Der Mensch braucht Kategorien und Maßeinheiten, ansonsten ist die Welt für ihn nicht fassbar. Den Wert eines Dings an sich überlässt man den Philosophen, die Trauer über den Rückgang der…

Der Mensch braucht Kategorien und Maßeinheiten, ansonsten ist die Welt für ihn nicht fassbar. Den Wert eines Dings an sich überlässt man den Philosophen, die Trauer über den Rückgang der Artenvielfalt den Umweltorganisationen. Um auf sie aufmerksam zu machen, greift man auf einen Trick zurück, eine Maßeinheit, die jeder einordnen kann: auf den Euro.

Ökosysteme als Dienstleister

Da wird ein Ökosystem schon mal zum „Dienstleister“, dessen „Dienste“ analysiert und bewertet werden, so geschehen im Millenium Ecosystem Assessment der Vereinten Nationen 2005. Seit 2007 gibt es in Europa dafür die TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity). Sie zeigte beispielsweise, dass der wirtschaftliche Gesamtwert der Bestäubung durch Insekten weltweit etwa 153 Milliarden Euro beträgt, somit einem Zehntel des weltweiten landwirtschaftlichen Ertrags.

Die Staaten erfassen nun nach und nach ihr „Naturkapital“, um Zusatzargumente für Naturschutzmaßnahmen und nachhaltige Nutzung von Ressourcen vorweisen zu können. Es reicht demnach nicht aus zu sagen: „Unsere Moorlandschaften sind bedroht. Hunderte Tier- und Pflanzenarten sind betroffen.“ Es muss schon heißen: „Der Schutz unserer Moorlandschaften entspricht einem Gegenwert von 540 Millionen Euro.“ damit Maßnahmen zum Schutz der Moore gerechtfertigt sind. Schließlich braucht man ja was „Handfestes“…

Das Interesse der Banken an der Biodiversität

Biodiversität ist gleich Kapital – Eigentlich müssten sich die Banken um dieses Thema reißen. Ob dies so ist, dem sind die Wissenschaftler Prof. Dr. Thomas Koellner, Professor für Ecological Services an der Universität Bayreuth, und Ivo Mulder, der in Genf für das internationale Umweltprogramm UN Environment Programme – Finance Initiative (UNEP FI) arbeitet, in einer Studien nachgegangen.

50 weltweit agierende Banken wurden von ihnen darauf untersucht, wie sie das Thema Biodiversität in ihre Geschäfte mit aufnehmen. Inwieweit stellen sich die Banken nun der Herausforderung, ihrerseits zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen? Werden Kredite beispielsweise auch an Unternehmen gegeben, die beim Verbrauch natürlicher Ressourcen keine Rücksicht auf die Umwelt nehmen?

Es besteht für die Kreditinstitute tatsächlich die Möglichkeit, die Vergabe von Krediten an ökologischen Kriterien festzumachen. So können sie beispielsweise die Vorlage von Zertifikaten verlangen, die eine nachhaltige Produktionsweise belegen. Doch wird diese Möglichkeit von den Banken genutzt?

Ökonomische Anreize zur Rettung der Artenvielfalt für Banken zu gering

Etwa die Hälfte der Banken, die durch die Studie erfasst wurden, ist der Auffassung, dass ihre Geschäftsstrategie indirekt Einfluss auf die Biodiversität hat. Etwa ein Drittel gibt an, dass es auf der Managementebene eine definierte Zuständigkeit für diesen Bereich gibt. Doch geht es um konkrete Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt, sinkt die Zahl deutlich. Nur 21 Prozent der Banken meinen, dass sie ausreichende Instrumente zur Verfügung hätten, Geschäfte auf Aspekte der Biodiversität hin zu überprüfen. Nur 8 Prozent setzen derartige Instrumente tatsächlich ein.

Das Ergebnis wird damit erklärt, dass es für die Banken bisher zu wenige ökonomische Anreize gäbe, auf den Erhalt der Artenvielfalt Rücksicht zu nehmen. Und dies obwohl das Ecosystem Assessment, die TEEB-Studie und andere ihnen den Wert des Dings an sich in eine für sie greifbare Maßeinheit übersetzt haben…

Vielleicht ist es an der Zeit einzusehen, dass es Dinge auf dieser Welt gibt, die man mit Geld nicht bezahlen kann und den Wert des Lebens an sich zu akzeptieren. Die Rettung eines Ökosystems ist IMMER gerechtfertigt. Und wer auf die Banken vertraut,…

Sie auch:

Bundesamt für Naturschutz: Warum ist eine ökonomische Bewertung von Ökosystemleistungen für den Erhalt unserer Lebensgrundlage so wichtig? 14.10.2011.

Mediendienst Forschung Universität Bayreuth (Hg.): Zwischen Risikovermeidung und ökologischer Verantwortung
Eine neue Studie untersucht den Umgang internationaler Banken mit dem Thema „Biodiversität“; In: Blick in Forschung, Nr 37, 17.0kt. 2011.

Bildnachweis: © Gerd Altmann / Pixelio.de

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