Der Rimac Concept_One
Der Rimac Concept_One
1.650 kg, 1088 PS – und ein Elektromotor. Der in Kroatien gefertigte Supersportwagen Concept_One verblüfft mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 2,8 Sekunden und einer Spitzengeschwindigkeit von 305…

Mate Rimac vor seinem umgebauten 1984er BMW E-301.650 kg, 1088 PS – und ein Elektromotor. Der in Kroatien gefertigte Supersportwagen Concept_One verblüfft mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 2,8 Sekunden und einer Spitzengeschwindigkeit von 305 Kilometern pro Stunde.
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Das sind Daten, wie man sie landläufig nicht mit Elektroautos in Verbindung bringt. Und eine Reichweite von 600 Kilometern mit einer Batterieladung schon gar nicht. Woher kommt aber diese Wunderkiste?

Rimac

Der Hersteller ist eine Firma namens Rimac Automobili, geleitet vom 23-jährigen Firmengründer Mate Rimac. An Design und Fertigung hat eine Reihe namhafter Experten mitgearbeitet, um ein echtes „Superauto“ zu schaffen, das auf der weltgrößten, der Frankfurter Automobilmesse IAA erstmals enthüllt wurde und für großes Aufsehen gesorgt hat.

Energieleben.at hat mit Mate Rimac gesprochen.

Herr Rimac, Sie sind erst 23, das ist sehr jung, um einen eigenen elektrischen Supersportwagen zu produzieren. Wie ist es dazu gekommen?

Mate Rimac: Ich war in einer technischen Schule in Kroatien, wo wir eine praktische „Matura Übung“ vor dem Abschluss zu machen hatten. In der Regel basteln Studenten dafür einfache Elektronik wie etwa einen Verstärker.
Ich war ein absoluter Elektronik-Fan, also habe ich die Gelegenheit genutzt, etwas ganz Einzigartiges zu bauen. Meine Erfindung wurde ausgewählt, um auf einer lokalen Erfindermesse gezeigt zu werden. Dort gewann ich den ersten Preis. Nach der lokalen Ausstellung beteiligte ich mich an Messen auf nationaler Ebene, wo ich auch den ersten Platz errang. Das öffnete die Tür zu den weltweit größten internationalen Ausstellungen.

Ich nahm in Südkorea, der Schweiz, Deutschland, Malaysia, Tschechien, Rumänien und so weiter an Erfindermessen teil. Auf all diesen Ausstellungen gewann ich meistens Gold oder Silber für meine Erfindungen, was schließlich auch die Aufmerksamkeit der europäischen Automobilhersteller und Zulieferer geweckt hat.

Ich habe meine Erfindungen patentiert und mit diesen Unternehmen einen Verkauf der Nutzungsrechte ausgehandelt. Recht erfolgreich sogar. Über die Details kann ich leider nicht sprechen, denn ich habe Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeichnet.

Wie kommt es zum Schritt von der Elektronik zum kompletten Superauto?

Mate Rimac: Neben der Elektronik bin ich ein leidenschaftlicher Fan von Autos und Motorrädern. Ich hatte einen alten BMW E30 (Baujahr 1984), den ich für Drift-und Rundstreckenrennen eingesetzt habe. Bei einem dieser Rennen ist mir dann der Benzinmotor in die Luft geflogen. Daher habe ich beschlossen, es mit dem Bau eines eigenen Elektromotors zu versuchen.

Das Ziel war von Anfang an, ein sehr starkes Auto zu schaffen. Zuerst habe ich für mich allein angefangen. Ich habe viel über die Projekte anderer Menschen gelesen, die bereits Autos mit elektrischen Antrieben ausgestattet haben. Es sind sogar einige dabei, die mit EVs in den Rennsport gegangen sind.

Dann habe ich die nötigen Teile bestellt und einfach angefangen, das Auto zu bauen. Nach einem Jahr oder so konnte mein Auto fahren, aber ich war noch gar nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Es war zu schwer, nicht sehr stark und die Reichweite war auch noch sehr begrenzt.

