Leben  

Ein Büro-Container als Tiny House

Du willst dein eigenes kleines Zuhause selbst bauen? Aber wie geht das so ganz ohne Erfahrung beim Bauen?

Wenn du dir diese oder ähnliche Fragen schon gestellt hast, dann interessiert dich vielleicht meine Geschichte, wie ich einen Büro-Container als Tiny House umgebaut und genutzt habe…

Hallo, mein Name ist Elisabeth, und ich schreibe für euch wöchentlich eine Kolumne zum Thema Tiny Living.

Als ich vor inzwischen fast vier Jahren das erste Mal die Idee eines kleinen Holzhauses auf Rädern hatte, kamen genau diese Fragen und Gedanken in mir auf. Damals wusste ich noch nichts über die Tiny House Bewegung in Amerika, und in Europa war das Thema nur eine Randerscheinung. Aber ich hatte den tiefen Wunsch, mein eigenes kleines Zuhause zu haben, das wirklich mir gehört, wo ich nicht übersiedeln muss mit viel Herumpacken und wieder neu anfangen und neu einrichten. Aber ich konnte mich einfach nicht festlegen, wo dieses Häuschen stehen soll. Ich hatte schon mehrmals woanders gewohnt, und wusste, dass ich da wo ich jetzt bin wahrscheinlich auch nicht für immer bleiben möchte. Ein Haus aber kein fixes Grundstück? Wie soll das gehen? Ein Wohnwagen war mir zu viel Plastik und zu einengend. Aber man könnte doch auch ein kleines Holzhaus auf einen Anhänger bauen….

Lehrgang Greenskills

Das ‚was‘ war geklärt. Aber wie? Durch eine Verknüpfung von Ereignissen habe ich vom Lehrgang Greenskills in Wien erfahren, wo man über nachhaltiges Bauen und Leben noch so viel mehr lernt. Durch den Lehrgang, der auch einen starken Fokus auf das praktische Ausprobieren und Umsetzen hatte, und ein Mini-Praktikum bei Wohnwagon, die autarke Holzwägen anbieten, habe ich meine ersten Erfahrungen mit dem Bauen gesammelt. Damit habe ich auch ein bisschen die anfänglichen Berührungsängste verloren, und Mut entwickelt, einfach mal anzufangen, auch wenn es nicht perfekt ist. Auch wenn mein Traum ein Holzhäuschen aus 100% nachwachsenden Rohstoffen war, kam ich an den Punkt an dem ich erkannte, dass es nicht gleich perfekt sein muss. Außerdem ist Nachhaltigkeit mehr als das Beschränken auf 100% natürliche Stoffe. Im Vergleich zum extra neu gerodeten Baum für mein Baumaterial kann es eine Alternative sein, ein bestehendes Ding zu nutzen, wo keine zusätzliche Energie für die Herstellung aufgewandt werden muss.

Also wie soll ich anfangen?

Bei mir ging es im Grunde wie von selbst. Ich hatte schon ein halbes Jahr oder länger jedem Menschen der mir über den Weg gelaufen ist sehr begeistert von meiner Tiny House-Idee erzählt. Zunächst war ich fix davon überzeugt, dass es ein Holzhaus und auf Rädern sein musste. Mit jedem Gespräch, das sich in den Fragen des Gegenüber nur selten stark unterschied, konnte ich für mich genauer herausfinden, was mir wichtig war. Dadurch ergab sich, dass es zunächst kein Holzhaus sein musste, sondern aufgrund meiner beschränkten Zeit eine fix fertige, stabile, wasserdichte Aussenhülle eine echt gute Alternative oder zumindest ein erster Schritt sein kann.

Aus diesen Gesprächen ergab sich dann auch die Information über den Verkauf eines gebrauchten Bürocontainers. Hab ihn angesehen und im Grunde sofort entschieden, dass ich ihn nehme.

Nächste Herausforderung: Wo darf ich ihn hinstellen?

