Profitgier ist frei von jeder Moral und tötet und zerstört alles, was die Renditen mindert. Aktuell brennt Indonesien, weil ein Ökoprodukt dem freien Markt geopfert wird.
Dieser Artikel wurde am 30. Oktober 2015 veröffentlicht
und ist möglicherweise nicht mehr aktuell!

In diesem Jahr sind die Folgen der illegalen Brandrodungen in Indonesiens Regenwäldern zur Gewinnung weiterer riesiger Flächen für Palmölplantagen besonders extrem. Inzwischen sind bis zu 90 Millionen Menschen durch die giftigen Rauchschwaden bedroht und der Staat organisiert bereits massenhafte Evakuierungen in den besonders betroffenen Gebieten. Palmöl ist ein besonders beliebtes Naturprodukt, eines der gesündesten Pflanzenöle und inzwischen auch ein zum Teil sogar staatlich geförderter Ersatz für Erdölprodukte, wie z.B. Dieseltreibstoff. Dass dafür allerdings gewaltige Flächen des Regenwaldes zerstört und Millionen Menschen vergiftet werden, der CO2-Ausstoss allein bei den Brandrodungen die sonst positive CO2-Billanz des Palmöls wieder zu Nichte macht, zeigt, wie problematisch eine „grüne Wirtschaft“ unter Beibehaltung des westlichen Wirtschaftssystems ist.

Das Wirtschaftssystem ist das Problem und nicht unbedingt die Produkte

Sobald irgendein beliebiges Produkt industriell hergestellt wird, verliert es seine Unschuld und wird zu einem Problem. Die Umstellung von fossilen Rohstoffen, zuerst für die Energiegewinnung auf nachwachsende Rohstoffe war eine grundsätzlich gute Idee um eine nachhaltige Zukunft zu erreichen. Da diese Umstellung allerdings dem sogenannten freien Markt überlassen wurde, geriet Nachhaltigkeit sofort in Vergessenheit, die Mafia machte natürlich auch daraus eine neue Geschäftsidee. Eine Geschäftsidee hat allein eine mögliche Rendite als Prämisse und nicht einen nachhaltigen Aspekt. Nach den kannibalistischen Regeln der Mafia wird der Rendite alles untergeordnet, was diese behindern könnte. Der Versuch, in diesem Wirtschaftssystem eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, ist wieder einmal gescheitert. Nachhaltiger Kapitalismus ist ein klassisches Oxymoron, ein Begriff der zwei sich ausschließende Gegensätze enthält. Kapitalismus kann nicht nachhaltig sein, weil er ein ungebremstes Wachstum benötigt, das irgendwann an eine natürlich Grenze stößt und Nachhaltigkeit fordert ein System, das sich selbst dadurch erhält, das es eben nicht ungehindert wächst, sondern ein stabiles Gleichgewicht erreicht.
Wenn also überhaupt nachhaltige Konzepte entwickelt werden sollen, muss zuerst das gesamte Wirtschaftssystem geändert, eben nachhaltig gemacht werden.

Ohne ein ganzheitliches Konzept kann es keine Transformation geben

Biogas als Energieträger zu nutzen, ist eine gute Idee, die jedoch als Geschäftsidee sofort zu riesigen Maisplantagen führte. Ökologische Landwirtschaft ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, als Geschäftsidee in einer kapitalistischen Wirtschaft jedoch schon nicht mehr nachhaltig. Es gibt seit Jahrtausenden wirklich nachhaltige Alternativen zu allen Aspekten unseres Lebens. Sobald auch nur eine davon den Regeln der Marktwirtschaft unterworfen wird, entstehen Monopole und die Probleme werden nur verlagert und nicht gelöst.
Zuerst einmal muss also das System überdacht werden, dass machtvolle Monopole zulässt. Die Lösung liegt auf der Hand und bedeutet einfach „Dezentralisierung“. Dass Indonesien und Malaysia zusammen über 87% des weltweit genutzten Palmöls liefern, von einer Pflanze, deren Heimat in westafrikanischen Regenwäldern ist und die von den Kolonialisten (Holland) eingeführt wurde, ist nicht sinnvoll. Die exzessive Bepflanzung gigantischer Flächen auf den asiatisch/australischen Inseln seit Beginn der industriellen Nutzung der wertvollen Öle seit etwa 100 Jahren hat das ökologische Gleichgewicht dort nachhaltig zerstört. Jede Monokultur hat das Problem, dass mögliche Schädlinge und Krankheiten sich exzessiv ausbreiten, weil die betroffenen Pflanzen nun einmal in Hülle und Fülle vorhanden sind. Der Erfolg ist wiederum der exzessive Einsatz chemischer Mittel, wodurch nochmals in das Ökosystem eingegriffen wird. Für die Pflanzen lebenswichtige Nützlinge, wie zum Beispiel Bienen, werden durch die chemischen Mittel gestört oder gar getötet. Das Projekt muss letztendlich scheitern. Zurück bleiben Flächen zerstörter Regenwälder hier schon größer als die Bundesrepublik. Die Mafia, die Investoren hatten Gewinne gemacht wovon in dem betreffenden Land nichts ankam. Die Brandrodungen fressen sich nur weiter fort, bis irgendwann der Vorrat an Regenwäldern erschöpft ist.
Die einfache Lösung sind – wieder – kleine und mittlere Pflanzungen in einem Zusammenspiel mit anderen Pflanzen, die eine Vielfalt bieten und damit schon einmal Schädlingen und/oder Krankheiten weniger „Angriffsmöglichkeit“ bieten. Lernen kann man dies von den afrikanischen – und südamerikanischen – Kleinbauern, die nicht nur enorme Erträge auf kleinen Flächen erzielen, sondern automatisch ein stabiles und vielfältiges Ökosystem erhalten.
Zuletzt muss natürlich gefragt werden, ob so etwas, wie Palmöl in diesen Mengen überhaupt genutzt werden muss. Mindestens 68% werden in der europäischen und amerikanischen Nahrungsmittelindustrie genutzt, 27% in der Chemie für Kosmetika und Waschmittel und gerade 5% für die Nutzung als Energieträger. Eine bäuerliche Landwirtschaft in den alten Industriestaaten mit einer regionalen Lebensmittelverarbeitung braucht schon von sich aus wenig Zusatzstoffe, die zumeist ausschließlich für die leichtere industrielle Herstellung benötigt werden. Wo und in welchem Umfang überhaupt Palmöl produziert werden muss, müssen zuerst die Menschen vor Ort entscheiden. Sie müssen feststellen, wie ihre eigene Versorgung mit allen lebensnotwendigen Produkten aus lokaler Produktion sichergestellt werden kann. Der Bedarf in anderen Regionen wird sich, sofern das industrielle System abgeschafft ist, automatisch auf ein Minimum reduzieren. Dieses alte Mafiasystem ist davon abhängig, Bedarf für die erzeugten Produkte erst herzustellen und dann zu steigern, genau, wie es in der offiziell illegalen Drogenszene geschieht. Ist eine Sucht erst einmal da, können sich die betroffenen Menschen ein anderes „Leben“ nicht einmal mehr vorstellen. Das System ist also in sich komplett krank.

http://www.tagesschau.de/ausland/haze-indonesien-101.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/indonesien-durch-waldbraende-ist-land-in-rauchwolken-gehuellt-a-906916.html
http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/palmoel/?ppc=1&gclid=CPuml9D85sgCFUsYGwodjUMC5w&rfa=1
http://www.spektrum.de/news/der-aufruf-zum-nutella-boykott-schadet/1351481