Auch die Beziehung zu sich selbst, zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen ist wichtig. - Photocredit: unsplash.com/Giulia Bertelli
Auch die Beziehung zu sich selbst, zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen ist wichtig. - Photocredit: unsplash.com/Giulia Bertelli
Wie der Aufbau von nachhaltigen Beziehungen zu einer besseren Welt beiträgt.

Im Beitrag Beziehungen als Basis von Allem habe ich erklärt, wo und wie Beziehungen entstehen, und welche Wirkung sie haben. Hier gehe ich mehr in die Tiefe, wie diese Basis unserer Beziehungen unser Handeln und unsere Sicht auf die Welt beeinflusst, und somit auch, wie nachhaltig wir agieren.

Nachhaltige Beziehungen aufbauen

Sobald wir Energie und Aufmerksamkeit auf etwas legen, entsteht eine Verbindung. Diese können wir stärken, indem wir mehr und mehr Zeit und Energie investieren. Zusätzlich wird die Beziehung durch die Emotionen gefärbt, die wir damit verbinden. Stecken wir immer wieder viel Liebe und bewusste Aufmerksamkeit hinein, wird die Beziehung uns nähren. Dies können wir etwa bei unseren Beziehungen zu unseren Hobbies und Leidenschaften beobachten.

Begegnen wir jedoch einem Menschen, Ding, Tätigkeit oder Umstand mit Ärger, Wut, Verzweiflung oder ähnlichen Emotion, so wird uns die Beziehung dazu in den meisten Fällen Kraft kosten. Es liegt also an uns, welche Art von Beziehung wir aufbauen wollen.

Nachhaltige Beziehungen aufladen

Welche hauptsächliche emotionale Färbung eine Beziehung hat, können wir daran erkennen, welche Emotionen sie hervorrufen, wenn wir an diese Beziehung denken oder gerade mit ihr interagieren. Wollen wir diese Färbung ändern, müssen wir sie mit entsprechend anderen Emotionen aufladen.

Fließt viel Zeit und Energie in Beziehungen, die bei uns Verzweiflung, Groll oder ähnliche Emotionen auslösen, muss das aber nicht gleich etwas schlechtes bedeuten. Es muss auch nicht automatisch ein Zeichen dafür sein, diese Beziehung zu beenden. Es kann vor allem ein wichtiger Hinweis dafür sein, mit welchen Emotionen wir diese Beziehung und somit auch uns nähren, und die Kenntnis darüber ist der erste Schritt, um die entsprechenden Emotionen dazu zu verändern.

Viele Pflanzen, die am anderen Ende der Erde wachsen, und die wir noch nie gesehen haben, sind uns oft egal, weil wir nichts darüber wissen. Weil wir keine Beziehung dazu haben. Darum ist es uns auch nicht so wichtig, dass wir sie schützen. – Photocredit: unsplash.com/Alenka Skvarc

Ähnlich einer Pflanze, die unterschiedlich reagiert, ob wir sie mit Nährlösung, Wasser oder Säure gießen, wirkt sich das auch auf Beziehungen positiv, neutral, oder negativ aus. Und je nachdem, welche Bedeutung wir dieser Verbindung geben, führt es dazu, dass wir uns für bestimmte Dinge öffnen oder auch verschließen.

Probleme bei fehlenden Beziehungen

Unabhängig davon, wie die Beziehung jedoch unterm Strich aufgeladen ist, führt sie immer dazu, dass wir Verständnis und Vertrauen dem Gegenüber empfinden. Es führt dazu, dass wir uns weniger unsicher fühlen, weil wir zumindest ein bisschen einschätzen können, was uns erwarten könnte.

Wenn wir etwa eine bestimmte Tätigkeit noch niemals zuvor gemacht haben, und nicht mal jemand anderem dabei zugesehen haben, dann ist in den meisten Fällen ein Gefühl von Unsicherheit und vielleicht sogar Angst vorhanden. Je genauer wir aber darüber lernen, es schon mal gemacht haben, und die Einzelheiten verstehen, schwindet die Angst und Unsicherheit. Dann können wir uns selbst und der Verbindung mehr und mehr vertrauen. Wir wissen – zumindest zu einem gewissen Grad – was uns erwartet.

Bauen wir jedoch keine oder nur eine sehr oberflächliche Beziehung zu einem Lebewesen, einem Ding, einer Tätigkeit oder Situation auf, so schwingt immer etwas Angst und Unsicherheit mit. Diese Angst und Unsicherheit wiederum kann leicht zu unbegründeter Ablehnung führen.