Und welche Anforderungen sind dafür notwendig? Diese Fragen können nicht allgemein beantwortet werden, da es nicht nur von Bundesland zu Bundesland oder Ort zu Ort unterschiedlich ist, sondern sogar bis zu einem gewissen Grad von Grundstück zu Grundstück. Speziell wenn es notwendig ist, der Vorgabe zu entsprechen, dass es „ins Ortsbild passen“ soll. Gleich ist es jedoch in vielen Gegenden, dass beim Aufstellen von baulichen Konstrukten – auch wenn sie sich auf Rädern befinden oder kein Betonfundament benötigen – eine zumindest abgekürzte Form der Baugenehmigung notwendig ist. Hierfür ist es hilfreich, gute Kontakte zu den Nachbarn zu pflegen, die Ängste und Befürchtungen der Behörden so gut wie möglich zu entkräften, und generell eine offene und kreative Einstellung zu behalten.

Beim Aufstellen des Containers sind lediglich Punktfundamente notwendig, die in Form von Beton, dicken (alte) Holzbalken, mit Schotter gefüllte alte Autoreifen oder – wie bei mir – in Form von unterschotterten Waschbetonplatten ausgeführt werden können. Je nach Untergrund des Zielgrundstücks kann eine hier eine andere Lösung passender sein.

Einrichtung

Und wie macht man sich so einen Container gemütlich und heimelig? Bei mir war es eine Kombination aus Holzboden, Wand aus Lehm, Wand aus Kork, Möbel aus Holz und noch ein paar kleineren dekorativen Ergänzungen. Speziell meine Lehmwand erfüllt mich mit Stolz, und gibt mir das Gefühl, geschützt zu sein. Weitere selbstgebaute Notwendigkeiten waren ein Gestell für ein Waschbecken, eine Trockentrenntoilette und der Versuch einer Dusche.

Container Küche

Um meinem Wunsch an Nachhaltigkeit trotz Metallbox soweit möglich gerecht zu werden, wurden für die Einrichtung keinerlei neue Möbel oder sonstige Einrichtungen gekauft – lediglich der Lehm für die Wand war neu und direkt von einem Geschäft bezogen. Viele Dinge konnte ich gebraucht am Dachboden oder Keller finden – wenn nicht bei mir, dann über das Internet von jemand anderem. Dadurch ergab sich z.B. mein dreifärbiger Boden, der aus erstandenen Parkett-Resten unterschiedlicher Menschen besteht. Was ich nicht fix fertig gebraucht finden konnte, wurde selbst gebaut.

Container Einrichtung

Die Reihenfolge beim Bau meiner Einrichtung war sehr stark geprägt von einerseits der realistischen Gegebenheiten (der Boden muss gelegt werden, bevor die Einrichtung plaziert wird, etc.), als auch der Notwendigkeiten. Nachdem ich schon in einem sehr frühen Stadium darin schlafen wollte, war ein Klappbett der erste Einrichtungsgegenstand, dicht gefolgt von der Trockentrenntoilette. Auch wenn viele Menschen wahrscheinlich lieber in ein fix fertiges Zuhause einziehen wollen, waren diese primitiven Zwischenstadien beim Einrichten für mich sehr hilfreich, weil ich schrittweise genau die Dinge gebaut habe, die gerade aktuell und wichtig waren. Durch das und vieles mehr durfte ich auch gleichzeitig sehr viel über mich selbst lernen, was auf jeden Fall ähnlich spannend ist wie das Erschaffen mit den eigenen Händen.

Fazit

Es gibt natürlich einige Dinge, die ich jetzt, wenn ich neu beginnen würde, anders machen würde. Aber mir hat es sehr geholfen, diesen ersten kleineren Schritt zu gehen, mit weniger Ansprüchen, zum Ausprobieren, zum Lernen, zum Erleben wie es ist, etwas selbst zu bauen. Wie es ist, auf so kleinem Raum zu leben. Und für all diese Erfahrungen bin ich unendlich dankbar.

 

Quellen:

http://www.greenskills.at/
http://www.wohnwagon.at/

 

ElisabethElisabeth Demeter, MSc.

Zusätzlich zu ihrer Tätigkeit im Bereich der IT-Sicherheit beschäftigt sich die Wildnislehrerin mit alternativen Lebensweisen und -philosophien. Als Weiterentwicklung ihres ersten Blogs („Wandering Treechild„) enstand im Sommer 2016 ein neuer persönlicher Blog mit dem Namen „follow the wild roots„. Dort behandelt sie Berichte über ihre Projekte, persönliche Herausforderungen ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen und Ideen zu diversen alternativen oder kontroversen Themen.

Elisabeth, 07.11.2016
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