Was aussieht wie eine postapokalyptische Szene aus einem Aschenputtel-Albtraum, ist leider echt.

Es sollte eine luxuriöse Wohnsiedlung für wohlhabende Touristen aus der Golfregion werden: 732 Schlösser im französischen Stil, zudem ein Einkaufszentrum, türkische Bäder, Kinos und Sportanlagen. Übrig geblieben ist ein Gebiet voller halbfertiger und verlassener Schlösser im Norden der Türkei.

Türkische Unternehmer sammelten Investitionen, um das Dorf namens „Burj al Babas“ zu bauen. Käufer wurden mit Luxus angelockt. Jede Villa sollte einen Whirlpool mit natürlichen heißen Quellen auf jeder Ebene haben. Die Broschüre ließ es so aussehen, als würden die Häuser weit getrennt voneinander stehen, und nicht zusammengepfercht auf engem Raum. Investoren zogen sich aus dem Projekt zurück und die Firma ging Bankrott. Seit November 2018 herrscht Baustopp und „Burj Al Babas“ ist verlassen. Stattdessen steht eine Nachbarschaft von leeren, halbfertigen Disney-Schlössern.

„Burj Al Babas“ ist im Jahr 2014 gestartet. Jedes Schlösschen wurde im exakt gleichen romantischen Stil gebaut, auf den auch Disney oft zurückgreift. Zwischen 400.000 und 500.000 Euro kostete eines der Gebäude. Mehr als 700 Schlösser waren geplant, bei 587 war der Bau abgeschlossen oder stark fortgeschritten – in einer Gegend, die bekannt für ihre Natur ist.

Ebenso verlassen, dafür aber nicht weniger kurios, ist die Stadt Huairou in China. Etwa 35 Meilen von Peking entfernt, gelegen in einem ausgewiesenen Grüngürtelviertel, wurde eine alpines Dorf nachgebaut, oder besser gesagt, die Architekten haben sich in den Bergen Europas inspirieren lassen. Die Hauptstraße sieht aus, als ob sie auf der Buntstiftzeichnung eines Kindes basiert. Die Häuser sind rosa, blau und orange. Vor dem deutschen Restaurant der Stadt befindet sich eine Statue des britischen Premierministers Winston Churchill. Die Kellnerinnen sind wie ihre Kolleginnen in Deutschland gekleidet.

Die Bewohner sind allerdings sehr still, tatsächlich sind die meisten nicht einmal real. Stattdessen bietet die Stadt Sehenswürdigkeiten wie ein Paar versteinerte Tauben, gelbe Telefonzellen und eine Statue eines Seehundes, der von einer Brücke aus blickt. Die Stadt existiert seit etwa fünf Jahren, aber ihr fehlt etwas Grundlegendes: Bewohner. Schätzungsweise 80 Prozent der Hausbesitzer der Stadt leben in Peking, und die allgemeine Auslastung in Spring Legend liegt nur bei etwa 60 bis 70 Prozent.


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Bild: Quick PS on Unsplash