Wo macht es Sinn, eine zusätzliche Hülle um sein Haus zu bauen?

Schon vor einiger Zeit bin ich über ein Gebäudekonstrukt gestoßen, wo eine Familie in Norwegen sich ein Lehmhaus in eine riesige Glaskuppel hineingebaut hat. Ich war sehr begeistert von der Idee, auch in kälteren Klimazonen die Sonne auf ganz außergewöhnliche Art zu nutzen. Aber wann macht es Sinn, überhaupt über so ein Konstrukt nachzudenken? Welche bestehenden Projekte gibt es bereits? Und welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus? Diesen Fragen bin ich näher nachgegangen.

Naturhuset in Norwegen

Wie schon erwähnt hat sich eine Familie im Norden Norwegens eine riesige geodätische Glaskuppel gebaut, um sich darin ihr Lehm-Eigenheim zu errichten und gestalten. Bereits 2012 wurde es gebaut, wobei viel davon im Selbstbau und in Form von Workshops passiert ist. Inspiriert wurde das Konstrukt durch den schwedischen Architekten Bengt Warne, der bereits 1970 die Idee des Naturhauses – des Hauses im Gewächshaus – speziell für das nordische Klima entwickelt hat.

Die Form der Kuppel haben sie gewählt, da diese Gebäudeform mit wenig starkem Material sehr viel mehr Wind und auch Gewicht (z.B. in Form von Schnee) aushält, was in dieser Gegend sehr relevant ist.

Ehemaliges Sommerhaus in Schweden

Diese Idee vom Haus in einem Gewächshaus von Bengt Warne hat außerdem auch eine Familie in Schweden umgesetzt. Jedoch nicht als Geodätische Kuppel sondern in der bekannten Form eines Hauses mit giebelförmigem Dach – einem standardmäßigen Gewächshaus. Auch wenn dieses wesentlich weiter südlich (bei Stockholm) gelegen ist, gelten sehr ähnliche Voraussetzungen und dadurch die gleichen Vorteile. Bei diesem Projekt wurde ein bestehendes kleines Sommerhaus erweitert und mit einem Glashaus umhüllt.

Naturhus Sweden
Screenshot eines Videos von faircompanies.com

Forschungsprojekt in Kopenhagen und Stockholm

Im Zuge des Projektes Dome of Visions wurde unter anderem in Kopenhagen direkt in der Stadt auf einem großen Platz ein Dom errichtet, der als temporäres Gebäude dienen soll. Im Dom befindet sich ein Holzhaus, das im Zuge dieses Projektes als Ort für diverse Veranstaltungen gedient hat. Auch in Schweden wurde so ein Dom errichtet. Derzeit sind sie jedoch nicht mehr verfügbar.

Die Idee dieses Projektes war vor allem um zu zeigen, dass Dome auch in Städten gebaut und verwendet werden können. Vor allem für Orte wie Kulturzentren, Veranstaltungsräume und ähnliches. Auch in dieser Konstruktion sind Pflanzen im Zwischenbereich des Domes ein fixer Bestandteil.

Dome of vision Copenhagen
Screenshot eines Videos von faircompanies.com

Gemeinsamkeiten

All diese Projekte haben einige Gemeinsamkeiten. In solchen Konstrukten ist es nicht notwendig, ein Dach für das Innenhaus zu haben. Meist wird es durch eine zusätzliche Terrasse ersetzt, um die Fläche ideal zu nutzen. 

Außerdem geht es nicht nur darum, eine wärmende Schutzhülle für das darin befindliche Haus zu haben. Es geht vor allem auch darum, im „Vorgarten“ Platz für Pflanzen zu haben, die ein milderes Klima benötigen. Sobald es sich um Privatnutzung handelt, sind diese Pflanzen meist Gemüsepflanzen und auch Sträucher und Bäume. Sie sollen zumindest teilweise die Lebensmittelversorgung der Bewohner abdecken und das Gewächshaus auch dafür  nutzen wofür es ursprünglich gedacht war – für Pflanzen.

Herausforderungen

Das (Plexi-)Glashaus benötigt eine Entlüftung, da es im Sommer sonst zu heiß wird. Wobei es generell sehr abhängig von der Sonne ist. Scheint sie nicht auf das Haus, ist es drinnen genauso kalt wie draußen. Es ist jedoch nicht viel Sonne notwendig, um einen großen Unterschied zu machen. Eine Heizung ist dennoch notwendig für das Haus im Winter.

Dome of vision Copenhagen
Screenshot eines Videos von faircompanies.com

Möchte man tatsächlich Gemüse oder Obst im Gewächshaus ziehen, ist es vor allem auch wichtig daran zu denken, dass die Pflanzen bestäubt werden müssen. Hier helfen viele Insektenhotels, kombiniert mit regelmäßig geöffneten Türen und Fenstern des Glashauses. Es muss jedoch viel stärker darauf geachtet werden, dass tatsächlich genug Insekten sich im Gewächshaus befinden, und sie auch genügend Rückzugsräume haben.

Vorteile

Dieses Konstrukt ist eine äußerst originelle Idee, Permakultur zu nutzen, indem man die Wärme der Sonne in einem Glashaus einfängt, um sie dann in der Masse des Hauses zu speichern, und sowohl zum Wohnen und für den Garten zu nutzen. Speziell in nördlicheren Gebieten kann hier die Anbauzeit für Pflanzen um einiges erhöht werden, bzw. können Pflanzen gedeihen, die sich normalerweise in diesen Gegenden nicht so wohl fühlen. Außerdem werden die notwendigen Heizkosten für das Haus sehr stark reduziert.

Dome of vision Copenhagen
Screenshot eines Videos von faircompanies.com

Nachteile

Die Kosten für so eine zusätzliche Hülle sind bei dieser Konstruktion nicht zu verachten. Das Standard-Gewächshaus in Schweden hat vor mehr als 10 Jahren beim Bau bereits 80.000€ gekostet. Was dies jedoch auf den Quadratmeter bedeutet ist schwer zu sagen. Wobei man wahrscheinlich beim Material sicher einen Spielraum hat. Es macht schließlich einen Unterschied, ob man 4mm dickes Sicherheitsglas verwendet, oder Plexiglas wie beim Dome of Visions-Projekt in Kopenhagen.

Fazit

Es gibt hierfür sicher noch einiges mehr sowohl an Vor- als auch an Nachteilen aufzuzählen. Das würde hier jedoch den Rahmen sprengen.

Wie sich so ein Bauwerk in Österreich genehmigen lassen würde ist unklar. Und auch ob es in unseren Breitengraden überhaupt sinnvoll und notwendig ist, so einen Aufwand zu betreiben. Die Idee ist dennoch aus meiner Sicht sehr spannend, und wäre vielleicht sogar ein Experiment wert.

 

weiterführende Quellen:

http://bengtwarne.malwa.nu/
http://naturhuset.blogg.no/
https://faircompanies.com/videos/stockholm-family-wraps-home-in-greenhouse-to-warm-up-weather/
https://faircompanies.com/videos/3d-printed-house-dome-inspired-by-bucky-fullers-tensegrity/
http://domeofvisions.com/

 

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Bildquellen:

alle Bilder aus Videos von: faircompanies.com / Kristen Dirksen

 

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