Mit dem neuen Eisspeicher, dem Ausbau der Fernkälte und der Versorgung kritischer Infrastruktur zeigt Wien, wie eine Großstadt trotz extremer Temperaturen funktionsfähig bleibt.

Die erste große Hitzewelle des Jahres liegt fünf Wochen zurück – doch Anfang August wird es in Wien schon wieder brütend heiß. Laut aktuellen Prognosen steigen die Temperaturen in der Bundeshauptstadt erneut auf bis zu 36–40 °C, teils mit Gewittergefahr am Nachmittag . Meteorolog*innen warnen sogar, dass der Allzeitrekord von 40,0 °C, der Ende Juni in Wien erstmals erreicht wurde, erneut wackeln könnte.

Die Hitze ist also zurück – und damit auch die Frage: Wie bleibt eine Millionenstadt wie Wien in solchen Extremsituationen funktionsfähig?

Ein Blick zurück auf die Juni‑Hitzewelle zeigt, wie stark die Belastung war und welche Rolle die Fernkälte inzwischen spielt.

Rückblick: Juni-Hitzewelle brachte bis zu 60 % mehr Kühlbedarf

Ende Juni kletterten die Temperaturen in Wien erstmals über 35 °C. Wien Energie registrierte an diesen Tagen einen um bis zu 60 % höheren Fernkältebedarf als an einem durchschnittlichen Sommertag mit rund 25 °C .

Besonders wichtig war die Kühlung in öffentlichen Gebäuden:

  • AKH Wien
  • Rathaus
  • Universität Wien
  • Ronacher und Naturhistorisches Museum
  • Hotel Sacher und weitere Betriebe
  • Wohngebäude wie im Nordbahnviertel

Mit der steigenden Zahl an Tropennächten, die in Wien zuletzt Rekordwerte erreichten (53 Tropennächte 2024), bleibt die Stadt auch nachts aufgeheizt und der Kühlbedarf steigt weiter.

Premiere für den größten Eiswürfel Wiens

Ein Highlight dieses Sommers ist die erstmalige Nutzung des neuen Eisspeichers im Fernkältenetz. Die Anlage am MedUni Campus Mariannengasse gefriert Wasser zu Eis und speichert so Kälte für besonders heiße Tage.

Der wohl größte Eiswürfel Wiens funktioniert dabei wie ein thermischer Akku:

  • In kühlen Zeiten wird Wasser zu Eis gefroren.
  • Bei Hitze wird die gespeicherte Kälte genutzt, um Lastspitzen abzufedern.
  • Die Fernkältemaschinen können dadurch gleichmäßiger und effizienter betrieben werden.

Gerade in Wochen wie dieser – mit erneutem Hitzepeak Anfang August – zeigt sich, wie wichtig solche Innovationen sind.

Warum Fernkälte für Wien immer wichtiger wird

Fernkälte spart rund 50 % CO gegenüber konventionellen Klimaanlagen und verhindert zusätzliche Wärmeabgabe durch Außengeräte. Ein wichtiger Faktor gegen Hitzeinseln in der Stadt.

Wien Energie investiert in den kommenden Jahren rund 100 Mio. Euro in den Ausbau der klimafreundlichen Kühlung. Die aktuelle Infrastruktur:

  • 33 km Fernkältenetz
  • 8 große Kältezentralen
  • 17 dezentrale Anlagen
  • 250 MW Leistung 2026, geplant 370 MW bis 2030

Hitze wird zur neuen Normalität – und Wien rüstet sich technisch dafür

Die aktuelle Wetterlage zeigt: Hitzewellen kommen häufiger und intensiver. Wien hat Ende Juni einen Rekord gebrochen – und Anfang August könnte der nächste folgen.

Mit dem neuen Eisspeicher, dem Ausbau der Fernkälte und der Versorgung kritischer Infrastruktur zeigt Wien, wie eine Großstadt trotz extremer Temperaturen funktionsfähig bleibt.

Wusstest du, dass Wien eigene „Coole Zonen“ hat?

Wenn die Hitze in der Stadt drückt, hilft nicht nur Fernkälte. Wien betreibt inzwischen über 100 „Coole Zonen“ – Orte, an denen man sich an heißen Tagen bewusst abkühlen kann. Dazu gehören schattige Parks, Trinkbrunnen, klimatisierte öffentliche Gebäude, Nebelduschen, kühle Innenhöfe und sogar ausgewählte Museen und Bibliotheken.

Die Stadt markiert diese Plätze online und in der Wien‑App, damit Menschen schnell Orte finden, an denen sie durchatmen können. Gerade in Wochen wie dieser, in denen die nächste Hitzewelle anrollt, sind die Coolen Zonen ein wichtiges Angebot für alle, die in der Stadt unterwegs sind.


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Bild: Wien Energie / Max Kropitz