Orte, wo natürliche Flächen wieder der Natur zurückgegeben werden, sind wichtig.

Beim Rewilding, oder auch Renaturieren genannt, geht es darum, größere Areale wieder der wilden Natur zu übergeben. Den Aufbau stabiler Ökosysteme zu begleiten und natürliche Kreisläufe zu schließen. Dadurch wird wieder Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten geschaffen, was wiederum zu einer weitreichenden Stabilisierung des globalen Ökosystems beiträgt.

Über die Wichtigkeit des Verwilderns habe ich bereits in Garten verwildern lassen oder pflegen, sowie in den Beiträgen Naturnahe Beweidung als Gewinn für Land und Tiere und Trockenrasen: Lebensraum für viele gefährdete Pfanzen geschrieben.

Wichtig in solchen Verwilderungsgebieten sind auch Elemente wie das Totholz, das diversen Lebewesen einen Lebensraum bietet. – Photocredit: pixabay.com/Jan-Mallander

Worum geht‘s im Detail?

Renaturierungs- bzw. Rewilding-Initiativen kümmern sich vor allem darum, Lebensräume zu schaffen um die Diversität der Tier- und Pflanzenwelt zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur darum, einen einzigen Ort zu stärken, sondern auf viele Gegenden verteilt wirksam zu sein.

Es geht darum, dass wir schrittweise der Landversiegelung und Abholzung entgegen wirken, und – ähnlich wie Nationalparks – Orte schaffen, wo wir als Menschen nicht oder nicht mehr zerstörend eingreifen.

Unterschied zu Nationalparks

Nationalparks sind Flächen, die meist seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten in ihrer Natürlichkeit so weit wie möglich erhalten wurden. Bei Renaturierungsprojekten geht es jedoch nicht nur um den Erhalt des jetzigen, sondern darum, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen und dabei aktiv mitzuhelfen.

Hügel um Hügel mit Wald bedeckt, ohne Hinweise auf Eingriffe des Menschen. So könnte eine der Wildnis zurückgegebene Landschaft aussehen. – Photocredit: pixabay.com/GregMontani

Warum ist Renaturierung wichtig?

Je weniger Lebensraum bestimmte Tiere haben, umso eher kommen sie uns näher. Dies ist nicht aus Aggressivität oder Boshaftigkeit der Tiere, sondern aus Verzweiflung. Jedes Lebewesen hat einen Überlebensdrang und wird alles daran setzen, nicht zu sterben.

Einige dieser Lebewesen haben jedoch keine Chance gegen die Eingriffe, die wir als Menschen auf ihren Lebensraum haben. Das bedeutet aber nicht, dass sie keine wesentliche Rolle im gesamten Ökosystem spielen, die uns möglicherweise erst später, manchmal sogar erst nach Jahren oder Jahrzehnten, erkennen – wenn es möglicherweise bereits zu spät ist.

In manchen Regionen Europas gibt es sogar noch Wildpferde. – Photocredit: pixabay.com/SoapWitch

Es gibt viele Argumente für den Erhalt der Diversität und der daraus resultierend steigenden Resilienz von Ökosystemen. Und da wir sie als Menschen im großen Rahmen zerstört haben, haben wir auch die stärkste Hebelwirkung, dies wieder umzukehren.

Herausforderungen

Es gibt bei diesen Initiativen natürlich regional sehr unterschiedliche Herausforderungen. Die größten davon sind jedoch, große Flächen an Land zu finden, deren Besitzer auch bereit sind, diese wieder anderen Lebewesen zu überlassen, ohne Profit daraus schlagen zu wollen. Speziell in Gegenden wie Europa, wo diese Flächen immer seltener werden.

Aktuelle Projekte

In Europa und auch weltweit gibt es bereits einige große und kleinere Initiativen, die sich diesem Thema angenommen haben. Das in Europa wohl größte Projekt hierbei ist Rewilding Europe. Weitere internationale sind etwa der Pleistocene Park in Russland, Rewilding Argentina und Rewild Africa, um nur ein paar wenige zu nennen.

Moorlandschaften sind nicht nur geniale CO2 Speicher. Sie sind auch sehr artenreiche Gebiete, die in keinem Verwilderungsgebiet fehlen dürfen. – Photocredit: pixabay.com/AnnaAnouk

Diese haben vor allem den Hauptaugenmerk, große Flächen allen anderen Lebewesen (außer uns) wieder zurückzugeben. Finanziert werden sie durch Förderungen, Spenden, aber auch Angebote wie etwa Safaris, wo Menschen diese wilden Gebiete besuchen können.

Einen etwas anderen Ansatz hat das neu entstehende Projekt Wildliving. Hier geht es vor allem auch darum, die Trennung zwischen „den anderen“ und „uns“ aufzulösen. Es soll erforscht werden, wie wir als Menschen auch wieder einen Platz in einem natürlich wilden Ökosystem einnehmen können, um dieses zu bereichern, anstatt zu zerstören.

Auch Wisente wieder stärker in Europa auszuwildern ist der Wunsch von einigen Initiativen. – Photocredit: pixabay.com/vulkahn-22

Fazit

Durch meine Ausbildungen zur Wildnispädagogin und Wildnistrainerin habe ich mich schon seit vielen Jahren mit diesem Thema des Verwilderns auseinander gesetzt. Nun freue mich, dass mein großer Traum, Land für wild lebende Lebewesen freizukaufen, auch von so einigen Menschen auf der ganzen Welt geträumt, schon umgesetzt wird und, dass ich nun auch Teil dieser Bewegung sein darf.

Quellen

Garten verwildern lassen oder pflegen?
Naturnahe Beweidung als Gewinn für Land und Tiere
Trockenrasen: Lebensraum für viele gefährdete Pflanzen
Rewilding Europe
Wildliving
Pleistocene Park
Rewilding Argentina
Rewild Africa