Die belgische Stadt Gent zeigt vor, wie man eine Stadt in nur ein paar Jahren von Autoverkehr befreit und somit Sicherheit und Platz für Fußgänger und Radfahrer schafft.

Wenn Städte versuchen gewisse Gebiete oder Straßenzüge von motorisiertem Verkehr zu beruhigen, wird dies oft von Protest und Aufschreien von Geschäftstreibenden und Anrainern begleitet. Noch immer sind es viele gewohnt überall hin mit dem Auto zu fahren, am liebsten direkt vor die Türe. Sich vorzustellen, dass es auch anders geht, nämlich mit öffentlichem Verkehr, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, fällt vielen schwer. Erfolgreiche Verkehrsberuhigungen zeigen aber, dass Umdenken und Umgestalten möglich ist und am Ende Vorteile für alle bringt. Die belgische Stadt Gent ist ein tolles Beispiel dafür, wie man auch relativ große innerstädtische Gebiete verkehrsberuhigen und für Fußgänger und Radfahrer sicher machen kann.

Als man in Gent vor ein paar Jahren begann sich damit zu beschäftigen, wie man Autos aus der Stadt hinaus bekommt und der Bevölkerung den Umstieg auf Fahrrad, Zufußgehen und öffentlichen Verkehr erleichtert, hat man sich beim niederländischen Nachbarn Inspiration und Rat geholt. Groningen ist mit seinen rund 200.000 Einwohnern etwas kleiner als Gent, welches knapp 250.000 hat und hier funktioniert es schon seit längerem gut, dass man Autos aus der Stadt verbannt hat. Doch auch Utrecht, welches mehr als fünfmal so viele Einwohner hat wie Gent, hat ein gut funktionierendes Verkehrskonzept, mit hohem Radfahrer- und Fußgängeranteil.

Ähnlich wie in Groningen hat man sich in Gent dazu entschieden, die Stadt in mehrere Gebiete zu teilen. Mit dem Auto darf man nicht von einem Gebiet in ein anderes Fahren, sondern kann dies nur über eine die Stadt umgebende Ringstraße tun. Der Stadtkern ist in Gent für Autos komplettes Sperrgebiet, natürlich sind Einsatzfahrzeuge und gewissen Transporte von dieser Regelung ausgenommen. Während es für Autos erschwert wurde in die inneren Bezirke zu gelangen, wurde es gleichzeitig für Radfahrer erleichtert. Es wurden Unterführungen und Radwege geschaffen, die es Radlern einfach machen von den Außenbezirken schnell und sicher in die Innenstadt oder auf die andere Seite der Stadt zu gelangen.

Diese Maßnahmen haben bereits eine Steigerung des Radfahreranteils von 22 Prozent im Jahr 2012 auf 35 Prozent im Jahr 2019 gebracht. Wo die Radwege auf Grund dieses Anstiegs zu eng wurden, hat man kurzerhand die danebenliegenden Straßen in Fahrradstraßen umgewandelt. Eine Fahrradstraße zeichnet sich dadurch aus, dass Autos hier Nachrang haben und Radfahrer nicht überholen dürfen. Im Jahr 2017 gab es erst acht solche Straßen, zwei Jahre später waren es schon 18. Auch zum Flanieren und Verweilen wurde mehr Raum geschaffen. Dort wo in den 1960er Jahren Kanäle zugeschüttet wurden, um Parkplätze zu schaffen, fließt heute wieder Wasser. Die Genter genießen diese Veränderung in den am Wasser gelegenen Cafés und bei Bootsfahrten. Natürlich lösten all diese Maßnahmen auch in Gent bei vielen erst einmal panische Aufschreie und Proteste aus, doch nach der Umsetzung funktioniert das Leben und die Wirtschaft in der Stadt mindestens genauso gut wie zuvor und eigentlich sogar besser.


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Bild: Jesus Solana, Wikimedia