Dieser Beitrag behandelt alle wichtigen Aspekte, die bei der Errichtung oder Sanierung von Außenwänden wissenswert sind.

Der erste Teil behandelt Grundsätzliches wie Funktion, verschiedene Bauweisen und wärmeschutztechnische Anforderungen. Im zweiten Teil geht es darum, wie diese Anforderungen an ein zeitgemäßes Bauen und Sanieren erfüllt werden können, um bei minimiertem Energieeinsatz ein modernes, behagliches Wohnen und Arbeiten zu ermöglichen.    

 

Funktion, Bauweisen und Anforderungen an den Wärmeschutz

  Teil 1: Außenwände begrenzen ein Gebäude vom Außenraum. Dabei haben sie Funktionen wie Wärme-, Schall-, Feuchtigkeits- und Brandschutz (vgl. Bauphysik) zu erfüllen und nicht zuletzt als Fassade – die „Ansicht“ eines Gebäudes – ästhetischen Ansprüchen zu genügen. Außenwände können tragend oder nicht tragend ausgeführt werden. Tragende Außenwände haben eine statische Funktion, um die Lasten der Decken, des Dachs (auch mit zusätzlicher Schneelast) und des Windes abzuleiten. Folgende Bauweisen sind möglich:

  • Massivbauweise
  • Leichtbauweise
  • Mischbauweise

Massivbauweise Der Vorteil der Massivbauweise liegt in der meist großen Speichermasse, die sich günstig auf den Schallschutz sowie auf die Vermeidung übermäßiger sommerlicher Erwärmung auswirkt. Der erforderliche Wärmeschutz wird zumeist nur mit einer zusätzlichen Dämmung erreicht, womit sich größere Wandstärken ergeben. Als Materialien kommen in Frage:

  • Vollziegel und Hohlziegel
  • Betonhohlsteine
  • Schalungssteine
  • Leichtbeton- und Gasbetonsteine
  • Beton und Stahlbeton

Besonders bei den Hohlblockziegeln wurden in den letzten Jahren Produkte mit stark verbessertem Wärmeschutz entwickelt. Leichtbauweise Bei der Leichtbauweise wird das tragende Element auf ein Minimum reduziert. Der restliche Raum wird mit Dämmstoffen ausgefüllt. Der Vorteil ist, dass die Wandteile überwiegend in der Halle – d.h. witterungsunabhängig – vorgefertigt werden können. Es sind Wandkonstruktionen mit sehr gutem Wärmeschutz und aufgrund der Mehrschaligkeit auch gute Schallschutzwerte erzielbar. Nachteilig wirkt sich unter Umständen die fehlende Speichermasse aus, die aber andererseits wieder eine kurze Aufheizzeit ermöglicht. Bekanntes Beispiel ist die (Holz)riegelbauweise. Mischbauweise Kombination aus den beiden vorgenannten Bauweisen. Selbst im klassischen Massivbau ist der Dachstuhl meist eine Leichtbauweise. Auch bei Zubauten sind Mischbauweisen möglich. In letzter Zeit werden Leichtbaukonstruktionen auch bei massiven Wänden vorgesetzt. Dadurch lassen sich neben der Wärmedämmung auch weitere haustechnische Funktionen (Komfortlüftungsanlage, Heizungssteigleitung) integrieren. Anforderungen an den Wärmeschutz laut gesetzlichen Vorgaben – und darüber hinaus Für ein zeitgemäßes Bauen und Sanieren ist eine Dämmung der Außenwände unabdingbar. Die OIB-Richtlinie 6 (Energieeinsparung und Wärmeschutz), die in den Bauordnungen der Bundesländer umzusetzen ist, schreibt folgende Obergrenzen vor: Für Außenwände und Wände, die an unbeheizte Dachräume grenzen, ist ein maximaler U-Wert (Wärmedurchlasskoeffizient) von 0,35 W/m2K einzuhalten. Bei erdberührenden Außenwänden (z.B. bei Unterkellerung) gilt eine Obergrenze von 0,4 W/m2K. Setzt sich der Bauherr / die Bauherrin ein ambitionierteres Ziel und möchte nicht nur den Baustandard erfüllen, sondern ein Niedrigenergie- oder vielleicht sogar ein Passivhaus errichten, muss die Außenwand deutlich bessere Werte erreichen. Bei einem Niedrigenergiehaus (Bandbreite des Heizwärmebedarfs zwischen 15 und 50 kWh/m²a) liegt der U-Wert der Außenwand bei maximal 0,15 W/m2K, die dafür benötigte Dämmstärke beträgt je nach verwendetem Dämmstoff 10 bis 20 cm. Für die Errichtung eines Passivhauses (Heizwärmebedarf höchstens 15 kWh/m²a) beträgt der erforderliche U-Wert der Außenwand 0,1 W/m2K, dafür braucht es schon eine Dämmstoffstärke von 30 bis 40 cm. Für diverse Förderrichtlinien gelten ebenfalls bestimmte Obergrenzen. Welche Möglichkeiten es gibt, die Außenwände mit ausreichendem Wärmeschutz zu versehen, wird in Teil 2 dieser Reihe beschrieben.

Martina Krobath, Fotografin: Helena Wimmer

Als Energieberaterin bei Wien Energie beschäftigt sich Martina mit allen Energieeffizienzthemen und den Möglichkeiten die sich daraus ergeben. Ein wichtiger Teil in der Umsetzung zu mehr Energieeffizienz sind unter anderem Förderungen, neue Technologien und deren Einsatzbereiche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*