Ich habe dann angefangen, ein Team von Experten zu sammeln, um eigene Komponenten zu entwickeln. Ich war überzeugt, dass der Elektroantrieb viel, viel mehr hergeben kann als das, was auf dem Markt angeboten wird. (Zumindest für Einzelkunden. Große Unternehmen haben Zugang zu sehr viel besseren Technologien.)

Und die Folge war die Entwicklung des Concept_One?

Mate Rimac: Der alte BMW ist letztlich durch fünf Phasen der Entwicklung gegangen. Jedesmal haben wir fast alles geändert. Die Antriebselektronik, Motoren und Akku-Packs wurden jedes Mal durch kompaktere, leichtere und leistungsfähigere Entwicklungen ersetzt. Das Auto wurde mit jeder Version immer schneller, leichter und zuverlässiger. Wir haben bald erkannt, dass außer der Karosserie nicht mehr viel BMW in dem Auto übrig war – das war der letzte Auslöser für mich, ein eigenes Auto von Grund auf neu zu entwickeln.

Was unterscheidet das Concept_One von anderen Autos – und anderen Elektro-Autos? Wie funktioniert es?

Mate Rimac am Steuer des Rimac Concept_OneMate Rimac: Die Idee war, einen außergewöhnlichen Supersportwagen mit einem einzigartigen Antriebsstrang zu schaffen. Die Fähigkeit zur Kontrolle jedes einzelnen Rades für sich, hundert Mal pro Sekunde, in beide Richtungen – das ist ein enorm großer Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen Sportwagen.

Wir brauchen keine Gangwechsel oder Kupplungen, die Reaktionszeit beträgt nur Augenblicke. Die Batterien liegen im Boden, zusammen mit allen anderen schweren Antriebskomponenten, um einen niedrigen Schwerpunkt zu erreichen.

Das Concept_One wurde nicht entwickelt, um den besten Supersportwagen mit elektrischem Motor zu bauen. Es wurde entwickelt, um ganz einfach den besten Supersportwagen der Welt zu bauen. Das unabhängige Antriebssystem und die niedrig montierten Batterien sind ein wahr gewordener Traum für jeden Ingenieur, der die Fahrdynamik verbessern will.

Wir verwenden keine Plattform, wie sie ursprünglich für einen Verbrennungsmotor entwickelt wurde. Das ganze Auto ist rund um die Antriebs-und Akku-Komponenten herum gebaut. Dank des Allrad-Drehmoment-Ausrichtungssystems kann der Fahrer wählen, wie das Auto sich verhalten soll – er kann zwischen Übersteuerung, Untersteuerung oder einem neutralen Fahrverhalten wählen. Er kann das KERS (Kinetic Energy Recovery System) in beliebiger Intensität einstellen und eine ganze Reihe von anderen Fahrparametern nach Wunsch festlegen.

Neben dem High-Tech-Antrieb und den starken Akkus sind wir auch sehr stolz auf die High-End-Innenraum-Technologie. Das „Infotainment“ hält den Fahrer auf dem Laufenden über die verschiedenen Fahrzeugsysteme, das Head-up Display erlaubt ihm, sich trotzdem auf die Straße zu konzentrieren, es gibt belüftete und beheizte Sitze sowie die elektrisch verstellbare Lenksäule. All das sichert zusätzlich zur Leistung ein komfortables Fahrerlebnis.

Energieleben.at ist ein Magazin, bei dem Nachhaltigkeit und ein bewusster Umgang mit Ressourcen große Bedeutung haben. Daher sind wir besonders daran interessiert, warum Sie sich beim Concept_One für einen Elektro-Antrieb entschieden haben.

Wir haben uns nicht dafür entschieden, ein elektrisch angetriebenes Auto zu machen, weil wir die Welt retten wollen. Wir verwenden einen Elektroantrieb, weil wir denken, dass er sich viel besser für leistungsstarke Fahrzeuge eignet. Dass das Ganze umweltfreundlich ist, ist nur ein netter Nebeneffekt.

Wie sieht der nächste Schritt aus? Geht das Concept_One in die Serienproduktion? Sehen Sie Chancen, in Zukunft für einen breiteren Markt zu produzieren? Die Vorteile eines langlebigen Batterie-System wären sicherlich auch interessant für Mittelklasse-Autos.

