Chinas Probleme mit Umweltverschmutzung und Verkehr in den Städten sind schon legendär. Die »Great City« ist ein Versuch, aus den etablierten Stadtkonzepten auszubrechen und etwas neues zu kreieren.

Das Architektenbüro Adrian Smith+Gordon Gill hat ihren Masterplan vorgestellt für das Viertel »Chengdu Tianfu District Great City«. Das Ergebnis ist eine Satellitenstadt auf einer Fläche von 1,3 Quadratkilometer, die sich autark und ausgesprochen umweltbewusst präsentiert. Der Baubeginn durch die Beijing Vantone Real Estate Co., Ltd ist noch für diesen Herbst geplant.

Ziel des Masterplans ist es, die chronisch mit Autos überfüllten Straßen zu leeren und zugänglich zu machen für den unmotorisierten Menschen. Es galt, eine energiesparende, vor allem auch CO2-arme Lösung zu finden, wie die Bewohner der Great City ihre Wege zurücklegen können.

adrian-smith-gordon-gill-Chengdu-Tianfu-District-Great-City-8 © Smith&Gill

Nach einer Bauzeit von 8 Jahren sollen etwa 30.000 Familien und 80.000 Menschen die Stadt bevölkern, deren Arbeitsplätze überwiegend auch in der Stadt liegen sollen. Dabei wird ein maximal 15 Minuten langer Fußmarsch genügen, um von einem Ende der Stadt zum anderen zu gelangen – womit der Bedarf für ein Auto in der Stadt weitestgehend eliminiert wird. Die Anbindung an Chengdu erfolgt über den öffentlichen Verkehr. Ob und wie Parkplätze doch geplant sind, lässt sich aus den präsentierten Zeichnungen leider nicht erkennen. Der öffentliche Verkehr wird unter der Oberfläche verschwinden, für oben bleibt Platz für „human powered transport“, also überwiegend Fahrräder und Fußwege. Die Planung sieht vor, für maximal 50% der Verkehrsflächen für motorisierte Fahrzeuge aller Art zu reservieren.

Das Design der Stadt ist sparsam: 48% weniger Energie und 58% weniger Wasser und 89% weniger Müll und 60% weniger CO2-Emissionen als vergleichbare Städte sollen maximal verbraucht werden.

Um eine äquidistante Punktanordnung des äußeren Stadtrandes zu erziehlen, ist auch diese Stadt kreisförmig strukturiert, wenn auch leicht azentrisch. Die großen, kreuzförmig verlaufenden Achsen treffen sich etwas abseits des geometrischen Zentrum wie ein überdimensionales Herz.

Auch die Flächenanordnung ist interessant: Mehr als 60% der Gesamtfläche wird grün bleiben, innerhalb der Stadt sind 15% der Fläche für Parks vorgesehen, 60% sind freigegeben für Bauarbeiten. Die verbleibenden 25% nehmen Infrastrukturflächen ein.

Das Konzept ist gänzlich anders wie die geplante Sky City, ein Wolkenkratzer, der den Burj Khalifa als höchstes Gebäude der Welt ablösen soll und auf 220 Geschoßen 1 Million Quadratmeter Nutzflächen aller Art zur Verfügung stellen möchte – falls das Projekt tatsächlich realisiert wird.

Übersichtsplan Seestadt Aspera © Stadt Wien

Die Seestadt Aspern wird mit 2,4 Quadratkilometer Fläche übrigens mehr als anderthalb Mal so groß wie die „Great City“, die Konzepte sind zum Teil vergleichbar: die ringförmige Anordnung ist weniger streng, das Ziel, Wohnen und Arbeiten an einem Ort nahe beieinander zu ermöglichen, die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, der hohe Grünanteil. Die Konsequenz in der Hervorhebung des FußgängerInnen- und Radverkehrs ist weniger deutlich erkennbar und, vielleicht der wirklich große Unterschied, die Seestadt soll mit 20.000 Einwohnern nur ein Viertel der Menschen beherbergen wie die „Great City“.

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