Microsoft zeigt, dass der Meeresboden ein ziemlich guter Platz für ein Rechenzentrum sein kann.

Auf den ersten Blick mag es seltsam erscheinen, ein ganzes Rechenzentrum im Ozean zu versenken. Microsoft stellte jedoch die Hypothese auf, dass so ein zuverlässiges und energieeffizienteres Rechenzentrum möglich wäre. Im Rahmen des Projekts Natick versenkte das Unternehmen im Jahr 2018 eine Tonne im schottischen Meer. Darin befanden sich insgesamt 864 Server, die 27,6 Petabyte Speicher umfassten. Im September 2020 hat das Unternehmen berichtet, dass das Experiment erfolgreich war. Die Ergebnisse zeigen, dass die Idee eines Unterwasser-Rechenzentrums tatsächlich ziemlich gut ist.

An Land stoßen Rechenzentren auf Probleme wie Korrosion durch Sauerstoff und Feuchtigkeit und die Kontrolle von Temperaturverschiebungen. In einer wasserdichten Umgebung mit strenger Temperaturkontrolle treten jedoch weitaus weniger Probleme auf. Die Idee ist, dass diese Arten von Servern problemlos in großen und kleinen Größen in der Nähe der Küsten von Gebieten bereitgestellt werden können, in denen sie benötigt werden, und so einen besseren lokalen Zugriff auf Cloud-basierte Ressourcen an mehr Orten ermöglichen.

Die Vorteile sind groß. Laut Microsoft hatte das Unterwasser-Rechenzentrum nur ein Achtel der Ausfallrate eines landgestützten Rechenzentrums – eine dramatische Verbesserung. Diese niedrigere Ausfallrate ist wichtig, da es viel schwieriger ist, einen kaputten Server zu warten, wenn er sich in einem luftdichten Container am Meeresboden befindet. Weitere Vorteile waren die Möglichkeit, mit größerer Energieeffizienz zu arbeiten, insbesondere in Regionen, in denen das Netz an Land nicht als zuverlässig genug für einen dauerhaften Betrieb angesehen wird. Dies ist teilweise auf den geringeren Bedarf an künstlicher Kühlung für die Server in der Datenfarm aufgrund der Bedingungen am Meeresboden zurückzuführen. Das Gebiet der Orkney Island wird von einem zu 100% erneuerbaren Stromnetz abgedeckt, das sowohl von Wind als auch von Sonne gespeist wird. Abweichungen bei der Verfügbarkeit beider Stromquellen hätten sich jedoch als Herausforderung für den Betrieb eines traditionellen Überland-Rechenzentrums erwiesen. In derselben Region war das Netz aber mehr als ausreichend für ein gleich großes Rechenzentrum unter Wasser.

Microsoft untersucht bereits seit einiger Zeit die Idee von untergetauchten Servern. Im Jahr 2015 wurde ein Rechenzentrum vor der kalifornischen Küste für mehrere Monate getaucht, um zu prüfen, ob die Computer die Reise überhaupt überleben würden. Diese Versuchsrunde jetzt dauerte jedoch viel länger, um zu beweisen, dass diese Aufgabe in einem praktischen Maßstab erfüllt werden kann. Nächste Aufgabe für das Project Natick-Team von Microsoft: Zeigen, dass die Server am Ende ihrer Lebensdauer leicht entfernt und recycelt werden können.


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Bild: Microsoft