Susanne Frühmann strickt für beanie.at ausschließlich mit Alpaka-Wolle. -Fotocredit: Markus Frühmann/lefti.at
Susanne Frühmann strickt für beanie.at ausschließlich mit Alpaka-Wolle. -Fotocredit: Markus Frühmann/lefti.at
Mit fair gehandelter Baby-Alpakawolle erstrickt sich Susi die Welt und unterstützt dabei ein Frauenprojekt in Peru.

Eigentlich hat alles ganz klein begonnen. Neben ihrer Diplomarbeit wollte Susi etwas Sichtbares schaffen, etwas, das man auch wirklich gleich sehen und angreifen kann. Das Stricken kam dabei wie gerufen. Dass daraus später ein richtiges Business werden würde, konnte die angehende Lehrerin damals nicht ahnen.

Doch es dauerte nicht lange, bis immer mehr Bestellungen eingingen. Bald schon wurden auch ihre Mama, Oma und Tante engagiert und waren mit von der Strickpartie. 5 Jahre lang strickte die Familie unter dem Jahr fleißig und verkaufte die Ware auf dem Weihnachtsmarkt.

Eine Reise nach Peru verändert alles

Irgendwann wurde es der Jung-Lehrerin zu viel. Die Nachfrage war so groß, dass Susi es einfach nicht mehr „da-strickt“ hat, sagt sie. „Ich wusste, jetzt muss ich entweder aufhören, weil es so nicht weitergeht. Aber aufhören wollte ich nicht, weil zu viel Herzblut drinnen steckt. Oder ich muss das Ganze auf andere Beine stellen“, verrät mir die Oberösterreicherin im Interview auf der WearFair +mehr.

„Da ich verliebt in Alpaka-Wolle bin, wollte ich wissen woher meine Wolle kommt. Ich wollte direkt zu dem Bauern, von dem ich sie beziehe und sehen, wie er das macht und wie die Tiere dort leben“. Kurzer Hand beschloss Susi deshalb, nach Peru zu reisen.

Susanne Frühmann wollte wissen, woher die Wolle kommt, mit der sie ihre Kollektionen strickt. -Fotocredit: Markus Frühmann/lefti.at
Susanne Frühmann wollte wissen, woher die Wolle kommt, mit der sie ihre Kollektionen strickt. -Fotocredit: Markus Frühmann/lefti.at

Übrigens musst du nicht extra nach Peru reisen, um Alpakas zu sehen. Im Alpaka-Zuchtbetrieb im Waldviertel kannst du die flauschigen Vierbeiner hautnah erleben. Mehr dazu hier.

Durch Stricken die Welt retten

In der kleinen Stadt Ayacucho in den Anden auf 3.500 Meter Höhe lernte Susi nicht nur die Bauern kennen, bei denen sie ihre geliebte Babyalpaka-Wolle, auch das Vlies der Götter genannt, kauft, sondern auch die Hilfsorganisation SOLID International.

Die belgische NGO versucht Frauen, mit nachhaltigen Joint Ventures in den Arbeitsmarkt einzugliedern und ermöglicht dazu auch Kinderbetreuung vor Ort. Frauen werden hier zum Beispiel fürs das Stricken bezahlt und können dadurch ihre Familien ernähren.

Dieses Projekt wollte auch Susi unterstützen, gab ihre Handarbeit ab und lässt für Beanie.at >>> fairknits nun fair und sozial in Ayacucho produzieren. Gemeinsam mit drei anderen Firmen schafft sie über das ganze Jahr 150 Arbeitsplätze.

Über 30 Stunden strickt eine Arbeiterin etwa an einem von Susis Schals – also fast eine Woche Arbeitszeit.

Von der Oma aus Oberösterreich zu den Mamas nach Peru

„Ich weiß einfach aus eigener Erfahrung, wie viel Stunden Arbeit das sind. Meine Oma hat mir Stricken beigebracht und sie war es auch, die mich von Anfang an bei dem Peru-Projekt unterstützt hat. Wir haben damals gemeinsam acht oder neun Prototypen gestrickt. Ich habe sie in die Schule mitgenommen und meine 5. Klasse durfte aussuchen, weiche drei Modelle ich in Peru produzieren lasse. Alle drei waren von der Oma.“

Oma Christine Kienesberger. -Fotocredit: Susanne Frühmann
Oma Christine Kienesberger. -Fotocredit: Susanne Frühmann

„Wieso ausgerechnet Peru? Wieso nicht irgendwo in Europa?“, frage ich Susi neugierig als wir auf den Stiegen der Tabakfabrik sitzen. Susi gönnt sich gerade eine kurze Auszeit vom Trubel auf der WearFair +mehr, Österreichs größter Messe für FairFashion, nachhaltigen Lifestyle und gesunde Ernährung.

Handarbeit ist in Peru extrem verankert, die Qualität ist unschlagbar hoch, da kommen wir in Österreich nicht mit, erklärt mir Susi. „Mittlerweile reichen 5 Hauben nicht mehr. Ich brauche eine viel größere Menge und die müssen dann halt auch wirklich alle gleich ausschauen. Außerdem gibt es in Peru keine Sozialleistungen, wie wir sie haben.“

Aber SOLID International versuche dort einen europäischen Standard herzustellen. Susi erzählt: „Ich schaffe es, nicht nur etwas Faires aus der Region, sondern auch in der Region entstehen zu lassen und das finde ich schön. Mittlerweile kenne ich viele von den Mamas, die für mich stricken. Ich habe eine Verbindung zu ihnen. Jedes Mal, wenn ich in Peru bin, esse ich mit oder übernachte bei ihnen.“

Sie weiß also genau, wer ihre Hauben, Stirnbänder, Schals und Cardigans gestrickt hat – und bei wem das Geld ankommt. Und auch die Konsumenten und Konsumentinnen will sie ermutigen, noch kritischer nachzufragen. „Im Lebensmittelbereich schaut jeder, aber beim Gewand ist es noch nicht ganz durchgedrungen, dass es auch FairFashion gibt“, sagt Susi. „Ein bisschen bewusster könnte man da schon sein.“

 

 

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