Minimalismus mit Kindern
Minimalismus mit Kindern
Minimalismus im Außen und Innen – das ist der Schlüssel zu innerer Ausgeglichenheit und Glück

Letzte Woche habe ich euch ein paar allgemeine Dinge zum Minimalismus mit Kindern aufgeschrieben und auch ein paar Tipps, wo ihr damit beginnen könnt. Heute möchte ich noch einen anderen Aspekt dazu beleuchten, da Minimalismus nicht immer nur mit Dingen zu tun hat. Auch immateriell kann ein Leben zu überfüllt sein, durch Termine, Ablenkungen und vielem mehr. Wieso auch das wichtig beim Thema Minimalismus ist und wie ihr eure Zeit mit den Kindern sinnvoller nutzen könnt, darum geht es heute.

Weniger ist immer mehr

Wenn in der Wohnung langsam mehr Platz wird, Dinge aussortiert werden und Raum für Leere geschaffen wird, klärt sich langsam auch unser Geist. Ordnung im Innen sorgt auch für Ordnung im Außen. Das kann ich immer wieder beobachten, wenn ich nur kurz durch die Wohnung gehe und aufräume. Ich bin danach immer klarer und ruhiger und auch meine Kinder sind entspannter, wenn es aufgeräumt ist.

Doch manchmal wird trotz aller Ordnung im Außen alles zu viel und der Geist kann sich nicht beruhigen. Kinder werden quengelig, schlafen schlecht ein oder durch und sind überfordert. Woran kann das liegen, wenn doch im Außen schon alles reduziert ist?

Minimalismus mit Kindern
Fotocredit: Mckaela Taylor auf Unsplash

Die Reizflut reduzieren

Der Körper saugt ununterbrochen Reize von außen auf. Als Baby beginnen wir erst langsam alles zu erkennen, sehen anfangs nur schwarz und weiß, schemenhaft und langsam wird alles klarer. Es ist eine Gewöhnung des Körpers an alles, was von außen kommt, denn das ist ganz schön viel: neben visuellen Reizen gibt es Geräusche, Gerüche, Berührungen oder Umwelteinflüsse wie ein Windstoß auf der Haut, klirrende Kälte oder trockene Hitze. In jedem Moment prasseln eine Vielzahl an Eindrücken auf uns ein, heute mehr denn je.

Früher war das Leben langsamer, es gab weniger Technologien und Möglichkeiten. Heute werden statt langsamer, einzelner Briefe tägliche zig e-mails verschickt (und empfangen), zusätzlich Nachrichten am Smartphone. Es werden Bilder nicht nur auf Plakaten oder im Fernsehen gesehen, sondern nebenbei auch noch auf unzähligen Social Media Plattformen. Dann gibt es auch noch den Radio, oder Podcasts, Bücher uvm.

Das alles macht uns produktiver, keine Frage und wir wissen mehr denn je. Doch es überfordert uns auch, wir werden gereizt und unruhig.

Tipps für Minimalismus im Kopf

Die Tür durch die Dinge in eure Wohnung kommen könnt ihr schließen und einfach nichts mehr hinein lassen. Ebenso klappt das auch mit eurem Kopf und dem eurer Kinder. Multitasking ist anstrengend, setzt daher vermehrt auf Singletasking. Macht also nur eine Sache. Nur das Buch mit den Kindern anschauen, und nicht nebenbei noch schnell das Smartphone checken. Nur in der Reihe anstehen und warten, nicht nebenbei telefonieren. (Wahre Geschichte: ich kann nicht einfach nur sitzen und telefonieren. Ich muss dabei immer etwas machen, die Wäsche weg räumen, spazieren gehen etc. Daran arbeite ich noch!)

Digital Detoxing, also mehr Offline zu sein, liegt ohnehin im Trend, und das nicht ohne Grund. Es tut einfach gut, wenn nicht so viele Eindrücke auf uns einprasseln. Oft wird das bei Kindern vergessen, denn es ist schon praktisch sie vor den Fernseher oder das Tablet zu setzen, das gebe ich zu. Die Bildschirmzeit kann sich aber schnell summieren und das Kind überfordern.

Bildschirmzeit tracken

Bei uns wird die Bildschirmzeit von allen beobachtet und gegebenenfalls limitiert. Beim eigenen Smartphone ist das relativ einfach, meines zeigt mir die Bildschirmzeit regelmäßig an. Für die Kinder haben wir Tortendiagramme auf denen angemalt wird, wie viel ihrer wöchentlichen Zeit sie schon verbraucht haben. Sie können sich ihren Medienkonsum frei einteilen, nur die Gesamtzeit geben wir vor.

Minimalismus mit Kindern
Fotocredit: Charles Deluvio auf Unsplash

Weniger Termine – mehr Langeweile

Alle sind im Stress, es gibt immer was zu tun. Wir hetzen von Termin zu Termin und wer immer beschäftigt ist leistet vermeintlich mehr. Sogar der Terminplan vieler Kinder ist voll, sie lernen ein Instrument, machen Sport und betätigen sich kreativ. Das fördert sie und sie werden später davon profitieren – oder doch nicht?

Ich habe unsere Kinder bewußt zu keinen nachmittäglichen Aktivitäten eingeteilt, denn der Kindergarten war erstmal genug für sie. Danach habe ich richtig gemerkt, dass sie Ruhe brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten. Mittlerweile geht mein größerer Sohn in die Schule und wollte von sich aus zwei sportliche Aktivitäten besuchen. Das erlaube ich natürlich, achte aber darauf, dass er an den Tagen danach nach der Schule nichts vor hat. Es geht nicht um Verbote und Verzicht sondern darum, nicht darauf zu vergessen auch Pausen zu machen. Durchzuatmen, das Erlebte verarbeiten und neue Kraft zu tanken. 

Auch die Ferien und Wochenenden werden nicht voll geplant, sondern immer Raum für Spontanität und Langeweile gelassen. Denn nicht nur meine Erfahrung zeigt, dass aus Langeweile oft die besten Dinge entstehen. Die Spiele sind dann immer am lustigsten, die Basteleien am Kreativsten und wir alle am ausgeglichensten. Langeweile ist der Schlüssel zu innerer Balance – in jedem Alter.

Konsum in jeder Hinsicht verringern

Die Idee des Minimalismus ist also nicht nur, den Konsum von materiellen Dingen zu reduzieren, sondern auch jenen von Eindrücken. Wie auch beim Entrümpeln der Wohnung ist das Minimieren von Terminen und Ablenkungen ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Doch aus Erfahrung kann ich sagen: er lohnt sich!

Quellen:
Einfach Bewußt, Johanna Katzera, 24. September 2018, „Minimalismus im Kopf – 4 Wege, die immaterielle Wohnung aufzuräumen
Der Standard, Jesper Juul, 11.November 2012, „Kinder müssen sich langweilen