Rechtsabbiegen bei Rot - Fotocredit: Pexels/Nout Gons
Rechtsabbiegen bei Rot - Fotocredit: Pexels/Nout Gons
Ergebnisse in anderen Ländern zeigen: Kaum Nutzen, dafür mehr Gefahren.

Bald starten die ersten Rechtsabbiegen trotz Rotlichts-Versuche in Österreich. Das Infrastrukturministerium verspricht sich flüssigeren Verkehr und dadurch weniger Umweltbelastung. Studien in anderen Ländern zeigen jedoch, dass es vor allem zur Häufung von Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern kommt.

Rechtsabbiegen bei Rot startet Jänner 2019

Ab 1. Jänner 2019 sollen die ersten Tests für das Rechtsabbiegen trotz Rotlichts starten. Ein Jahr lang darf auf drei Kreuzungen in Linz auch bei Rot rechts abgebogen werden. Die Kreuzungen werden mit einem zusätzlichen Schild mit einem grünen Pfeil ausgestattet, welches für Auto-, Moped-, Motorrad- und Radfahrer gilt. Verboten bleibt das Rechtsabbiegen aber für LKWs und Busse.

Das Infrastrukturministerium verspricht sich flüssigeren Verkehr und eine dadurch resultierende Abgasreduzierung. Für die Versuchsreihe kommen nur Kreuzungen infrage, die gut einsehbar sind, versichert Minister Hofer. Außerdem müsse jedes Fahrzeug an der Haltelinie stoppen und sich vergewissern, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder gefährdet werden. Das Institut für Verkehrssicherheit der TU Wien wird Nutzungshäufigkeit, Anhalte-Bereitschaft, Ausweichverhalten sowie potenzielle Konfliktsituationen zwischen den Verkehrsteilnehmern untersuchen. Das Infrastrukturministerium beruft sich auf positive Ergebnisse ähnlicher Versuche in zahlreichen anderen Ländern. Dazu zählen laut dem Minister unter anderem die USA, Kanada, Australien, Frankreich, Tschechien, Polen und Teile Deutschlands. Studien aus Kanada und Deutschland kommen allerdings keineswegs zu den vom Minister ‚zitierten‘ positiven Ergebnisse.

Autofahrer sehen Fußgänger und Radfahrer nicht

Eine Studie der Universität Toronto kam zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Autofahrer nicht nach Fußgängern und Radfahrern Ausschau hält, bevor sie nach rechts abbiegen. Studienteilnehmer wurden mit Eyetracking-Geräten ausgestattet, die genau registrierten, wohin die Autofahrer schauten, wenn sie sich einer Kreuzung näherten und in diese einfuhren. Die Teilnehmer waren alle zwischen 35 und 54 Jahre alt und konnten mindestens drei Jahre Fahrpraxis nachweisen; dieses Segment gilt gemeinhin als die Gruppe Autofahrer mit dem geringsten Unfallrisiko. Trotzdem kamen die Forscher zum Schluss, dass Fußgänger und Radfahrer von rechts abbiegenden Autofahrern nur selten wahrgenommen werden, weil zu viele andere visuelle Reize verarbeitet werden müssen. Autofahrer sind schlicht und einfach überfordert beim Rechtsabbiegen, so das Fazit der Studie.

Kaum Nutzen für Verkehr und Umwelt

Dieses Ergebnis wird bestätigt von einer Studie der Technischen Universität Dresden. In Deutschland gab es schon mehrere Versuche mit einem Grünpfeil, der erlaubtes Rechtsabbiegen bei roter Hauptampel anzeigt. Im Jahr 2015 wurde die Verkehrssicherheit auf Kreuzungen und Zufahrten mit Grünpfeil gemessen. Eine Analyse von 200 solcher Kreuzungen zeigt, dass an diesen die mit Abstand höchsten Anzahl an Unfällen mit nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern auftreten. Mittels Befragungen und Verhaltensbeobachtungen kam die Studie zum Ergebnis, dass die Grünpfeilregelung bei Autofahrern beliebt ist, der Anhaltepflicht wird allerdings meist nicht nachgekommen. Dadurch werden oft Fußgänger und Radfahrer in Unfälle verwickelt. Zu guter Letzt gaben die Studienleiter in Deutschland ein eindeutiges Fazit: Es konnte kein oder nur ein sehr marginaler Nutzen für Kraftfahrzeugführer und Umwelt abgeleitet werden.

Bild: Pexels


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