Durch die Verbrennung von Kohle werden 40 Prozent des weltweiten Strombedarfs gedeckt – und der Anteil steigt. Kann die Umweltschädlichkeit von Kohle minimiert werden? In China wird genau daran gearbeitet.

„Clean Coal“ wird die Technologie genannt, die China vorantreibt. Unter der Marke werden die Bemühungen versammelt, Kohlekraftwerke mit einem geringeren Schadstoffausstoß zu bauen. Von einem zentralen Joint Venture namens „GreenGen“ koordiniert, ist als erster Schritt die Errichtung eines Kraftwerks in der so genannten „Integrated Gasification Combined Cycle-Technik“ (IGCC) geplant. Das theoretische Prinzip ist einfach: Zusätzlich zur gängigen Praxis des Ausscheuerns von Asche und Ruß wird das anfallende CO2 isoliert und in unterirdische Lagerstätten gepumpt. CCS wird der Prozess der Abscheidung und Speicherung von CO2 genannt.

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Dauerbrenner Kohle

Man darf ja nicht vergessen: Kohle ist weiterhin als Energiequelle gefragt. Die Internationale Energieagentur (IEA) prophezeit, dass Kohle bis zum Ende des Jahrzehnts Erdöl als wichtigsten Energieträger der Menschheit ablösen wird. Kohle stillt an die 30 Prozent des globalen Energiebedarfs, so viel wie seit 1970 nicht mehr. Bei der Stromproduktion sind es gar 40 Prozent, stellte die IEA in ihrem Bericht 2013 fest.

Comeback der Kohle? Sie war nie weg!

Bis zu drei Viertel von Chinas Strombedarf werden durch Kohle gedeckt, die großen Elektrotechnik-Fabriken, wo Smartphones und Tablets produziert werden, miteingeschlossen. Noch mehr Kohle wird bei der Heizung von Wohnungen, der Stahlschmelze (China produziert rund die Hälfte des Stahls auf der Welt) und der Herstellung von Zement (50 Prozent des Zements auf der Welt kommt aus China) verbraucht. China verbraucht beinahe so viel Kohle wie der Rest der Welt und die Schätzungen der IEA gehen davon aus, dass das Land bis zum Jahr 2040 die Zahl der Kohlekraftwerke verdoppeln wird. Aber auch Europa trägt seinen Teil zur Umweltverschmutzung durch Kohle bei: Rund 90 Prozent des polnischen Stroms werden aus Kohle erzeugt und in Deutschland findet ein Comeback der Kohle statt, 15 Kohlekraftwerke sind dort derzeit im Bau.

Angesichts der Zahlen und Fakten klingt die Vorstellung von sauberer Kohle gar nicht so übel. In den USA wurden bereits Versuche mit der ICGG angestellt, die Technologie stockt allerdings mittlerweile. Im Februar hat das US-Energieministerium ein Demonstrationsprojekt namens „FutureGen“ beendet. Die Chinesen ignorierten IGCC bis vor kurzem noch, weil konventionelle Kohlekraftwerke kostengünstiger zu bauen und zu nutzen sind. Subventionen seitens der Regierung, engere Umweltstandards und die zunehmende Angst um das Image bei den großen chinesischen Energieversorgern führten zu einem Umdenken. Eine 250-Megawatt-IGCC-Anlage in Tianjin soll bis 2012 in Betrieb gegangen sein, eine 400MW-Anlage soll 2015 fertig werden und 2018 soll die CO2-Injektion beginnen.

Aber bleibt das Gas auch unten? Die Strukturen im Boden müssen so beschaffen sein, dass das CO2 nicht wieder in die Umwelt gelangen kann und zu Gesundheitsschäden führt. Wenn sein Anteil in der Luft acht Prozent und mehr erreicht, wirkt es tödlich. Normalerweise liegt die Konzentration bei weniger als 0,04 Prozent. Auch wenn das Gas unter der Erde bleibt, ist CCS wirklich unsere beste Option?

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