Fotocredits: Shutterstock/caifas
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Im ersten Teil unserer Serie „Schritt für Schritt zur Wärmepumpe“ haben wir Sie über die Wärmepumpe selbst, ihre Funktionsweise und verschiedene Anlagen-Typen informiert. Nun widmen wir uns der Frage: Welche Voraussetzungen sind für die ideale Umsetzung nötig und worauf müssen Sie achten?

Individuelle Bedingungen – individuelle Lösungen

Vor der Anschaffung einer Wärmepumpe stellt sich die Frage der Anlagengröße. Eine genaue Dimensionierung ist sehr wichtig: überdimensionierte Geräte verursachen hohe Anlagenkosten und arbeiten weniger effizient. Für eine hohe Effizienz sollte die Temperatur der Wärmequelle möglichst hoch und die Vorlauftemperatur des Heizsystems möglichst niedrig sein, d.h. je geringer die Temperaturdifferenz ist, umso besser. Ideale Voraussetzungen bieten daher Niedertemperatur-Heizsysteme wie Fußboden- oder Wandheizungen, die mit maximal 35 °C Vorlauftemperatur arbeiten.

Eigenheim auf dem Prüfstand

Als ersten Schritt nehmen Sie Ihr Eigenheim unter die Lupe. Die Energiekennzahl (EKZ) gibt Auskunft über den Energiebedarf eines Gebäudes. Sie liefert einen Richtwert in Kilowattstunden, der angibt, wie viel Heizenergie pro Jahr und Quadratmeter benötigt wird. Sehr gut geeignet für den Einbau einer Wärmepumpe sind Gebäude mit einer Energiekennzahl von weniger als 35 kWh pro m² und Jahr (also die Gebäudeklassen A++, A+, A und, eingeschränkt, B). Höhere, also schlechtere Werte bedeuten, dass Sie vor dem Einbau einer Wärmepumpe den Wärmebedarf des Gebäudes senken sollten, beispielsweise indem Sie das Gebäude mit einer Dämmung versehen.

Für das Warmwasser ist einerseits die Anzahl der Personen im Haushalt, andererseits der individuelle Warmwasserbedarf Basis für die Dimensionierung. Ob die Heizungswärmepumpe oder eine eigene Warmwasserwärmepumpe eingesetzt wird, ist vom Gesamtkonzept abhängig.

Alles eine Frage des Anlagentyps

Welche Leistungszahl (COP) hat Ihre Wärmepumpe und welche Jahresarbeitszahl (JAZ) kann sie dadurch erreichen? Welche ist die am besten geeignete Wärmequelle? Und: mit welcher Entzugsleistung dürfen Sie rechnen?

Graben oder Bohren

Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen ist darauf zu achten, dass die erforderliche Leistung auch bei -15° C und darunter erreicht wird. Erst wenn die Jahresarbeitszahl JAZ mindestens einen Wert von 4 erreicht, kann die Luft-Wasser-Wärmepumpe empfohlen werden. Die Leistungszahlen (COP), die im Labor unter definierten Prüfbedingungen ermittelt werden, sollten speziell bei niedrigen Lufttemperaturen möglichst hoch sein.

Wenn Sie sich für eine Erdreich-Wasser-Wärmepumpe entscheiden, ist zunächst zu prüfen, welche Wärmeentzugsfläche zur Verfügung steht. Erweisen sich Erdkollektoren als die bessere Lösung oder doch eine platzsparende Tiefenbohrung?
Flächenkollektoren benötigen eine Fläche von 30 – 40 m² pro Kilowatt (kW) Heizlast. Bei einer Tiefenbohrung kann mit 15 – 25 m Bohrtiefe pro kW Heizlast gerechnet werden. Kommen sogenannte Tornadosonden (das sind spiralförmige Wärmetauscher, die ins Erdreich versenkt werden) zum Einsatz, dann benötigt man pro kW Heizlast ein bis zwei Tornadosonden.
Nicht zuletzt spielt bei der Errichtung einer Erdreich-Wasser-Wärmepumpe auch die Bodenqualität eine wichtige Rolle. Trockener, steiniger Boden ist weniger gut geeignet als feuchte, lehmige Erde. Aufschluss darüber gibt ein geologisches Gutachten.

Bei einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe ist ein Durchsatz von 200 Litern Grundwasser pro Stunde und pro kW Heizlast notwendig.

Schallschutz und Grundwasser

Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen gilt es den Schallschutz zu beachten, da in der Außeneinheit der Ventilator zum Ansaugen der Luft sitzt.

Wenn Sie sich für eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe entscheiden, benötigen Sie vorab eine Analyse des Grundwasserstandes und der Wasserqualität sowie eine wasserrechtliche Bewilligung.

Beratung und Hilfe im Wien Energie-Haus

Individuelle Beratung und Informationen zur eigenen Wärmepumpe finden Sie im Wien Energie-Haus an der Mariahilfer Straße.

Kontakt:
Wien Energie-Welt Spittelau
Spittelauer Lände 45

1090 Wien

Tel.: 0800 500 770

E-Mail: energieberatung@wienenergie.at

Vereinte Sonnenkraft?

Wärmepumpen machen ebenso wie Solaranlagen Energie der Sonne nutzbar. Doch ist eine Kombination aus unterschiedlichen Energieerzeugern sinnvoll?

Am besten lässt sich eine Wärmepumpe mit einer Photovoltaik-Anlage zur solaren Stromerzeugung kombinieren, da der erzeugte Strom unmittelbar für den Einsatz in der Wärmepumpe verwendet werden kann und dadurch weniger Strom ins Netz rückgespeist werden muss. Die Wirtschaftlichkeit einer thermischen Solaranlage ist grundsätzlich auf Grund der Einsparung nicht optimal, da die Wärmepumpe im Idealfall sehr niedrige Betriebskosten hat. Durch das Abschalten der Wärmepumpe im Sommer verlängert sich aber deren Lebensdauer, was die Wirtschaftlichkeit wesentlich verbessert. Zudem ist die Kombination der Wärmepumpe mit einer PV-Anlage oder thermischen Solaranlage ohnehin oftmals Voraussetzung für die Gewährung von Förderungen.

Hier geht’s zum 3. Teil der Serie, in dem sich alles um die Planung, anfallende Kosten und Förderungen dreht.

Lesen Sie in Teil 1 der Serie alles Wissenswerte über Wärmepumpen und über unterschiedliche Anlagen-Typen.

In unserem Glossar finden Sie kurze Erklärungen zu vielen Fachbegriffen rund um Wärmepumpen und Photovoltaik!

Übrigens: Genaueres über Photovoltaik- und thermische Solaranlagen und wie Sie dazu kommen, erfahren Sie auch auf energieleben.at.

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