Gerüche lösen in uns Erinnerungen aus: Den Duft von Madeleines, frischem Kaffee oder Herbstlaub haben wir an bestimmte Orte und Zeitpunkte geknüpft. Ein Harvard-Professor hat ein Mobilfunkgerät entwickelt, mit dem diese Verbindungen ausgelöst werden. Mit dem Ophone können via Bluetooth Düfte versendet werden.

Die künstliche Produktion von Aromen ist seit Jahren möglich, die Konservierung und Kommunikation von Gerüchen schien bislang aber nicht realisierbar. Das Ophone soll nun eine Übertragung von Düften ermöglichen, das O im Namen steht schließlich nicht umsonst für odor (dt.: Geruch). Das Neue am Ophone ist, dass die Gerüche gezielt für eine Adressatin oder einen Adressaten ausströmen und nicht im Raum diffundieren. Das Geruchstelegerät wurde von Harvard-Professor David Edwards, den Studentinnen Rachel Field und Amy Yin, dem MIT-Ingenieur Eyal Shahar und dem Designer Baptiste Viala erschaffen.

Das Ophone ist schlicht gestaltet, ein weißer Plastikzylinder ist mit einem Geruchssensor und einem Geruchsausgang versehen, an der Längsseite ist ein Regler angebracht. Das Wunderwerk ist im Inneren versteckt: Per Knopfdruck wird ein Klebestreifen erwärmt, der die Duftmoleküle freisetzt. Der Prototyp kann vier Gerüche versprühen (Espresso, Café Noisette, Latte Macchiato, Mokka), doch verspricht Edwards die Weiterentwicklung der Duftpalette bis das Gerät im Frühling 2014 im kleinen Rahmen verkauft werden soll und bisher nur im Herbst in der Pariser Technikschmiede Le Laboratoire zu bestaunen war. Eine Duftvorführung ist in diesem Video zu sehen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=9WMHxMirofg

Durch das Teilen von Düften erreiche man ein ganz neues, nie da gewesenes Maß an Emotionalität in der Verständigung, so Edwards. Bisher hat das Team an zwei Apps gearbeitet – oNotes und oTracks. Mit Hilfe der ersten können Geruchsmitteilungen versendet werden, die zweite erlaubt die Aufnahme von Düften. Erhält man eine Nachricht, genügt es, das Gerät anzuschalten, und der Geruch strömt heraus.

Edwards ist überzeugt, dass sein Projekt durchaus wirtschaftliches Potenzial hat. Duftnachrichten – ebenso wie Texte oder Töne, die wir jeden Tag teilen – könnten in eindeutigen olfaktorischen Buchstaben in Raum und Zeit verschickt werden. Die menschliche Kultur, die auf visueller und auditiver Wahrnehmung beruht, könnte durch die Steigerung des olfaktorischen Sinns eine dritte Sphäre dazugewinnen. Für Gerüche gilt natürlich dasselbe wie für Bilder, Texte und Töne – alles muss man nicht wahrnehmen.

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