Glyphosat hat in den letzten Monaten Schlagzeilen gemacht, und das Thema bleibt aktuell, auch wenn der größte Hype nun vorbei ist – wer noch immer nicht weiß, um was es geht:…

Glyphosat hat in den letzten Monaten Schlagzeilen gemacht, und das Thema bleibt aktuell, auch wenn der größte Hype nun vorbei ist – wer noch immer nicht weiß, um was es geht: Glyphosat ist ein Wirkstoff, der in den weltweit am häufigsten eingesetzten Pflanzenschutzmitteln vorkommt. Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass es schädlich für Mensch und Umwelt ist, wird aber nach wie vor weltweit eingesetzt. Ach, und hab ich schon erwähnt: die meisten werden vom berüchtigten Gentech-Konzern Monsanto hergestellt.

Was ist Glyphosat

Mit Herbiziden, die Glyphosat enthalten, lassen sich die meisten Unkrautarten einfach und kosteneffektiv entfernen (sie werden daher auch „Breitband-Herbizide“ genannt). Sie werden bereits seit den 70er Jahren eingesetzt und sind mittlerweile weltweit verbreitet. Glyphosat-herbizide werden in verdünnter Form direkt auf die Unkräuter gesprüht und schnell von den Pflanzen aufgenommen. In der Pflanzenzelle blockiert es dann einen zentralen Stoffwechselweg, der essentiell für das Wachstum der Pflanzen ist. Dieser Stoffwechselweg kommt in allen Pflanzen, aber nicht in Tieren vor. Es vernichtet also großflächig alle Pflanzen, wodurch für Landwirte ein Arbeitsschritt wegfällt: die Stoppelfelder müssen zur Unkrautentfernung vor der nächsten Aussaat nicht mehr gepflügt werden. Manche sehen darin sogar einen Vorteil für die Umwelt, da fossile Energie in Form von Diese eingespart und die CO2 –Emission verringert wird.

Glyphosat wird außerdem häufig zusammen mit gentechnisch veränderten Pflanzen verwendet: rund 85 Prozent aller Gentech-Pflanzen sind so verändert, dass sie Glyphosat-Anwendungen überstehen, während alle anderen Pflanzen auf dem Acker sterben. Wie praktisch.

Wie wirkt Glyphosat auf den Menschen

Immer wieder erscheinen Studien zu Glyphosat, mit den unterschiedlichsten Aussagen. Als es auf den Markt kam, wurde ihm natürlich die weitgehende Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt bescheinigt. Doch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse lassen daran zweifeln. Wie immer, kommt es wohl sehr darauf an, wer eine Studie in Auftrag gegeben hat – bzw. in diesem Fall auch, wer den untersuchten Stoff herstellt, und wie finanzkräftig er klagen kann. 

Es gibt mittlerweile eine Reihe von Umweltauswirkungen, die Anlass zur Sorge geben: z.B. Schädigung von Mikroorganismen, Würmern und Amphibien. Außerdem wächst die Zahl an wissenschaftlichen Publikationen, die Glyphosat eine hormonelle bzw. krebserregende Wirkung attestieren. Auch Chromosomenschäden wurden nachgewiesen. Zahlreiche Untersuchungen und epidemiologische Studien weisen auch auf eine fruchtschädigende Wirkung des Herbizids hin.

Einige Studien wurden in vitro an Hühner- und Froschembryonen bzw. menschlichen Zelllinien durchgeführt, wobei Entwicklungsstörungen festgestellt werden konnten. Kritiker bezweifeln die Aussagekraft, da Menschen und Tiere normalerweise unter anderen Bedingungen mit Glyphosat in Kontakt kommen, bzw. die Zelllinien und Embryonen andere physiologische Barrieren besitzen. Internationale Richtlinien schreiben daher vor, dass Substanzen durch Fütterungsexperimente unter realistischen Expositionsbedingungen und an lebenden, intakten Tieren getestet werden müssen. 

„Glyphosat wird im Körper nicht durch Stoffwechselprozesse aufgenommen, sondern überwiegend in unveränderter Form schnell wieder ausgeschieden. Bei einmaliger Aufnahme auf oralem Wege, über die Haut oder die Atemwege zeigt der Wirkstoff nur eine geringe akute Toxizität.“ – so heißt es zum Beispiel hier. Nun ja, da könnte man meinen, dass das Glyphosat zwar vielleicht ausgeschieden wird, wie es im Körper nachwirkt wird aber nicht behandelt. Außerdem geht es um „einmalige Aufnahme“ – bei der großflächigen, weltweiten Anwendung, kommt es jedoch mit Sicherheit zu einer ständigen Aufnahme. Und wie hat Paracelsus schon gesagt: die Dosis macht das Gift. Außerdem ist Glyphosat ja nicht der einzige Bestandteil dieser Herbizide – wie es in Kombination mit allen anderen Inhaltsstoffen wirkt, wird zwar teilweise untersucht, welcher Stoff nun aber welche Wirkung erzielt, bzw. in welchen Kombinationen das geschieht, ist einfach schwierig zu erforschen.

Fakt ist jedenfalls: Glyphosat kann mittlerweile im menschlichen Körper nachgewiesen werden! In knapp der Hälfte aller Urinproben findet sich Glyphosat. Auch in der Muttermilch konnten Studien den Stoff schon nachweisen.

Die EU Zulassung für Glyphosat ist im Jahr 2015 ausgelaufen – die Mitgliedsstaaten konnten sich bis zum Schluss nicht einigen, und so wurde die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters in Europa um bis zu 18 Monate verlängert.

Fazit

Als Verbraucher kann man immer nur vertrauen – den Herstellern, den großen Konzernen, den Studien – oder auch nicht. Es ist für den Einzelnen, wie so oft, nicht möglich, festzustellen, wie gefährlich Glyphosat nun wirklich ist. Wie denn auch, wenn nicht einmal mehr die Experten durchblicken. Es ist auch schwierig, alle Studien und Informationen miteinander zu vergleichen – alle Forscher haben unterschiedliche Bewertungskriterien angelegt. Man kann sich nur informieren und für sich selbst die Schlüsse ziehen. Ich persönlich kaufe weiterhin vorwiegend Bio-Qualität – man muss ja nichts riskieren, wenn es auch anders geht.

Quellen:
http://www.glyphosat.de/startseite
https://www.global2000.at/sites/global/files/Glyphosate_im_menschlichen_Koerper_0.pdf
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/monsanto-glyphosat-krebserregend-ia.html
http://www.zeit.de/thema/glyphosat

Bilder/Fotograf: 
Shutterstock

ulli goeblUlrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform und hat 2015 auch ein Kochbuch  zum Thema „Clean Eating“ geschrieben.

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