Dieser Artikel wurde am 18. September 2013 veröffentlicht und ist möglicherweise nicht mehr aktuell!Eine Forscherin am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht wies in allen Gewebeproben der von ihr untersuchten…
Dieser Artikel wurde am 18. September 2013 veröffentlicht
und ist möglicherweise nicht mehr aktuell!

Eine Forscherin am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht wies in allen Gewebeproben der von ihr untersuchten Aale sowohl neuartige Flammschutzmittel, als auch längst verbotene Substanzen nach – teilweise in hoher Konzentration.

Neue und alte Flammschutzmittel

Damit Teppiche, Vorhänge oder Sofabezüge nicht so schnell brennen, werden Textilien und Kunststoffe mit Flammschutzmitteln ausgerüstet. Diese sind meist gesundheitsschädlich und umweltbelastend. In der Umwelt bauen sie sich nur schwer ab, reichern sich im Fettgewebe von Tieren an und landen schließlich auf unseren Tellern.

2004 gab es das Stockholmer Übereinkommen zu persistenten organischen Schadstoffen (POPs), im Rahmen dessen einige Flammschutzmittel, wie z.B. polybromierte Diphenylether (PBDEs), begrenzt oder gänzlich verboten wurden. Allerdings werden in der Folge als Ersatz Mittel mit chemisch ähnlicher Struktur auf den Markt gebracht. Diese sind derzeit noch nicht reguliert.

Flammschutzmittel in Aalen nachgewiesen

Den Rückgang der Bestände des Europäischen Aals erklärt man sich durch die Veränderung der Lebensräume, Überfischung und unter anderem durch chemische Substanzen. Um die Faktoren genauer bestimmen zu können, werden im Programm Data Collection Framework der Europäischen Kommission Untersuchungen durchgeführt, um dem Rückgang entgegenwirken zu können.

Roxana Sühring ist eine der Forscherinnen. Für ihre Doktorarbeit untersucht sie den Einfluss von Flammschutzmitteln auf Aale. Sie untersuchte Gewebeproben von rund 90 verschiedenen Europäischen Aalen verschiedener Wachstumsphasen aus Rhein, Elbe und Vidå. In ausgewachsenen Tieren fand sie vor allem hohe Konzentrationen der verbotenen PBDEs. Neuartige Flammschutzmittel lagen in Jungaalen in höherer Konzentration vor. Sie wiesen aber auch noch die verbotenen Substanzen auf.

Noch keine offiziellen Grenzwerte

Besonders fiel während er Untersuchungen auf, dass mit dem chloriertem Flammschutzmittel Dec-602 eine Substanz nachgewiesen werden konnte, die nicht in Europa produziert oder nach Europa importiert wird. Da stellt sich die Frage, woher diese dann kommen. Bromierte Flammschutzmittel und chlorierte Dechlorane stellen auf jeden Fall eine Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Da jedoch noch nicht ausreichend viele Untersuchungsdaten vorliegen, gibt es für sie keine offiziellen Grenzwerte.

Es ist auch noch nicht klar, inwieweit Flammschutzmittel am Rückgang der Aale beteiligt sind. Es stehen demnach noch viele weitere Untersuchungen aus. Vielleicht sollte man derweil lieber auf den Genuss von Räucheraal, Aal in Dill etc. verzichten – zum Schutz der Bestände und nicht zuletzt zum eigenen Schutz.

Quelle:

http://www.hzg.de/public_relations/press_releases/038790/index_0038790.html.de?chunk=1

Bildnachweis: © Thorsten Freyer / Pixelio.de