Der Rimac Concept_One auf der IAA in FrankfurtMate Rimac: Ich bezweifle, dass wir jemals Autos in Masse produzieren werden. Wir bauen einen elektrischen Supersportwagen, der die Messlatte für andere Supersportwagen hebt – der Preis kann also für den durchschnittlichen Kunden nicht leistbar sein. Unser Ziel ist, das beste mögliche Auto zu bauen, mit den bestmöglichen Materialien und Bauteilen. Das erste in Serie produzierte Fahrzeug wird auf 88 Stück begrenzt sein, und wir werden nur 10-15 Autos pro Jahr bauen.

Wir glauben, dass Pagani und Koenigsegg unserem Geschäftsmodell (unter Berücksichtigung der Zielkunden und Produktion) am nächsten sind. Wir glauben auch, dass bei diesen beiden Herstellern die Hingabe an das Ziel, die schönsten Fahrzeuge zu bauen, nahezu Automobil-Kunst zu schaffen, ein sehr wichtiges Motiv ist. Wir integrieren das gleiche Maß an Qualität in unsere Autos, vom Beginn des Entwicklungsprozesses an.

Die Arbeit von Herrn Horacio Pagani und Christian Van Koenigsegg ist eine Inspiration für mich gewesen. Ich bewundere sie, verbunden mit der Hoffnung, meinen eigenen Traum zum Leben zu erwecken, genau so wie sie es taten.

Wenn die Produktion des Concept_One begonnen hat, werden wir ein neues Projekt vorstellen. Es wird in einer niedrigeren Preisklasse liegen, aber immer noch in der Liga eines Ferrari Italia. Vielleicht wird das nächste Modell danach eines für das breitere Publikum.

Der Grund, warum wir auf der High-End-Markt ausgerichtet sind, ist offensichtlich.
Um leistbare Autos zu produzieren, muss man eine große Menge produzieren. Um eine große Menge Autos zu bauen, benötigen Sie eine große Fabrik mit einer Menge von schweren Maschinen. Milliarden werden für so etwas benötigt. Der Beweis sind Tesla und Fisker sind der Beweis – beide haben schon weit über eine Milliarde Dollar investiert bisher.

Was ist Ihre persönliche Haltung zur Energie in der Zukunft? Was halten Sie von erneuerbaren Energien?

Mate Rimac: Ich bin ein großer Fan von erneuerbaren Energien. Wir planen derzeit eine neue Produktionsstätte, die mehr Energie erzeugt als sie verbraucht. Dadurch wird unser Auto in Zukunft von der Sonne und vom Wind angetrieben werden. Ich bin auch an Windparks, Biomassekraftwerken und ähnlichen Projekten in unserer Region beteiligt.

Ein sehr stark diskutiertes Thema ist Kernenergie. Wie stehen Sie dazu?

Mate Rimac mit dem Rimac Concept_One auf der IAA in FrankfurtMate Rimac: Ich halte die Kernenergie für die derzeit beste Energiequelle, die der Menschheit zur Verfügung steht. Erneuerbare Energie ist groß, aber sie ist aus finanzieller Sicht keine echte Option. Jedenfalls nicht ohne große staatliche Subventionen. Ich verstehe nicht, dass all diese Menschen gegen Atomkraft protestieren – ich kann mir höchstens vorstellen, dass sie einfach die Technik dahinter nicht verstehen.

Deutschland hat sich vorgenommen, Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen.

Mate Rimac: Wenn ein Atomkraftwerk abgeschaltet wird, muss eine weitere Anlage die verlorenen Kapazitäten decken. Glauben die Atomkraftgegner wirklich, dass 10 Windparks statt eines Atomkraftwerks gebaut werden?

Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Zukunft?

Mate Rimac: Ich möchte mein ganzes Leben lang elektrische Sport- und Super-Autos entwickeln. Eines meiner persönlichen Ziele ist es außerdem, so viele High-Tech-Arbeitsplätze wie möglich in Kroatien zu generieren.

energieleben.at: Vielen Dank für das Gespräch!

Video: Der Antrieb des Concept_One

Video: Kroatischer Filmbericht (engl. Version)

Rimac-Video: Das neue Konzept…

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