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Terra Preta – Gärtnern ohne Dünger

Ertragreiche Ernten mit Pflanzenkohle.

Terra Preta

Terra Preta im Garten bedeutet hohe Erträge im Gemüsebeet, üppig blühende Blumenkästen auf dem Balkon und viel besser gedeihende Zimmerpflanzen. Mit der „Wundererde“ spart man Dünger und muss viel seltener gießen. Ein schöner Nebeneffekt ist außerdem, dass sie auch noch zum Klimaschutz beiträgt, indem sie dauerhaft CO2 im Boden bindet. Wie die Forschung zeigt, könnte sie im großen Stil eingesetzt sogar die Landwirtschaft revolutionieren und das Problem der zunehmenden Bodenauslaugung lösen. Worin das Geheimnis der Terra Preta besteht und woher man sie beziehen kann, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Terra Preta – die schwarze Erde aus Amazonien

Terra Preta ist Portugiesisch und heißt übersetzt „schwarze Erde“. Lange gab sie den Forschern ein Rätsel auf, denn sie hielt ihr Geheimnis über Jahrhunderte tief im Amazonasgebiet verborgen. Aufzeichnungen spanischer Eroberer aus dem 16. Jahrhundert hatte man als pure Erfindung abgetan, denn darin war von riesigen Siedlungen entlang des Amazonas die Rede, und man fragte sich zu Recht, wie der karge, nährstoffarme Regenwaldboden so viele Menschen hätte ernähren können.

Forschungsarbeiten in den 1980ern brachten das Geheimnis schließlich zu Tage: Dort, wo einst die alten Siedlungsgebiete gelegen waren, fand man Böden mit schwarzer, extrem fruchtbarer Erde – oft mehr als 1 m tief und sich immer wieder selbst erneuernd. Bald stellte sich heraus, dass diese Böden nicht natürlich vorkamen, sondern durch die jahrhundertelange Bewirtschaftung der Indios entstanden waren. Diese hatten ein Gemisch aus Pflanzenresten, Dung, menschlichen Fäkalien und der Kohle aus ihren Herdstellen in großen Tontöpfen vergraben, in denen die Mischung zuerst fermentierte und dann zu schwarzer Erde wurde – die Terra Preta entstand.

Pflanzenkohle – das gewisse Etwas der Terra Preta

Wichtigster Bestandteil der Terra Preta ist Pflanzenkohle: Sie speichert organische Nährstoffe und verhindert die Auswaschung des Bodens durch den Regen. In den Poren der Pflanzenkohle siedeln sich außerdem Milliarden Mikroorganismen an, die zusammen mit den Bodenbewohnern – vom Regenwurm bis zur Assel – die abgestorbenen Pflanzenteile im Boden in Humus umwandeln. Die Pflanzenkohle der Terra Preta erhöht zudem das Wasserspeichervermögen des Bodens und sorgt für eine bessere Durchlüftung und bindet CO2 dauerhaft im Boden.

Terra Preta macht Dünger überflüssig

© Terra Tirol

Durch die Struktur der Terra Preta werden verdichtete Böden gelockert und sandige Böden erhalten mehr Substanz. Die Pflanzenkohle bindet Schadstoffe im Boden und macht sie unwirksam. Somit verringert sie die Anfälligkeit für Schädlinge und beugt Pflanzenkrankheiten vor. Synthetische Dünger werden überflüssig, übersäuerte Böden kommen auf natürliche Weise wieder ins Gleichgewicht und durch das erhöhte Wasserspeichervermögen muss man weniger wässern.

Terra Preta ist nachhaltig, denn die Pflanzenkohle verbraucht sich nicht. Einmal in den Boden eingebracht, bleibt sie dauerhaft erhalten. Wie ein Katalysator sorgt sie dafür, dass organische Substanzen nicht zu kleinen Molekülen zerfallen, sondern stabile Makromoleküle gebildet werden, die sich zu Dauerhumus zusammenschließen – die Ursache für fruchtbare Böden.

