In Groningen gibt es mehr Fahrräder als Einwohner, hier besitzen Bürger durchschnittlich 1,4 Fahrräder.

Mehr als 60 Prozent aller Alltagswege legen die Bewohner der Provinzhauptstadt im Norden des Landes mit dem Fahrrad zurück. Die Studenten den Groninger Universität erledigen sogar 70 Prozent ihrer Wege auf den Drahtesel. Bei diesen Zahlen verwundert es kaum, dass oft mal Parkplatzmangel herrscht, nicht aber für Autos, sondern führ die vielen Fahrräder. Vor dem Bahnhof gibt es mehr als 10.000 Fahrradabstellplätze, doch dieses reichen oft nicht aus. Wie kam es dazu, dass Groningen zur Fahrradhauptstadt der Niederlande wurde?

Bereits in den 1970er Jahren hat man entsprechende Maßnahmen gesetzt, um Autos möglichst aus dem Zentrum der Stadt draußen zu halten. Zu dieser Zeit wurden viele Städte an den kräftig gestiegenen PKW-Verkehr angepasst und es wäre wohl Ähnliches in Groningen passiert, hätte nicht ein Mann dagegen angekämpft. Max van den Berg war damals verantwortlich für Verkehrs- und Stadtplanung und träumte davon das Stadtzentrum autofrei und fußgänger- und radfahrerfreundlich zu gestallten. Natürlich stieß der damals gerade einmal 24 Jahre alte Politiker und Visionär auf viel Wiederstand. Doch er hielt an seinem Plan fest, die alten Stadteile mit all ihren traditionsreichen Bauten zu erhalten und zu lebenswerten innerstädtischen Wohnvierteln, mit viel Platz für Radfahrer und Fußgänger, zu machen.

Nicht nur innerhalb der Stadtverwaltung hatte Van den Berg Gegner, auch die lokalen Geschäftstreibenden waren gegen seine Pläne. Man fürchtete, dass niemand mehr ins Zentrum kommen würde um einzukaufen, wenn man nicht mit dem Auto dorthin fahren könnte. Niemand konnte sich vorstellen, dass diese Maßnahmen am Ende sogar mehr Menschen ins Zentrum locken könnten, doch heute ist das so. Eines Morgens wachten die Groninger auf und fanden sich mit einer komplett neuen Verkehrssituation in ihrer Stadt konfrontiert. Über Nacht hatte die Gemeinde hunderte neue Verkehrsschilder aufstellen lassen, viele Straßen wurde zu Einbahnen oder die Richtung von bestehenden Einbahnen wurde geändert. Das Zentrum war ab diesem Zeitpunkt in vier Zonen unterteilt, mit dem Auto kann man seither nicht mehr von einer in die andere fahren. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß geht das aber problemlos, da das Zentrum nicht sehr groß ist, dauert das auch nicht lange. Will man mit dem Auto von einer Zone in eine andere, muss man den Außenring nehmen und braucht viel länger.

Was vor mehr als vierzig Jahren begann, ist aber noch nicht abgeschlossen, auch heute setzt man weiterhin Maßnahmen, um den nichtmotorisierten Verkehr zu fördern. Fahrradwege werden weiter ausgebaut und beheizt, sodass man auch im Winter gefahrlos radeln kann. Ampel sind so geschalten, dass Fahrräder schneller vorankommen als Autos. Fahrradabstellmöglichkeiten werden weiterhin ausgebaut und bei jedem Neubau in der Stadt Groningen muss auch eine Analyse gemacht werden, welche Fahrradinfrastruktur benötigt wird und entsprechen miteingeplant und verwirklicht werden. Ein Großteil des Groninger Konzeptes ließe sich bestimmt auch auf viel andere Städte übertragen.

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Bild: Wutsje

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