In Österreich wird über die Kosten des Umstiegs auf erneuerbare Energiequellen diskutiert, seit E-Control Chef Walter Boltz behauptete, die Energiewende werde „die Energiekosten um ein Viertel erhöhen“. Doch erstens führt an der Energiewende kein Weg vorbei, zweitens birgt sie, kreativ gemacht, ungeahntes Potenzial. Sogar im Sitzen. Das zeigt der Tisch „Unplugged“ von Eddi Törnberg.

Die Infrastruktur für den Einsatz von Wind- und Sonnenergie zu schaffen kostet Geld, keine Frage. Da hat Walter Boltz nicht unrecht. Allerdings hat er auch einiges offen gelassen. Etwa, dass auch die laufende Wartung bestehender Anlagen ihren Preis hat – und wer eine Tankstelle ansteuert, stellt rasch fest, dass neben den ökologischen auch die monetären Kosten für fossile Energieträger ein wachsender Faktor sind.

Was kostet Energie?

Josef Plank, Präsident des EEÖ (Verband Erneuerbare Energie Österreich), entgegnete denn auch zur Kostenwarnung von Walter Boltz:

„Natürlich wird uns die Energiewende etwas kosten. Aber noch viel mehr kostet uns die Fortführung eines Energiesystems, das noch immer zu 80% auf fossile Energieträger baut. Energieträger, die uns aufgrund von Bevölkerungswachstum und Energieverknappung künftig nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Alleine in den letzten drei Jahren sind die Kosten für Energie von 9 Mrd. Euro auf 15 Mrd. Euro pro Jahr gestiegen.
Um in Zukunft noch eine lebenswerte Umwelt zu haben, sind jetzt Investitionen nötig, denn eine weitere Verschwendung von Ressourcen, das hemmungslose Freisetzen von Treibhausgasen etc. würde nur bedeuten, dass wir früher oder später noch viel tiefer in die Tasche greifen müssten!“

Mit anderen Worten: Das Ziel der Unabhängigkeit von „alter Energie“ ist ein Muss. Alternativen zu Erdöl und Kohle müssen sein, ob in Form von Bürgersolarkraftwerken, Windenergie oder eigenen PV-Anlagen.

Energiemöbel

Aus Schweden kommt aber jetzt eine findige Idee: die Energie des Menschen anzuzuapfen. Dass wir beim Rennen und Radeln Energie abgeben, ist bekannt. Doch die meiste Zeit des Tages bewegen sich die Menschen in der „Ersten Welt“ sehr wenig. Sie Sitzen. Trotzdem lässt sich der menschliche Körper als Energiequelle nutzen, denn auch im Sitzen strahlen wir Wärme ab und wirken durch unser Körpergewicht auf den Untergrund.
Das ist Energie, die im Laufe eines Bürotages verlorenzugehen droht. Jetzt nicht mehr: der schwedische Designer Eddi Törnberg hat einen Schreibtisch namens „Unplugged“ gestaltet, der die Energie des sitzenden Menschen nutzt, statt sie verpuffen zu lassen.

Inspiriert hat Törnberg nach eigenen Angaben ein Zitat der US-Autorin Harriet Beecher Stowe, wonach die menschliche Natur vor allem von einem geprägt sei: von Faulheit. Faulheit, überlegte Törnberg jedoch, muss ja nicht bedeuten, dass dabei nichts passiert.

Gewicht und Wärme

Eddi Törnberg: „Die Energie wird durch den Druck des Körpergewichts auf dem Teppich, durch die Körperwärme des Sitzenden auf dem Stuhl, durch die natürliche Photosynthese bei den Pflanzen und durch die Hitze der Elektronik auf dem Schreibtisch erzeugt. Die Idee dabei ist, nachhaltiges Design aus dem Bereich, in dem man sich dafür anstrengen muss, herauszuholen, und es direkt in unseren Alltag zu integrieren.“

Der Sessel arbeitet mit dem so genannten Seebeck-Effekt, mit dem aus Temperaturunterschieden zwischen der erwärmten Sitzfläche und einer kalten Metallplatte darunter Energie erzeugt wird.

Heimische Energie

Ob der Output des Törnberg-Tisches wesentlich zum Energiehaushalt einer Wohnung oder eines Büros beitragen kann, wäre noch zu klären. Auf jeden Fall ist das Möbel ein gutes Mittel, um Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir ständig von Energie umgeben sind. Wir müssen und können sie nicht für immer aus der ganzen Welt importieren.

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