Wertschätzung von Diversität und Aufwänden

Je mehr wir über jemanden oder etwas wissen, desto mehr entsteht Verständnis, und damit verbunden auch Wertschätzung. Wenn uns etwa bewusst ist, dass es nicht nur eine Sorte Karotten gibt, sondern hunderte, die alle jeweils in gewissen Gegenden am besten gedeihen und auch ohne Pestizide gut gegen die natürlichen Gefahren gewappnet sind, entwickeln wir eine Wertschätzung für die Diversität der Pflanzenwelt.

Wenn wir mehr darüber lernen, wie Menschen, die anders sind als wir, leben, umso besser können wir sie als Teil unserer Gesellschaft integrieren und erkennen, wie wichtig sie sind. – Photocredit: unsplash.com/Audi Nissen

Wenn wir mehr über einen Herstellungsprozess oder ein Handwerk wissen, und es vielleicht sogar selbst schon ausprobiert haben, wächst auch hier die Wertschätzung. Haben wir etwa schon mal Hühner selbst aufgezogen, kommt schnell die Frage auf, wie man für ein Huhn, das nicht nur aufgezogen, gefüttert und sonst wie versorgt, sondern auch getötet, gerupft, verpackt und zum Supermarkt transportiert wurde, mickrige 5,50€ verlangen kann. Und wenn wir schon mal dem gesamten Produktionsprozess von Baumwollpflanzung, -ernte, vorbereiten, spinnen, färben, nähen und dem Transport und Verkauf beigewohnt haben, können wohl die Wenigsten nachvollziehen, wie ein T-Shirt um 3,30€ verkauft werden kann, ohne dabei irgendwen zu übergehen.

Tiefe oder Weite?

In unserer heutigen global vernetzten Welt sind wir schnell dazu verleitet, ganz viele Beziehungen zu vielen Dingen und Lebewesen auf nur sehr oberflächlicher Ebene aufzubauen. Schließlich wollen wir nichts verpassen, überall mitreden können, und werden bei Neuem mit unserer Aufregung, Neugierde und Begeisterung am Beginn belohnt.

Über den eigenen Schatten springen

Wirklich tiefe Beziehungen hingegen benötigen mehr Zeit, Energie, und vor allem Hingabe und Verbindlichkeit. Es bedeutet, dass wir nicht beim Auftreten der ersten Probleme oder Schwierigkeiten aufgeben und uns etwas oder jemand Neuen suchen. Wir sind dabei herausgefordert, auch durch schwere Zeiten durchzugehen, um dadurch zu einem ganz besonderen Schatz zu kommen.

Wenn wir etwa mit einem Menschen über Jahrzehnte hinweg eine intensive, enge Beziehung führen, bauen wir dadurch ein Vertrauen in uns selbst und die Verbindung zum Anderen auf, das uns keine 100 schwächeren Beziehungen zusammen geben können. Und wenn wir über viele Jahre hinweg, oder vielleicht sogar den Großteil unseres Lebens in der selben Gegend leben, und auch wirklich über all die jahreszeitlichen und sonstigen Veränderungen hinweg beobachten, bekommen wir ein Verständnis dafür, wie sich die Welt direkt um uns herum, inklusive dem Klima, wirklich verändert hat.

Wenn wir eine persönliche Beziehung zu den Baumwollpflanzen haben, sie beim Wachsen beobachten, und die Baumwolle ernten, gehen wir wahrscheinlich wesentlich anders mit der daraus entstehenden Kleidung um. – Photocredit: unsplash.com/Jeff Hutcheson

Über den Tellerrand blicken

Ein gewisses Spektrum an Beziehungen ist jedoch auch hilfreich und sinnvoll, um auf der selben Ebene bessere Vergleiche anstellen zu können. So kann etwa die Kenntnis über drei unterschiedliche Fertigungsmethoden für das gleiche Endprodukt dazu führen, dass keine unnötigen Aufwände betrieben werden. Oder wir entwickeln sogar noch etwas ganz Neues.

Dann kann es auch passieren, dass wir von anderen Menschen andere Sichtweisen, Einstellungen und Lebensweisen kennenlernen, die wir uns davor nicht mal vorstellen konnten.

Fazit

Wie diese und die vorherige Betrachtung bereits zeigt, sind Beziehungen ein komplexes Thema, das einen sehr wesentlichen Beitrag auf die zukünftige Entwicklung der Welt leistet. Es ist jedoch ein Beitrag, den wir grundlegend mitbeeinflussen können. Sowohl dadurch, selbst bewusstere, nährendere und nachhaltige Beziehungen zu führen, als auch andere dazu zu inspirieren, dies ebenfalls zu tun.

Weiterführende Quellen

Beziehungen als Basis von Allem
Beziehung als Teil der Nachhaltigkeit
Natürliche Kooperation zwischen Mensch und Tier
Ubuntu – eine Philosophie der Gemeinschaft