Die Energiewende kommt nicht voran, der CO2-Ausstoss ist in 2011 höher als je zuvor. Lauert da vielleicht eine Ausrede, die Atomkraftwerke doch vielleicht nur ein wenig weiter laufen zu lassen?…

Die Energiewende kommt nicht voran, der CO2-Ausstoss ist in 2011 höher als je zuvor. Lauert da vielleicht eine Ausrede, die Atomkraftwerke doch vielleicht nur ein wenig weiter laufen zu lassen?

Link zu Zeit Online: Kommt die Atomkraft zurück?

Die Wahrheit ist ein so kostbares Gut, dass sie immer von einer Leibwache von Lügen umgeben sein sollte (Winston Churchill)

 

Die großen Energiekonzerne, Betreiber der Atomkraftwerke, stehen bereit, die Atomkraftwerke wieder allesamt ans Netz zu geben, zumindest ist keine Aktivität zu erkennen, diese ernsthaft zu ersetzen. In der Nordsee werden riesige Flächen vorgehalten, um dort gewaltige Windparks zu errichten, doch schon bei den ersten fertiggestellten Teil – Parks hapert es mit dem Stromtransport. Das Wüstenprojekt Desertec wurde mit großen Reden angekündigt, jedoch werden hier vorerst – wenn überhaupt – kleine Brötchen gebacken. In Wahrheit scheint man die nächsten Wahlen abzuwarten, in der Hoffnung, dass nach den Misserfolgen in der Energiewende die bürgerliche Regierung den Atomausstieg wieder aufweicht oder gar völlig aufhebt. Alles zum Schutze des Klimas, der scheinbar anders nicht zu erreichen sei.

 

Der alte Atomkonsens des stufenweisen Ausstiegs war ein möglicher Anfang

Mit der Vereinbarung der letzten Bundesregierung mit den Atomkonzernen, die Kraftwerke stufenweise abzuschalten, bei gleichzeitigem wachsenden Engagement auch der großen Konzerne in erneuerbaren Energien und der Einführung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) war ein wirklich gangbarer Weg gefunden worden. Alle Energieriesen begannen wirklich, sich in allen Bereichen der regenerativen Energien zu engagieren, entweder mit eigenen Anlagen (bisher rund 10% der Energiemengen) oder mit Beteiligungen an kommunalen und privaten Projekten.

Als dann die neue Regierung diesen Weg zu nachhaltiger Energieerzeugung aufkündigte, indem sie den Ausstieg beendete, endete auch die weitere Beschäftigung der Konzerne mit nachhaltiger Energie, ihre Welt war wieder in Ordnung. Der Anteil der erneuerbaren Energien beträgt in Deutschland mittlerweile zwar nahezu 20%, doch fast ausschließlich aus privaten und kommunalen Anlagen. Alle Großprojekte der Energieriesen liegen aus Eis.

 

Der Fukushima-Schock ist bald vorbei, was kommt dann?

Der herrschenden Koalition in irgendeiner Form Vertrauen zu schenken, wäre ein fataler Fehler. Möglicherweise bemerken dies die Menschen langsam. In jeder Hinsicht, sei es bei der Rettung der Banken, des Euro, der Arbeitsmarkt- oder der Gesundheitspolitik wird getrickst, gelogen und niemals für die Menschen, die Bürger gedacht und entschieden. Es gilt ausschließlich die „Pfründe der Macht“ – des Geldes – zu verteidigen.

In der Energiepolitik und – hier nun auch zugehörig – der Agrarpolitik wird ebenso gehandelt, nicht für die Bürger und schon gar nicht für die Um – Welt. Fast alle bisherigen Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien sind nicht zielführend und müssen mittelfristig sogar wieder beseitigt werden. So schaden die bisher in Deutschland betriebenen 5000 Biogasanlagen der Umwelt und dem Klima mehr, als das sie nützen.

Eine Effizienzanalyse, die offenlegt, wie viel Klimaschutz wirklich erreicht wurde, würde wieder – zumindest kurzfristig, also vielleicht gerade nach der nächsten Wahl – Argumente liefern, das alte Brückenmodell der Kernkraftnutzung erneut aufleben zu lassen.

 

Noch haben die Bürger es in der Hand, das Heft des Handelns zu ergreifen

Es kann wirklich nur helfen, den Regierenden das Heft des Handelns aus der Hand zu nehmen. Immerhin liegen in den Kellern des Umwelt- und des Landwirtschaftsministeriums noch tausende Kisten mit all dem Informationsmaterial, das die letzte Regierung für Bürgermeister, Landräte und eben die Bürger erstellen ließ – die Wege zur wirklichen Energiewende. Bisher wurde nur ein verschwindend kleiner Teil angefordert. Es fehlt in der Tat in fast allen Gemeinden die Information über die kurzfristig und nachhaltig gangbaren Wege zu einer autarken Energieversorgung allerorten.

Über 70 autarke Gemeinden machen Mut, haben gezeigt, dass es nicht nur der Umwelt, dem Klima, sondern auch der Wirtschaft und allen Bürgern hilft, wenn alle Energie dort wo sie gebraucht wird aus lokal vorhandenen Ressourcen erzeugt wird. Auch die Wertschöpfung bleibt komplett in der Region.

 

40% Anteil an der Energieerzeugung ist die magische Grenze

Sobald die von den Bürgern selbst erzeugte und genutzte Energie, Wärme und Strom, die Grenze von 40% Anteil am Energieverbrauch überschreitet, müssen die Großkonzerne aufgeben. Spätestens dann ist der „Machtklumpen“ (Gesine Schwan) gebrochen und auch die Politikermafia der bürgerlichen Parteien muss umschwenken. Die wenigen, bei den Großen beschäftigten Angestellten können indes sofort eine nachhaltig sichere Beschäftigung bei den tausenden kommunalen und privaten Kraftwerken und Energieversorgern finden.

Alle Überlandleitungen, die ohnehin fast ausschließlich dem internationalen Stromhandel dienten können demontiert werden, ebenso wie alle fossilen und atomaren Großkraftwerke. Die lokale Wertschöpfung aus der selbst erzeugten – und genutzten – Energie hat die wenigen Euro, die an den Standorten für die Kommunen abfielen längst ersetzt, ja weit übertroffen. Das den bürgerlichen Politikern der Weg in hochdotierte Aufsichtsratsposten damit vielleicht verbaut ist, mag verschmerzbar, sein, auf jeden Fall für die Bürger.

Auch volkswirtschaftlich ist – oder war – die „friedliche“ Nutzung der Kernkraft der größte Unfug, den sich die Menschheit je geleistet hat. Die Kosten – einschließlich derer für den Schutz der Castortransporte – sind eigentlich unbezahlbar, der wirkliche Preis einer Kilowattstunde Atomstrom liegt weit über 2,50 Euro. Hätte die Atomindustrie jemals alle Kosten für diese Energieerzeugung tragen müssen, wäre nie eine Kilowattstunde Atomstrom im Netz gelandet.

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