Im 23. Wiener Gemeindebezirk ist der größte Second‑Life-Batteriespeicher Österreichs in Betrieb gegangen. Rund 400 ausgemusterte E‑Auto‑Batterien speichern ab sofort den Sonnenstrom der Photovoltaikanlage Rosiwalgasse – ein Projekt, das Kreislaufwirtschaft und Energiewende direkt miteinander verbindet.
400 Batterien, 1 Megawatt Leistung, 4 Megawattstunden Kapazität
Moderne E‑Auto‑Batterien verfügen selbst nach ihrem Einsatz im Fahrzeug über wertvolle Restkapazität. Diese nutzt Wien Energie nun erstmals im großen Maßstab: Der neue Speicher liefert 1 MW Leistung und 4 MWh Kapazität und nimmt den überschüssigen Strom der benachbarten PV‑Freiflächenanlage auf.
Die Anlage umfasst rund 4.000 PV‑Module auf einer Fläche von zwei Fußballfeldern und erzeugt genug Energie, um jährlich etwa 400 Wiener Durchschnittshaushalte zu versorgen.
Second‑Life statt Recycling: Kreislaufwirtschaft in der Praxis
Second‑Life‑Speicher nutzen Batteriemodule, die entweder aus Überproduktionen stammen oder ihren ersten Lebenszyklus im E‑Auto bereits hinter sich haben. Für den Fahrzeugbetrieb reicht ihre Leistung irgendwann nicht mehr aus – für stationäre Anwendungen hingegen sind sie oft noch zehn bis zwölf Jahre einsetzbar.
Das schont wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel und verlängert die Lebensdauer bereits produzierter Batterien deutlich.
Wie der Speicher funktioniert
Die rund 400 Batteriemodule werden in einem stationären Container gebündelt und über ein Batterie‑Management‑System gesteuert. Dieses sorgt dafür, dass die Module sicher, effizient und flexibel arbeiten:
- Aufnahme von überschüssigem PV‑Strom
- Abgabe ins Netz, wenn Energie gebraucht wird
- Optimierte Nutzung der Restkapazität
- Verlängerte Lebensdauer durch geringere Belastung
Energiespeicher als Schlüssel der Energiewende
Mit dem wachsenden Anteil von Solar- und Windenergie steigt der Bedarf an leistungsfähigen Speichern. Wien Energie investiert daher in unterschiedliche Speichertechnologien.
Der größte elektrochemische Speicher des Unternehmens steht derzeit bei der PV‑Anlage Schafflerhofstraße im 22. Bezirk: 5 MW Leistung, 12 MWh Kapazität – gespeist von Wiens größter Photovoltaikanlage.
Bis Ende des Jahres folgen weitere Großspeicher mit insgesamt 25 MW Leistung und 50 MWh Kapazität.
Ein zweites Leben für Batterien – und ein Schritt Richtung klimafitte Stadt
Der Second‑Life‑Speicher zeigt, wie Kreislaufwirtschaft und Energiewende zusammenwirken können. Statt Batterien frühzeitig zu recyceln, nutzt man ihre Restkapazität weiter – ressourcenschonend, wirtschaftlich und klimafreundlich.
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Bild: Wien Energie/Max Kropitz