Pflanzenkohle zuerst mit Nährstoffen aufladen

Wer jetzt denkt: „Super, ich hab doch noch ein bisschen Grillkohle im Keller, die schmeiß ich gleich aufs Blumenbeet“, sollte an dieser Stelle weiterlesen. Denn zum einen enthält Grillkohle häufig Schadstoffe, die in hochwertiger Pflanzenkohle für Terra Preta fast nicht vorkommen. Zum anderen muss man die Pflanzenkohle vor dem Ausbringen mit Nährstoffen aufladen, entweder im Kompost oder im Haus mit der Bokashi-Methode (im luftdichten Behälter fermentiertes organisches Material, dem effektive Mikroorganismen beigegeben werden). Anleitungen dazu findet man im Internet, beispielsweise auf der Website von Terra Anima. Würde man die Pflanzenkohle pur auf die Beete streuen, würde sie dem Boden die Nährstoffe entziehen.

Terra Preta selber herstellen oder kaufen

Manche möchten selbst die Pflanzenkohle auch selbst herstellen. Damit sollte man sich allerdings gut auskennen, denn das Pyrolyse-Verfahren ist nicht ganz einfach: Wird das organische material nicht bei mindestens 400 bis 800 Grad Celsius verkohlt, entstehen giftige PAK (= polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), die den Boden und die Pflanzen schädigen.

Einige wenige Anbieter verkaufen bereits gebrauchsfertiges Terra Preta-Substrat und/oder die dafür geeignete Pflanzenkohle zum Aufladen im Kompost bzw. im Bokashi-Eimer. Dabei sollte man jedoch auf das European Biochar Certificate (EBC) achten, das die Schadstoffarmut der Kohle garantiert.

Terra Tirol – Terra Preta mit Auszeichnung

© Terra Tirol

Ein (Online-)Anbieter ist beispielsweise der Familienbetrieb Terra Tirol mit Sitz in Schwendt. 2016 wurde er für seine Arbeit und seine Bemühungen um die nachhaltige Anwendung von Terra Preta mit dem Tiroler Regionalitätspreis ausgezeichnet. Hier erhält man mit der Tiroler Schwarzerde selbst hergestellte Terra Preta mit EBC-Zertifikat. Sie eignet sich für Zier- und Gemüsepflanzen, für Bäume, Sträucher, für den Kübel oder den Balkonkasten. (Ausnahmen bilden Pflanzen, die ein saures Milieu brauchen, wie Orchideen, Heidelbeere oder Rhododendron.)

Bei Terra Tirol erhält man u.a. auch die reine Pflanzenkohle mit EBC-zertifikat und sämtliches Zubehör für Bokashi. Wer sich weitergehend mit dem Thema Terra Preta auseinandersetzen und wissen möchte, wie man sie am besten einsetzt, kann außerdem die Praxisseminare von Terra Tirol besuchen. Aktuelle Termine ab März 2017, findet man auf der Website.
 
Weitere Anbieter für Pflanzenkohle sind etwa Terra Anima oder die Köhlerei Hochecker.

Wer außerdem wissen möchte, welches Potential die fruchtbare Schwarzerde für die Landwirtschaft bereithält, kann sich folgende Filmbeiträge anschauen:

Hans Peter Schmidt Pflanzenkohle für eine biobasierte Wirtschaft

TV Beitrag „Wundererde für das Wendland“

Quellen:
Ann-Kathrin Marr: Schwarze Wundererde? Was Pflanzenkohle im Garten tatsächlich leisten kann. www.nabu.de. https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/gartentipps/20401.html (zuletzt aufgerufen: 01.02.2017).
Dieter Engelmann: Amazonien – Terra Preta. www.planet-wissen.de, 08.09.2015. http://www.planet-wissen.de/kultur/suedamerika/amazonien/pwieterrapreta100.html (zuletzt aufgerufen: 01.02.2017).
Terra Tirol
Terra Anima
Bilder: © Terra Tirol

Martina Liel ist Germanistin (M.A.) und arbeitet seit 2009 als freie Texterin und Autorin mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Healthcare. Seit 2013 bloggt sie über ein Leben mit Endometriose, einer chronischen Erkrankung, bei der ein nachhaltiger und gesunder Lebensstil eine wesentliche Rolle spielt. Ihr Buch „Nicht ohne meine Wärmflasche – Leben mit Endometriose“ erscheint im März 2017.

Martina Liel, 15.03.2017
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