Markta ist ein digitaler Bauernmarkt bei dem man sich regionale Lebensmittel nach Hause liefern lassen und mit den ProduzentInnen in Kontakt treten kann.

Der wöchentliche Supermarkt-Einkauf gehört quasi schon zu unseren gesellschaftlichen Ritualen der Selbstversorgung. Praktisch ist er ja, dieser tolle Markt; In der unmittelbaren Umgebung gibt es eigentlich immer einen und der hat alles von der Ananas bis zu Zart-Bitter Schokolade. Viele der Produkte, die dort verkauft werden kommen aber leider weder aus Österreich, noch werden die ProduzentInnen dafür fair entlohnt. Mit einem nachhaltigen Konsumverhalten hat das leider nichts mehr zu tun. Seit März gibt es eine Alternative für all jene, denen es nicht wurscht ist, woher ihre Nahrungsmittel kommen. Theresa Imre und Anna Steirer, die Gründerinnen von markta haben eine Onlinemarktplatz erschaffen, bei dem man sich nicht nur Lebensmittel aus der Region praktisch nach Hause liefern lassen kann, sondern auch mit den ProduzentInnen direkt in Kontakt treten kann.

Da ich neue Initiativen, die sich um nachhaltigen Lebensmittelkonsum drehen toll finde, habe ich mich letzte Woche zu markta vor Ort in der Nordbahnhalle im zweiten Bezirk begeben. Quasi um den digitalen Bauernmarkt auch offline kennen zu lernen. Einmal im Monat findet dort, aber auch zwei Mal im Monat in der Ottakringer Brauerei, ein kleiner Bauernmarkt statt, wo man Bestelltes abholen oder neue ProduzentInnen kennen lernen kann.

Die Nordbahnhalle lud trotz des schlechten Wetters mit Lichterketten und freundlicher Dekoration zum Verweilen, Tratschen und Schmöckern ein. Nach dem ich mich durch Tee, Kaffee und Senf gekostet habe, traf ich mich mit Theresa Imre, der „treibenden Kraft hinter markta“, die mir gerne einige Fragen beantwortete.

Was ist eigentlich markta?

markta ist ein neugedachtes Netzwerk für unsere Lebensmittel. Es ist auf der einen Seite eine Online-Plattform, wo man direkt bei den einzelnen ProduzentInnen bestellen kann. Auf der anderen Seite wird es aber viel mehr. Zum Beispiel wie hier vor Ort. Das Ziel ist es zu schauen, wie man Leute und NahversorgerInnen wieder zusammen bringen kann und wie man eine Alternative zum Supermarkt erschaffen kann.

Was für Vorteile hat man wenn man über markta bestellt, im Gegensatz zum Einkauf bei einem herkömmlichen Supermarkt?

Mehr Vielfalt, ganz klar. Man unterstützt hier ganz aktiv eine regionale Wertschöpfungskette und die Menschen in der Produktion. Aktuell bekommt der Produzent oder die Produzentin im Durchschnitt 22% vom Endpreis im Supermarkt. Wir drehen diese Regelung um: wir bekommen 17% und der Rest geht an die ProduzentInnen. Das ist der eine Aspekt, bei dem man weiß wen man mit dem Einkauf unterstützt. Der andere Aspekt betrifft klar die hochwertigen Produkte. Weg von industrieller Herstellung mit Zusatzstoffen und Konservierungsmittel; mit 1000 Zutaten im Brot, statt drei notwendigen. Es geht um einen neuen Zugang zu Lebensmittel.

Kann eine Plattform wie markta eine nachhaltige Alternative für Supermarkt-Ketten sein?

Ja, ich glaube da ist ein riesen Potenzial in der Digitalisierung. Da können sich Netzwerke aus der Gesellschaft ergeben. Wir sehen markta auch nicht als ein vorgefertigtes Konstrukt und nur so soll es funktionieren, sondern es ist etwas das wachsen muss. Es wächst mit den Menschen, mit dem was sie brauchen und wie sie sich vernetzen wollen und ist genau deshalb auch so agil. Das ist ein riesen Vorteil auch im Vergleich zu den Supermärkten und den Strukturen wie sie bisher sind, weil die sind groß und träge und merken auch jetzt schon, dass sich ihr Onlinehandel mit den großen Logistik-Strukturen sich schlussendlich nicht rechnet. Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft alle Lebensmittel online bestellen. Ich glaube nur, dass wir online die Möglichkeit der Vernetzung haben. Wenn man es so sieht, als gesellschaftliches Netzwerk, wo alle Menschen wieder miteinander agieren, wo es nicht darum geht wer Konsument und wer Produzent ist, sondern wo wir alle kritisch handelnde und denkende Menschen sind. Da hat das Netzwerk sicherlich Potenzial. 

Momentan kann ich also online bei euch bestellen, aber auch bei eurem Bauernmarkt einkaufen?

Man kann online bestellen. Das ist für die ProduzentInnen einfacher, weil sie wissen wie viel sie wohin mitnehmen. Mit Vorbestellungen kann man zum Beispiel Schlachtung viel präziser planen, man weiß wie viel wird wirklich gebraucht. Wir möchten auch ermöglichen, dass man online einmal schaut, was gibt es bei den einzelnen ProduzentInnen und dann holt man es vor Ort ab. In Wien werden wir aber auch mit Fahrradbotendiensten zusammen arbeiten. In Zukunft soll es möglich sein, nicht nur bei den einzelnen ProduzentInnen zu bestellen, sondern dass man bei einer Kooperative oder bei einem Nahversorger bestellt, damit hast du einen deutlich größeres Angebot und nicht nur einen einmaligen Versandweg. Jetzt geht es darum eine kritische Masse zu erreichen, weil mit der kann man neue Strukturen andenken.

Nach dem sympathischen Gespräch mit Theresa, die vor Leidenschaft für ihr Projekt nur so sprüht und noch viel länger über diese tolle Plattform weiter geplaudert hätte, besuchte ich noch die einzelnen Stände der ProduzentInnen, die vor allem aus Wien und Wien-Umgebung gekommen waren. Eine große Vielfalt wird geboten; von verschiedenstem Gemüse über Tee und Kaffee bis hin zu Insekten ist alles dabei. Wer von markta vor Ort einmal im Monat nicht genug bekommen kann, bestellt also einfach direkt im Onlinemarkt und lässt es sich entweder mit der Post nach Hause liefern, holt die Produkte beim Produzenten persönlich ab oder bei einem der Abhof-Läden in Wien.

Mira Nograsek, BA

Auf dem Blog ROEDLUVAN berichtet Mira über ihre Versuche ein nachhaltiges Leben zu führen. Ihr Weg führt sie in fremde Länder, in die Welt der fair produzierten Mode, in die vegane Küche und in eine plastikfreie Zone. Nebenher studiert die grüne Lifestylebloggerin Geschichte und arbeitet als Kulturvermittlerin in Wien.

Bildrechte: Mira Nograsek

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