Fotocredit: Jürgen Brand
Fotocredit: Jürgen Brand
Jürgen Brand hatte es satt, dass seine Hosen sich beim Radfahren durchwetzen. Deshalb gründete er sein eigenes Mode-Label. Er verwendet ausschließlich Naturfasern. Dabei legt er großen Wert darauf, dass die Kleidungsstücke auch Business-tauglich sind.

Wie kam es zur Idee Ihres Modelabels?

Den Wunsch, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, hatte ich schon lange. Bis ich die zündende Geschäftsidee hatte, hat es aber eine Weile gedauert. Ich habe in Linz die HTL für Bekleidungstechnik besucht und dann meinen Abschluss an der Wirtschaftsuni Wien gemacht. 20 Jahre lang habe ich im Bereich der Erneuerbaren gearbeitet. Der Rest ist dann schleichend passiert. Ich habe mich immer darüber geärgert, dass ich vom Sattelhorn meines Rades Löcher in der Hose bekam und dass es außerhalb von Outdoorkleidung keine schicke und zugleich funktionale Bekleidung für Radfahrer gibt. Ich habe oft von dieser Idee gesprochen, bis mir ein Freund gesagt hat: Mach’s doch!

Was macht Ihre Kleidungsstücke aus?

Die Idee liegt darin, Kleidung für Radfahrer – Männer und Frauen – zu entwerfen, die businesstauglich ist. Ich folge keinen Trends. Wenn zufällig gerade roter Denim in ist, ist mir das egal. Wichtig ist mir, dass ich Naturmaterialien verarbeite. Es sollen langlebige Stücke sein. Naturmaterialien sind zudem sehr pflegeleicht. Regionalität ist mir wichtig. Das Wort „Nachhaltigkeit“ mag ich aber nicht. Ich halte es für ein Unwort.

Was macht Ihre Bekleidung radfahrtauglich?

Naturmaterialien sind im Ursprung atmungsaktiv. Da die Fasern Hohlräume haben, geben sie die Feuchtigkeit gut wieder ab. Alle Kleidungsstücke sind außerdem waschbar verarbeitet. Sie haben außerdem versteckte Lüftungselemente. Die Jacken haben am Rücken eine Falte, die für die Bewegungsfreiheit wichtig ist. Die Hosen haben einen versteckten Einsatz im Schritt, der sehr einfach repariert werden kann, wenn er durchgewetzt ist.

Welchen Stil verfolgen Sie?

Ich folge keinen Trends, sondern habe meinen eigenen Stil. Trends ignoriere ich. Das ist auch nicht meine Zielgruppe. Meine Kunden wollen bequeme, langlebige und tragbare Kleidungsstücke mit modernem Schnitt. Meine Sachen müssen allen voran mir selber gefallen und ich muss sie selber gerne tragen. Sie haben aber zugleich einen Wiedererkennungswert. Ich mache keine Mode, aber ich frage mich manchmal eh, was Mode eigentlich ist. Man kann ja heute alles tragen, was man will. Vieles davon finde ich aber grenzwertig. Jeans muss man doch nicht extra bearbeiten, damit sie Löcher haben und abgewetzt aussehen. Die werden ohnehin von selber kaputt.

Fotocredit: Jürgen Brand
Fotocredit: Jürgen Brandü

Woher stammen die Materialien, die in Ihrer Bekleidung verarbeitet sind?

Eigentlich fast alle aus Österreich. Was in Österreich nicht erhältlich ist, weil es hier nicht produziert wird, stammt aus Deutschland, wie die Nähseide und Einlagen zum Beispiel. Auch bei Baumwoll- und Jeansstoffen greife ich auf deutsche Produzenten zurück. Im Wesentlichen kommen aber alle Materialien aus einem Umkreis von maximal 200 Kilometern von Wien. Die Knöpfe beziehe ich zum Beispiel in einer Manufaktur im 23. Bezirk.

Wo ist Ihre Mode erhältlich?

Ausschließlich bei mir – also in meinem Geschäft in der Lerchenfelderstraße oder auf Messen und Veranstaltungen. Ich erstelle immer eine kleine Serie in fünf Größen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Wem die Standardgrößen nicht passen, für den fertige ich nach Maß an.

Wie geht es mit Jürgen Brand weiter?

Das Label gibt es im Verkauf seit 2017. Jetzt ist mein zweites Jahr. Ich versuche erst einmal, die Fehler aus dem ersten Jahr nicht zu wiederholen. Im Herbst kommen dann ein paar neue Modelle dazu. Eine klassische Kollektion gibt es bei mir nicht. Langfristig überlege ich, einen Webshop einzurichten, den Vertrieb zu verbessern, Mitarbeiter einzustellen. Das wird sich alles zeigen.

Quelle: Energieleben Redaktion

Foto: Jürgen Brand


 

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