Es gibt Menschen, die durch sogenannte Rückführungen herausfinden möchten, was sie in einem früheren Leben waren. Der eine meint sich als feilschender Fischhändler in Frankreich gesehen zu haben, der andere…

Es gibt Menschen, die durch sogenannte Rückführungen herausfinden möchten, was sie in einem früheren Leben waren. Der eine meint sich als feilschender Fischhändler in Frankreich gesehen zu haben, der andere war köpfender König in Knossos. Enttäuscht ist da die Hausfrau aus Hürth Kalscheuren, die vor 200 Jahren als Hausfrau in Hürth Kalscheuren lebte. Letztendlich kann aber niemand genau sagen, was und ob er/sie überhaupt schon einmal „war“.

Einfacher ist es da bei Produkten. Unter den recycelten weiß man oft, in welcher Form sie im vorherigen Leben auftraten, zumindest sind die Möglichkeiten begrenzt. Doch seit zehn Jahren ist es fast mysteriös: als nicht recycelbar eingestufter Verpackungsmüll kehrt in neuer Gestalt wieder. Der Filzstift trotzt mit seiner Wiedergeburt als Gießkanne alten Vorstellungen, die Chipstüte kehrt zu aller Überraschung als Mülleimer wieder und das Trinkpäckchen übernimmt in seiner neuen Existenz den Job des Schulmäppchens. Was ist geschehen?

Vom Wiederverwerten und Aufwerten

TerraCycle hat sich zum Ziel gesetzt, das Ansehen des Mülls zu revolutionieren. Das Unternehmen sammelt als nicht recycelbar eingestufte Verpackungsmaterialien aus Hausmüll und führt diese in eine neue Existenz über, indem aus Abfall neue Produkte recycelt oder upcycelt werden. Recyceln kennen wir alle: Man nehme eine alte Glasflasche, schmelze sie ein und gieße ein neues Glasprodukt daraus. Upcyceln würde man es nennen, wenn man eine Flasche Wein erst leer trinkt und sie anschließend als dekorative Blumenvase bewundert – wenn auch mit Kopfschmerzen.

Bisher haben sich bereits 21 Millionen Menschen in 14 Ländern an den Sammelaktionen beteiligt und TerraCycle Weinkorken, Müslitüten und anderen Verpackungsmüll zugesendet. Damit haben sie Punkte gesammelt, die am Ende in einen Geldbetrag umgewandelt werden, den man einer Spendenaktion seiner Wahl zukommen lassen kann. So kamen bereits mehr als 2 Millionen Euro an Spendengeldern zusammen.

Mit Müll die Umwelt schützen

Möglich wird dies durch das Prinzip des gesponsorten Mülls: TerraCycle geht dabei Partnerschaften mit großen Firmen ein, welche die Sammelaktionen bezuschussen. Aber nicht nur soziale Projekte profitieren von TerraCycle, sondern vor allem die Umwelt: Würde der Abfall wie sonst auf der Mülldeponie oder in der Müllverbrennungsanlage landen, würde CO2 entstehen. Zudem wird CO2 eingespart, welches sonst bei der Neugewinnung und Umwandlung von Rohstoffen emittiert würde.

Das Denken in Kreisläufen ist im Endeffekt umweltfreundlicher als die Neuproduktion von Materialien. So kommt es, dass beispielsweise ein Federmäppchen von TerraCycle aus Trinkpäckchen ökologischer ist als ein neu hergestelltes aus Baumwolle, für das neben dem CO2 bei Rohstoffgewinnung, Weiterverarbeitung, Färbung etc. auch noch eine Menge Pestizide in die Umwelt gelangen würde.

TerraCycle trägt dazu bei, das Müll-Problem zu reduzieren, CO2 zu sparen und Ressourcen zu schonen. Wer mehr über die Geschichte des Unternehmens und seinen Gründer erfahren möchte, kann dessen Buch lesen (leider bisher nur auf Englisch erschienen): Tom Szaky: Revolution in a Bottle: How TerraCycle Is Redefining Green Business, 2009.

Mehr zur Geschichte von TerraCycle erfährt man auch hier.

www.terracycle.net (USA)
www.terracycle.de (Deutschland)

Bildquelle: © TerraCycle

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