus meiner Erfahrung heraus werden Elektrofahrräder eher von Menschen benutzt, die mit reiner Muskelkraft oder Routine eine solche Geschwindigkeit ansonsten nicht erreichen geschweige denn aufrecht erhalten können. Das ist einerseits gut, weil damit zum Beispiel ältere Menschen die Möglichkeit bekommen, sich wieder aktiv fortzubewegen. Andererseits ist es eben gefährlich, weil sich damit auch unsichere Radlerinnen und Radler mit Geschwindigkeiten durch die Stadt bewegen, die routinierte Radelnde aus langjähriger Erfahrung heraus in der Innenstadt entweder ganz vermeiden oder nur sehr gezielt fahren.“ 

Hat das Elektro-Moped eine Bauartgeschwindigkeit bis zu 25 km/h und maximal 600 Watt, darf man damit den Radweg benutzen. Und das ohne Führerschein. Fotocredit: © Visual Stories || Micheile/Unsplash

Keine Verbote in Punkto Micro-Mobilität, sondern echte Lösungen für ein Miteinander

Ein weiteres Problem: Im Gegensatz zu Elektro-Mopeds und Rollern mit einer Bauartgeschwindigkeit über 25 km/h und mehr als 600 Watt bzw. Benzin-Scootern mit einer Bauartgeschwindigkeit über 10 km/h brauchen Lenkerinnen und Lenker der E-Scooter, E-Fahrräder und E-Mopeds der entsprechenden Klasse weder Nummerntafel noch Lenkberechtigung. Die für städtische Bereiche meist überhöhten Geschwindigkeiten sind also häufig auch noch mit der Unkenntnis unserer Straßenverkehrsordnung sowie über die eigenen Rechte und Pflichten (Stichwort Ausrüstung) verbunden. Das Gefahrenpotenzial bleibt damit ein großes. Was also tun? Alles wieder verbieten? Nein. Denn auf der anderen Seite sind es ja eben genau diese Micro-Mobilitätslösungen wie E-Roller, Skateboards, Einräder und E-Fahrräder, die einen Teil zur sauberen Mobilität in den Städten beitragen sollen. Es braucht also schlicht echte Lösungen. Zu Fuß gehende und Radfahrende beklagen bereits ohne die E-Varianten zu wenig Platz. Es braucht also einen Ausbau der Verkehrsflächen, die zugunsten der nachhaltigen Fortbewegung geplant und an die Realität der Fortbewegung angepasst werden. 

New York: Plattform gibt Leitfaden für Micro-Mobilität heraus

Neben dem mangelnden Platz ist es aber auch das mangelnde Wissen über die Regeln, die für die einzelnen, teils neuen Verkehrsteilnehmenden gelten. Und das ist nicht nur bei uns in Wien der Fall, sondern auch in Übersee. Die New Yorker stehen beispielsweise vor ganz ähnlichen Herausforderungen. Die durch Stiftungsgelder, Sponsoring und Werbung finanzierte New Yorker Plattform Streetsblog hat daher einen “Field Guide to the Micro Mobility of New York City“ herausgegeben, der für jedes erdenkliche Fahrzeug – vom Lieferwagen bis zum Dreirad für Kids – angibt, wer es wo unter welchen Voraussetzungen mit welcher Ausrüstung wie benutzen darf. Das Ganze ist noch dazu mit ansprechenden und vor allem anschaulichen Illustrationen gespickt und bietet auf einen unglaublich kompakten, aktuellen Überblick. Das hätten wir auch gerne für Wien!

Quellen: oeamtc.at, oesterreich.gv.at, nyc.streetsblog.org / Fotocredits: © Jon Tyson, Visual Stories || Micheile/Unsplash


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