In den letzten 30 Jahren ist in Europa jeder zweite Feldvogel von der Bildfläche verschwunden. Mehr als eine Millionen Feldlerchen sind es allein in Deutschland, vom Kiebitz gibt es nur…

In den letzten 30 Jahren ist in Europa jeder zweite Feldvogel von der Bildfläche verschwunden. Mehr als eine Millionen Feldlerchen sind es allein in Deutschland, vom Kiebitz gibt es nur noch ein Drittel des ehemaligen Bestandes und um ganze 90 Prozent ist die Anzahl der Rebhühner geschrumpft.

Umweltziele werden verfehlt

Es ist eine besorgniserregende Entwicklung, die eine Studie von BirdLife International und dem European Bird Census Council nachzeichnet. Sie liegt nun der Europäischen Kommission vor und soll bei der Neugestaltung der Gemeinsamen Agragpolitik Berücksichtigung finden.

GAP – so kürzt sich die Gemeinsame Agrarpolitik Europas ab. „Gap“ ist auch ein englisches Wort und heißt übersetzt „Lücke“, und Lücken scheint es bisher viele zu geben, denn trotz diverser Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsstrategien und Richtlinien zum Erhalt der biologischen Vielfalt ist der Trend zunehmend negativ. So zeigt es beispielsweise der auf Vogeldaten fußende Bioindikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ in Deutschland. Das Ziel, im Jahr 2015 auf einen Bioindikatorwert von 1975 zu kommen, ist nahezu unmöglich, ja man entfernt sich eher noch davon.

Intensivierung der Landwirstchaft lässt Vögel verschwinden

Die deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) und der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) haben in einem Positionspapier die aktuelle Situation der sogenannten Agrarvögel näher beleuchtet. Ihrer Meinung nach hat die europäische Agrarpolitik die negative Entwicklung eher noch beschleunigt als aufgehalten. Gründe dafür sehen sie beispielsweise in dem Wegfall der EU-Flächenstillegungen, dem zunehmenden Energiepflanzen-Anbau, dem Rückgang des Dauergrünlandes, der Verarmung von Fruchtfolgen und dem Einsatz von Pestiziden – alles in allem in einer Intensivierung der Landnutzung.

Doch werden in dem Positionspapier auch Maßnahmen zur Verbesserung der Situation aufgezählt. So wird beispielsweise vorgeschlagen, den ökologischen Lanbau verstärkt zu fördern, Kleinstrukturen wie Hecken, Kleingewässer und Blühstreifen zu erhalten oder auch die Flächenstillegungen wieder einzuführen.

Das Bundesamt für Naturschutz ist der Meinung, dass der Negativtrend noch aufzuhalten sei. Positiv bewertet es den Plan der EU-Kommission, Direktzahlungen von der Einhaltung der Vorschriften zu naturverträglichen Bewirtschaftungsmethoden abhängig zu machen oder die Verpflichtung zur Bereitstellung von mindestens 7 Prozent ökologischer Vorrangfläche durch die Agrarbetriebe.

In Zukunft wird sich zeigen, ob man mit GAP Lücken schließen kann.

Aktuelle Daten zur Bestandsentwicklung von Brutvögeln in Europa (engl.) gibt es beim European Bird Census Council.

Dort gibt es auch ein Faltblatt mit den wichtigsten Bestandsveränderungen (engl.).

Quellen:

Bundesamt für Naturschutz: BfN und DDA weisen auf dramatische Bestandsentwicklungen der Vögel in der Agrarlandschaft hin; Zahl der europäischen Feldvögel innerhalb von 30 Jahren halbiert; Landwirtschaftspolitik der EU muss schnell und umfassend naturverträglicher werden. Münster/Bonn, 24. Juli 2012.

Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) und der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA): Positionspapier zur aktuellen Bestandssituation der Vögel der Agrarlandschaft. Münster 2012.

Bildnachweis Kiebitz: © Kurt F. Domnik / Pixelio.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*