Georg Schober über den „Wiener Bücherschmaus“.

Bücher kann man viel öfter als nur ein einziges Mal lesen, deshalb sollten sie weitergegeben werden. Dieser Gedanke prägt den Verein „Wiener Bücherschmaus“, der seit drei Jahren in Mariahilf verschiedene Lese- und Buchprojekte betreut. Georg Schober ist der Initiator von Bücherschmaus. Im Interview spricht er übers Lesen, die Lust am Lesen und über Bücher, die zu neuen Lesern finden.

Was macht der Verein Bücherschmaus?

Büscherschmaus ist ein gemeinnütziger Verein mit der zentralen Aufgabe, Leseförderung zu betreiben. Unsere Hauptprojekte sind „Bücher auf Rädern“ und die Bücherverschenkregale – beide werden durch Bücherspenden gespeist. Um sich zu finanzieren, betreibt der Verein außerdem am Oskar-Werner-Platz eine Buchhandlung mit Antiquariat, in der regelmäßig Lesungen und Workshops stattfinden. Umgesetzt werden die Projekte mithilfe eines ehrenamtlichen Teams aus 14 Menschen.

Wie funktioniert „Bücher auf Rädern“?

„Bücher auf Rädern“ ist ein Trolley aus ungefähr 20 Medien, der individuell zusammengestellt über ein ganzes Schuljahr an eine Schulklasse oder an eine Kindergartengruppe verliehen wird. Der Grundgedanke ist, dass jedes Kind den Koffer für zwei bis drei Wochen mit nach Hause nimmt, in den Büchern schmökert und das eine oder andere Lieblingsbuch darunter findet. Im Idealfall ist die ganze Familie miteinbezogen. Dieses Schuljahr sind 27 Bücherkoffer im Umlauf.

Und die Bücherverschenkregale?

In die Bücherverschenkregale kommen gepflegte Bücher, die wir woanders schwer unterbringen oder die kleine Schäden aufweisen. Die Bücher sind zur freien Entnahme, sie stehen aber nicht wie die offenen Bücherschränke auf freier Straße. Derzeit gibt es vier Bücherverschenkregale in Mariahilf: Eines in der Volkshochschule, eines im Amtshaus, eines in einem Farbengeschäft in Gumpendorf und eines im Nachbarschaftszentrum.

Welche Rolle spielt für Sie der Nachhaltigkeitsgedanke?

Mir ist es ein großes Anliegen, dass Bücher möglichst gut und sinnvoll verwertet werden und nicht sinnlos in der zweiten Reihe im Bücherregal oder – noch schlimmer – in einem feuchten Keller vor sich hingammeln, sondern dass sie neue Interessenten finden.

Wie kam es zur Gründung des Vereins Bücherschmaus?

Die Idee habe ich vor mehreren Jahren via Internet aus Berlin übernommen, wo es den sehr groß aufgezogenen Berliner Büchertisch gibt. Vor drei Jahren haben wir begonnen, diese Idee für Wien umzusetzen. Bücherschmaus wird sehr gut angenommen. Das Interesse ist groß und was wir machen, wird sehr geschätzt.

Woher stammt der Name?

In meiner Kindheit gab es am Oskar-Werner-Platz eine Greißlerei, in die ich an der Hand meiner Mama gegangen bin. Irgendwann in den achtziger Jahren hat die Greißlerei geschlossen. Danach stand sie lange leer oder beherbergte schlecht laufende Läden. Dieses Lokal hat der Verein für die eigene Buchhandlung angemietet. Mit der Greißlerei schließt sich für mich der Name zum Bücherschmaus.

Wie kommen interessierte Schulen an den Bücherkoffer?

Ein Anruf genügt, oder noch besser: ein E-Mail. Der Bücherkoffer wird nach Möglichkeit persönlich übergeben – entweder direkt in der Schule oder bei uns in der Buchhandlung. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich fürs nächste Schuljahr weitere Klassen melden. Wir haben noch viel Potential und können verschiedene Genres und Altersstufen gut abdecken.

Was würde sich der Verein wünschen?

Uns ist besonders wichtig, Kinder und Jugendliche zu erreichen. Das wird mit jedem Jahr, das sie älter werden, schwieriger. Wenn man sieht, wie’s um die Lesefertigkeit, die ja eine Grundfertigkeit ist, bei gar nicht so wenigen Kindern und Jugendlichen bestellt ist, ist das eine recht zentrale Aufgabe. Doch es gibt zum Glück auch sehr viele Kinder und Jugendliche, die sehr gerne lesen. Über schöne Buchspenden freuen wir uns immer – damit steht und fällt unsere Arbeit. Und auch Buchkäufer sind uns sehr willkommen, denn sie sind die Grundlage dafür, dass wir unsere Fixkosten decken können.

Es gibt Menschen, die können Bücher nicht „weggeben“. Wie stehen Sie dazu?

Meine Frau und ich haben uns vor einem Jahr von zehn Bananenkartons voll Bücher getrennt. Darunter sind viele Bücher, die wir gelesen haben, aber auch solche, die wir nicht lesen werden. Es ist aber gar nicht immer so einfach, sich von Büchern zu trennen. Und man muss sich ja auch nicht von allen Büchern trennen.

 

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Quelle: Energieleben Redaktion
Foto: „Wiener Bücherschmaus“ – Verein für Leseförderung und Buchkultur

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